Abdomen, akut / akuter Bauch / akutes Abdomen - Therapie

Eine Vielzahl von Erkrankungen der Organe im Bauchraum (Abdominalhöhle) können den sogenannten plötzlichen oder akuten Bauch (akutes Abdomen) hervorrufen.


Therapie

Ziel der Behandlung des akuten Abdomens ist die Stabilisierung der lebenswichtigen Funktionen des Organismus (z.B. Atmung und Herzfunktion) und die dauerhafte Beseitigung der Ursache für die Beschwerden. In Abhängigkeit von der Krankheitsursache erfolgt die adäquate Behandlung, zum Beispiel durch eine Operation.

Prinzipiell können dem akuten Abdomen sowohl Erkrankungen zugrunde liegen, die eine sofortige Operation erfordern, als auch Erkrankungen, die mit einer konservativen, nicht-operativen Therapie behoben werden können.

Was ist notwendig?

Die Ziele der Behandlung des akuten Abdomens sind zum einen die Stabilisierung der lebenswichtigen Funktionen des Organismus (Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel etc.) und zum anderen die dauerhafte Beseitigung des Schadens, der die Beschwerden hervorruft. Gegebenenfalls muss dafür eine vorübergehende Einschränkung der Lebensqualität (zum Beispiel die vorübergehende Anlage eines künstlichen Darmausgangs - im Fachjargon Anus praeter genannt) in Kauf genommen werden.

Sobald die Ursachen geklärt sind, kann die Therapie gegebenenfalls nachjustiert werden. Kann trotz Einsatz verschiedener Untersuchungsverfahren keine Diagnose gestellt werden und verschlechtert sich der Zustand des Patienten, entscheiden sich die Ärzte im Zweifelsfall oft für eine Notoperation.

Offene allgemeinchirurgische Behandlung

Das Standardvorgehen beim Vorliegen eines akuten Abdomens ist in der Allgemeinchirurgie die operative Therapie im Sinne der Eröffnung der Bauchhöhle (Laparotomie). Welche Schnittführung dabei gewählt wird, ist abhängig von dem Ort des vermuteten Schadens im Bauchraum. Die vielseitigste Methode stellt der sogenannte Mittelschnitt (mediane Laparotomie) dar, bei der ein Schnitt in der Mittellinie des Bauchs, in der Regel links um den Nabel herum, angelegt wird. Je nach Ursprung der Erkrankung wird dann die Organregion operativ dargestellt, die die Beschwerden verursacht. So wird zum Beispiel eine entzündete Gallenblase entfernt, eventuell entstandene Eiteransammlungen (Abszesse) ausgeräumt, verletzte Organe - wenn möglich - genäht oder entfernt (zum Beispiel die Milz) und Blutungen gestillt.

Bauchspiegelung als Behandlungsverfahren

Die Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder sogenannte Schlüssellochchirurgie kann in manchen Fällen nicht nur der Diagnosefindung dienlich sein, sondern auch zu Maßnahmen der Behandlung genutzt werden.

Es ist beispielsweise möglich, gut zugängliche Verwachsungsstränge* zwischen den Darmschlingen (Briden), welche die Darmbewegung behindern, zu lösen und zu beseitigen.

Beim mechanischen Darmverschluss und ausgeprägten Entzündungen im Bauchraum ist die Bauchspiegelung jedoch nur eingeschränkt nutzbar, da die Ursache für den Darmverschluss auf diesem Weg meist nicht behoben werden kann und das Darmgewebe bei Entzündungen durch die eingebrachten Hülsen und Instrumente sehr leicht zu verletzen ist.

Nicht allgemeinchirurgische Behandlung

Nicht-chirurgische Erkrankungsbilder, die zum Beschwerdebild des akuten Abdomens führen, werden selbstverständlich einer Therapie aus dem entsprechenden Fachgebiet zugeführt:

  • Harnleitersteine werden in der Urologie behandelt
  • Eileiterentzündungen werden in der Gynäkologie therapiert
  • Lungenentzündungen werden in der Inneren Medizin/Pneumologie behandelt
  • Herzhinterwandinfarkte werden in der Inneren Medizin/Kardiologie therapiert
  • Die Entgleisung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) wird in der Inneren Medizin/Diabetologie behandelt

Glossar

Verwachsungen: Verwachsungen sind Verklebungen bzw. bindegewebsartige Stränge zwischen den Eingeweiden und/oder der Bauchdecke. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung werden bereits mit Verwachsungen geboren. In den meisten Fällen bilden sie sich jedoch aus bislang ungeklärter Ursache nach Verletzungen, Operationen oder Infektionen. In manchen Fällen verursachen Verwachsungen keinerlei Beschwerden, in anderen Fällen können sie zu starken Schmerzen oder sogar zu Behinderungen der Darmfunktion führen.

Autor: Springer Medizin – zuletzt aktualisiert von der Redaktion „SpringerGesundheit“ am 22.10.2010

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