Schaufensterkrankheit - Arterielle Verschlusskrankheit - Therapie

Der Begriff der arteriellen Verschlusskrankheit umfasst alle arteriellen Durchblutungsstörungen, die durch Gefäßverengungen oder -verschlüsse verursacht werden.


Therapie

Die Behandlung chronischer Gliedmaßenarterienverschlüssen ist durch folgende Maßnahmen möglich: Geh- und Gefäßtraining, Medikamente, Aufdehnung der Arterie mittels Ballon (Ballondilatation, PTA) und Operationen.

Geh- und Gefäßtraining

Dies ist die Behandlungsmethode von Gliedmaßenarterienverschlüssen im Stadium II. Ihre Ziele sind:

  • Verbesserung der Sauerstoffausschöpfung in der Muskulatur
  • Bildung von Umgehungsarterien
  • Zunahme der kleinen Gefäße im Gewebe
  • Steigerung der muskulären Ausdauerleistung
  • Erhöhung des Sauerstoffangebots im Gewebe
Das Trainingsprogramm sollte mindestens zwei- bis viermal pro Woche für die Dauer von 60 Minuten durchgeführt werden. Eine Übungsstunde umfasst vier Trainingsphasen mit folgenden Inhalten:

  • Aufwärmphase (zehn Minuten): Lockerungs-, Dehnungs- und Koordinationsübungen
  • Gehtraining (20 Minuten): Belastungsorientiertes Intervallgehtraining, bei dem der Patient mit einer ansteigenden Ganggeschwindigkeit von 60 bis 150 Schritten pro Minute dreimal zwei Drittel seiner schmerzfreien Wegstrecke zurücklegt und danach eine Pause von zirka zwei Minuten einlegt. Ein Metronom, ein mechanischer oder elektronischer Taktgeber, wie ihn auch Musiker verwenden, hilft bei der Vorgabe der Schrittfrequenz.
  • Pedal-Ergometer-Training (20 Minuten): Metronomgesteuertes Pedal-Ergometer-Training mit Pausen von zwei Minuten
  • Entspannungsphase (zehn Minuten): Ballspiel, Lockerungsübung
  • Abschlussgespräch mit Trainer und Arzt
Durch ein über vier bis fünf Jahre hinweg durchgeführtes Gefäßtraining kann eine bis zu 600-prozentige Verlängerung der schmerzfreien Wegstrecke erzielt werden.

Medikamentöse Behandlung

Medikamente, die sich zur Behandlung von chronischen Gliedmaßenarterienverschlüssen eignen, sind Thrombozytenaggregations-Hemmer (Substanzen, die ein Verklumpen von Blutplättchen verhindern) und vasoaktive Medikamente (sie verbessern die Fließeigenschaft des Blutes, verbessern den Zellstoffwechsel und/oder führen zu einer Gefäßerweiterung).

Thrombozytenaggregations-Hemmer

Medikamente, die die Verklumpung von Blutplättchen und damit einem Gliedmaßenarterienverschluss vorbeugen oder diesen verhindern können, sind Acetylsalicylsäure (zum Beispiel Aspirin) und Clopidogrel(zum Beispiel Plavix, Iscover)
In einer amerikanischen Untersuchung an 22.071 gesunden Personen (Physicians´ Health Study) konnte gezeigt werden, dass unter denjenigen Personen, die jeden zweiten Tag 325 Milligramm Aspirin bekamen, erheblich weniger Gefäßoperationen durchgeführt werden mussten als bei den unbehandelten. An 240 Patienten mit chronischen Gliedmaßenarterienverschlüssen konnte gezeigt werden, dass in einem Zeitraum von zwei Jahren bei den mit Acetylsalicylsäure (990 Milligramm/Tag) behandelten Personen die Zunahme weiterer Gefäßveränderungen deutlich geringer war als gegenüber den unbehandelten (4,1 Prozent gegenüber 6,2 Prozent).

Vasoaktive Medikamente

Zu dieser Medikamentengruppe gehören die Substanzen Pentoxifyllin, Naftidrofuryl, Buflomedil, Bencyclan und Prostaglandin. Untersuchungen konnten zeigen, dass durch die Behandlung mit diesen Medikamenten die schmerzfreie Wegstrecke von Patienten mit Schaufensterkrankheit um bis zu 70 Prozent gesteigert werden konnte. Das vasoaktive Medikament, das die Substanz Prostavasin enthält, ist zur Behandlung von Patienten mit chronischen Gliedmaßenarterienverschlüssen der Stadien III und IV zugelassen. Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch Infusionen, die entweder in die Vene oder direkt in die Arterie einmal täglich gegeben werden können. Der Behandlungszeitraum beträgt zirka drei bis vier Wochen. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass bei bis zu 42 Prozent der Fälle sich die Krankheitszeichen der Stadien III und IV komplett oder teilweise zurückbildeten. Gegenüber Unbehandelten lässt sich mit Prostavasin die Amputationsrate um zirka 50 bis 70 Prozent senken. Allerdings ist der Erfolg bei Patienten mit Blutzuckerkrankheiten nicht so gut wie bei Patienten, die nicht zusätzlich an einem Diabetes mellitus leiden.

Aufdehnung von Engstellen oder Verschlüssen im Bereich der Gliedmaßenarterien (Ballondilatation, PTA)

Die durch Ultraschalluntersuchung oder Kontrastmitteluntersuchung erkannten Einengungen oder Verschlüsse von Arterien können mittels Katheter, an dem sich ein Ballon befindet, aufgedehnt werden. Nicht alle Gefäßverengungen oder Verschlüsse eignen sich für dieses Behandlungsverfahren. Der Gefäßspezialist sollte hierzu unbedingt zu Rate gezogen werden.

Durchführung

Zunächst wird die Gliedmaßenarterie punktiert und über eine Kanüle ein dünner, so genannter Führungsdraht durch die Verengung oder den Verschluss der Gliedmaßenarterie vorgeführt. Über diesen Draht wird dann der Katheter, an dessen Spitze sich ein Ballon befindet, unter Röntgendurchleuchtung vorgeschoben. Nachdem der Ballon im Bereich der Verengung oder des Verschlusses platziert wurde, wird er mittels einer Kochsalzlösung aufgedehnt. Hierbei können Schmerzen auftreten, der Dehnvorgang dauert zirka eine Minute. Nach Entleeren des Ballons lassen die Schmerzen sofort nach. In direktem Anschluss an das Aufdehnungsmanöver wird das Ergebnis durch Einbringen von Kontrastmittel in das Gefäß und Röntgen kontrolliert.

In speziellen Fällen kann es notwendig sein, dass Verkalkungen im Gefäß durch einen Katheter, der mit einem rotierenden kleinen Messer ausgerüstet ist (Atherektomiekatheter), vor der Ballondilatation abgetragen werden müssen. Im Anschluss an den Eingriff wird ein Kompressionsverband angelegt, damit es aus der Punktionsstelle nicht blutet. Eine Bettruhe von zirka 24 Stunden sollte eingehalten werden.

Die Abbildung zeigt einen solchen Ballonkatheter, unten im aufgeblasenen Zustand.

Komplikationen der Ballondilatation:

  • tödlicher Zwischenfall (Häufigkeit weniger als ein Prozent)
  • Einreißen der Gefäßinnenwand (Häufigkeit zirka fünf Prozent)
  • Notfalloperation (Häufigkeit zirka zwei Prozent)
Einlage einer Gefäßstütze (Stent)

In der letzten Zeit versucht man, neben der Erweiterung von Arterienverengungen mittels Ballon so genannte Stents (Gittergerüste) in das Gefäß einzubringen. Sie sollen ein Wiederauftreten der Gefäßeinengung an dieser Stelle verhindern. Es hat sich gezeigt, dass diese Maßnahme im Fall von Einengungen im Bereich der Beckenarterie durchaus sinnvoll ist. Werden Stents in die Oberschenkelarterie eingebracht, so ist die Gefahr des Wiederauftretens der Gefäßeinengung paradoxerweise erhöht.

Grund hierfür ist, dass im Gegensatz zur Beckenarterie die Oberschenkelarterienwand muskelfaserhaltiger ist. Durch den Druck, den das Gittergerüst von innen auf die Gefäßwand ausübt, werden die Muskelfasern in den Oberschenkelarterien zum Wachstum stimuliert, so dass diese das Gitter von außen zudrücken. Aus diesem Grund sollten auch Stents in die Kniekehlenarterie oder die Unterschenkelarterien nicht mehr eingebracht werden.

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1. Darstellung eines Gefäßverschlusses der Oberschenkelschlagader mithilfe der Röntgenkontrasttechnik. Im eingerahmten Bereich erkennt man den Abbruch des Kontrastmittelflusses und den Umgehungskreislauf durch neu gebildete Blutgefäße.

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2. Ein Katheter mit einem Gittergerüst (Stent) wird in der verschlossenen Arterie platziert.

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3. Der Stent wird in der Engstelle geöffnet und hält die Arterie durchgängig.

Im Anschluss an eine Ballonaufdehnung von Gliedmaßenarterienverengungen oder -verschlüssen oder nach Einbringen von Stents sollte eine Langzeit-Nachbehandlung mit Aspirin zur Verhütung erneuter Verschlüsse erfolgen.

Quelle: Springer Medizin
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