Morbus Crohn / Colitis ulcerosa / Darmerkrankungen - Therapie
Therapie
Die Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zielt auf eine Kontrolle des Entzündungsgeschehens und damit auf eine Linderung der Beschwerden ab. Zu unterscheiden sind dabei die Behandlung des akuten Schubes und das Vorgehen während der symptomfreien Zeiträume. Zu den Therapiestrategien gehören Medikamente und operative Verfahren.
Crohn-Patienten mit akutem Schub erhalten zunächst Glukokortikoide*, bei leichteren Verlaufsformen Aminosalizylate. Beide Substanzklassen hemmen das Immunsystem und mildern dadurch den Entzündungsverlauf. Colitis-ulcerosa-Patienten mit leichteren Schüben werden ebenfalls mit Aminosalizylaten therapiert, die in Abhängigkeit vom Ausbreitungsgrad der Erkrankung oral oder als Schaumpräparate und Einläufe (Klysmen) verabreicht werden können.
Treten trotz Behandlung wiederholt Krankheitsschübe auf, stehen Immunsupressiva wie Azathioprin zur Verfügung, die das Abwehrsystem dämpfen. Da ihre Wirkung häufig erst nach zwei bis vier Monaten eintritt, erhalten Betroffenen diese Präparate in Kombination mit Kortikosteroiden. Bei Versagen der vorgestellten Therapien können sogenannte Biologika wie Infliximab zum Einsatz kommen. Die Biologika hemmen eine für den Entzündungsprozess wesentliche Substanz des Immunsystems.
In bestimmten Fällen, z.B. bei Unwirksamkeit der medikamentösen Therapie oder Komplikationen wie Abszessen, Fisteln sowie Stenosen, können operative Verfahren notwendig werden. Vor jedem Eingriff sollte das "Für und Wider" sorgfältig abgewogen und so die Operationsindikation gestellt werden. Der Morbus Crohn lässt sich durch das Entfernen der betroffenen Darmabschnitte nicht heilen. Häufig treten neue Entzündungsherde in den angrenzenden Gebieten auf. Anders verhält es sich mit der Colitis ulcerosa. Eine Herausnahme des Dickdarms kann Heilung bringen. Trotzdem sollte auch hier nur in bestimmten Fällen eine Operation erwogen werden.
In den beschwerdefreien Zeiträumen steht die Umstellung von Nahrungs- und Lebensgewohnheiten im Vordergrund. Liegen aufgrund gestörter Darmfunktionen Mangelerscheinungen vor, stehen Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung. Weitere Therapieansätze befinden sich im Stadium der Erprobung, erste Ergebnisse sind vielversprechend. Schweinewürmer sollen die Bildung von speziellen Abwehrzellen anregen, welche die überschießende Immunreaktion unterdrücken. Cannabis und Weihrauch lindern möglicherweise die Symptome und wirken entzündungshemmend. Eine endgültige Aussage zur Wirksamkeit entsprechender Therapieformen ist jedoch noch nicht möglich.
Glossar
Glukokortikoide: Glukokortikoide sind eigentlich körpereigene (Steroid-)Hormone, die jedoch aufgrund ihres medizinischen Nutzens inzwischen in vielfachen Ausprägungen synthetisch hergestellt und als Medikamente eingesetzt werden. Von besonderem Interesse sind ihre entzündungshemmenden Eigenschaften. Die Substanzen können in die Körperzellen eindringen und in den Zellkern gelangen. Dort beeinflussen sie die Herstellung von entzündungsrelevanten Proteinen.
Autor: Springer Medizin – zuletzt aktualisiert von der Redaktion „SpringerGesundheit“ am 22.10.2010
| zurück | zur Übersicht | weiter |
|---|




