Thoraxschmerz - Brustschmerz - Symptome

Als Thoraxschmerz werden alle Schmerzen im Bereich des Brustkorbs bezeichnet, unabhängig von der Schmerzursache, der Art der Schmerzen und ihrem Entstehungsort.


Symptome

Der Schmerz tritt bei den verschiedenen Krankheitsbildern in ganz unterschiedlicher Art und Weise auf und gibt dem Arzt wichtige Hinweise auf die verursachende Erkrankung.

Erkrankungen des Brustfells und des Herzbeutels

Der Schmerz bei Erkrankungen des Brustfells (pleuraler Schmerz) wird meist als stechend und lokalisiert wahrgenommen. Er nimmt bei tiefer Atmung durch den vermehrten Zug am Brustfell zu und bei flacher Atmung ab. Aus diesem Grund atmet der Betroffene möglichst flach und vorsichtig (Schonatmung). Weil jeder Atemzug als schmerzhaft empfunden und daher nur flach geatmet wird, kommt es zu Luftnot. Beim Husten und Schnäuzen erhöht sich der Druck im Brustkorb und der Schmerz ist besonders heftig. Das zeitliche Auftreten des Schmerzes kann Hinweise auf die verschiedenen Krankheitsbilder des Brustfells geben. So tritt der Schmerz beim Pneumothorax ganz plötzlich und heftig auf, weil es auch ganz plötzlich zu dem verursachende Riss im Brustfell kommt, durch den die Luft in den Spalt im Brustfell gelangt. Akut auftretender und zunehmender Schmerz wird bei einer Lungenembolie oder einer Lungenentzündung mit Beteiligung des Rippenfells (Pleuropneumonie) beobachtet. Beginnt der Schmerz allmählich und steigert sich oder tritt als Dauerschmerz auf, kann das für einen bösartigen Tumor sprechen.

Bei einer Perikarditis (Herzbeutelentzündung) ist oft das Rippenfell mitbeteiligt und der Schmerz äußert sich wie bei anderen Erkrankungen des Rippenfells. Der Schmerz kann im Liegen und in Linksseitenlage verstärkt sein. Aufsetzen und Rechtsseitenlage verschaffen häufig Erleichterung.

Erkrankungen der Brustwand

Brustwandschmerzen sind durch einen scharfen, stechenden Schmerz charakterisiert, der typischerweise durch Druck von außen ausgelöst werden kann. Der Schmerz ist in der Regel nicht atemabhängig, aber eventuell lageabhängig. Das heißt, er nimmt in bestimmten Körperpositionen zu oder ab. Häufig besteht eine lokale Rötung oder Überwärmung über der betreffenden Stelle. Dieser Schmerz kann von Knochen, Gelenken, Knorpel oder Muskeln ausgehen.

Bei manchen Erkrankungen verlaufen die Schmerzen ringförmig um eine Brustkorbhälfte. Ursachen dieser Schmerzen können die Gürtelrose (Herpes zoster) im Brustkorbbereich sein oder eine Interkostalneuralgie, bei der die Nerven Schmerz verursachen, die zwischen den Rippen verlaufen. Als weitere Ursache sind das BWS- beziehungsweise HWS-Syndrom zu nennen, bei dem Nerven beim Austritt aus der Brust- beziehungsweise Hals-Wirbelsäule durch krankhafte Prozesse, wie zum Beispiel knöcherne Veränderungen, eingeengt werden.

Auch anatomische Varianten (zum Beispiel eine zusätzliche Rippe im Halsbereich, so genannte Halsrippe) können Druck auf Nerven und Gefäße ausüben und zu Angina pectoris-ähnlichen Schmerzen im Bereich des oberen Brustkorbs und beider Arme führen. Der Schmerz beim Schulter-Arm-Syndrom strahlt von der Schulter in den Arm aus und ist meist lageabhängig.

Tumoren

Bösartige Tumoren, die in der Lungenspitze liegen (so genannte Pancoast-Tumoren) können in die Umgebung der Lunge wachsen und Nerven in der Schulterregion zerstören. Typisch ist dabei das so genannte Horner-Syndrom mit Miosis (Pupillenverengung), Ptosis (Herabhängen des Oberlids), Enophtalmus (Zurücksinken des Augapfels) auf der betroffenen Seite.

Tracheobronchitis

Bei einer Tracheobronchitis (Entzündung der Luftröhre und der großen Bronchien) ist der Schmerz meist direkt hinter dem Brustbein lokalisiert, vor allem das Husten wird als besonders schmerzhaft empfunden.

Erkrankungen von Herz und Gefäßen

Der Schmerz bei einer Minderversorgung des Herzmuskels mit Blut (koronare Herzkrankheit oder Herzinfarkt) wird vom Betroffenen oft als Enge- oder Druckgefühl hinter dem Brustbein oder über dem Herzen (linke Brustkorbseite) beschrieben. Dieser Schmerz wird auch als Angina pectoris bezeichnet. Typisch ist die Schmerzausstrahlung in den Hals, Unterkiefer, den Oberbauch und in den linken Arm. Ausgelöst werden die Schmerzen oft durch körperliche Belastung. Bei einem Herzinfarkt oder einer Aortendissektion (Einriss der inneren Schicht der Gefäßwand der Hauptschlagader Aorta) sind die Schmerzen besonders heftig und werden als lebensbedrohend empfunden (so genannter Vernichtungsschmerz). Sie sind häufig von vegetativen Reaktionen, wie Schwitzen, Übelkeit oder Erbrechen begleitet. Während bei der Angina pectoris (Brustschmerz bei koronarer Herzkrankheit) der Schmerz in der Regel auf körperliche Entlastung und Medikamentengabe, wie beispielsweise Nitroglycerin-Spray, innerhalb von wenigen Minuten anspricht, ist das beim Herzinfarkt nicht der Fall. Der Schmerz bei der Aortendissektion tritt eventuell als wandernder Schmerz auf. Je nach Lokalisation des Einrisses besteht er im Rücken oder hinter dem Brustbein.

Ähnlich wie beim Herzinfarkt ist der Schmerz bei einer akuten Lungenembolie; auch hier wird der Schmerz vom Patienten häufig als Vernichtungsschmerz beschrieben. Bei chronischer Belastung der rechten Herzkammer (Cor pulmonale), etwa infolge einer pulmonalen Hypertonie (Bluthochdruck in den Lungengefäßen), tritt der Schmerz eher belastungsabhängig auf, ähnlich wie bei der Angina pectoris.

Erkrankungen von Speiseröhre und Bauchorganen

Der Schmerz bei Erkrankungen der Speiseröhre tritt im Hals und im Bereich des Brustbeins auf und kann von dem Thoraxschmerz bei einer koronaren Herzerkrankung nicht zu unterscheiden sein. Er kann von Sodbrennen begleitet sein und tritt oft in fester Beziehung zu den Mahlzeiten und im Liegen auf. Bei Motilitätsstörungen der Speiseröhre (Bewegungsstörungen mit Krämpfen der Speiseröhre) wird der Betroffene meist auch über Schluckstörungen klagen.

Als projizierter Schmerz wird Thoraxschmerz bezeichnet, der durch Erkrankungen innerer Organe verursacht und auf der Haut empfunden wird. Der Grund dafür liegt darin, dass viele der aus der Wirbelsäule austretenden Nerven (so genannte Spinalnerven) sowohl innere Organe als auch Hautzonen im Bereich von Brustkorb und Bauch versorgen. Es kann dann zu einer wechselseitigen Beeinflussung verschiedener Anteile eines Spinalnervens kommen. Man könnte fast sagen, dass die Nervenfasern, die ein Hautareal versorgen mitleiden, wenn das von den entsprechenden Spinalnerven ebenfalls innervierte Organ erkrankt ist. So können bei Erkrankungen im Bauchraum Schmerzen im Brustkorbbereich auftreten, die dann häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind. Meist klagt der Betroffene aber nicht nur über Thoraxschmerzen, sondern zusätzlich auch über Bauchschmerzen.

Quelle: Springer Medizin
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