Multiple Sklerose - MS - Symptome

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Hier finden Sie alles zum Thema.


Symptome

Die Symptome der Multiplen Sklerose sind sehr unterschiedlich, da sich Entzündungsherde in sämtlichen Regionen des zentralen Nervensystems (ZNS) entwickeln können. Die Krankheit verläuft daher individuell sehr verschieden. Einige Beschwerden sind sehr häufig und auch für bestimmte Erkrankungsphasen typisch.

Zu den frühen Anzeichen der Multiplen Sklerose gehören Störungen der Gefühlswahrnehmung in Armen und Beinen, der Sicherheit beim Gehen, des Gleichgewichts und des Sehens. Gerade zu Beginn der Krankheit bilden sich die auftretenden Beeinträchtigungen meist vollkommen oder bis auf geringfügige, verbleibende Störungen zurück. Im Verlauf kommen neue Beschwerden hinzu, die eher bestehen bleiben können – zum Beispiel starke Ermüdungserscheinungen, Schwäche in den Beinen, Blasenprobleme und auch sexuelle Störungen, Koordinationsstörungen oder Schmerzen. Zwar nehmen Ausmaß und Schweregrad der Symptome mit Dauer der Erkrankung oft zu, dennoch bleiben viele im Allgemeinen nur vorübergehend bestehen. Es herrscht also ein ständiges "Kommen und Gehen", so dass auch sehr lange Phasen ohne irgendwelche Krankheitszeichen vergehen können. Dieser schubförmige Verlauf ist charakteristisch für die Multiple Sklerose.

Abhängig von dem betroffenen Hirn- oder Rückenmarksareal und damit im weitesten Sinne der von dort gesteuerten Körperfunktion, können sich z.B. folgende Krankheitszeichen einstellen:


  • Sehstörungen (Doppelbilder, Verschwommensehen)
  • Kribbelmissempfindungen
  • Gefühlsstörungen
  • Taubheitsgefühl
  • Koordinationsstörungen
  • Kraftlosigkeit
  • Muskelsteifigkeit / Spastik
  • Gangstörung
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Schwindel
  • Chronische Müdigkeit, die sich auch durch viel Schlaf nicht bessert (Fatigue)
  • Blasenstörungen
  • sexuelle Störungen
  • Magen-Darm-Störungen
  • Muskelzittern / Tremor
  • Depressionen
  • Sprachstörungen
  • Kognitive Störungen (Störungen der Gedächtnisleistung)
  • Muskellähmungen verschiedenen Grades


Man unterscheidet grob drei typische Verlaufsformen bei der MS (schubförmig oder progredient = fortschreitend), die im Prinzip aber auch in Kombination auftreten können:
Bei etwa 80-90% kommt es zunächst zu einem schubförmig-remittierenden Verlauf, der bei 50-60% der Patienten innerhalb von 10 Jahren in einen sekundär chronisch progredienten Verlauf übergeht. Bei etwa 10-20% der Patienten beginnt die Erkrankung mit einem primär chronisch progredienten Verlauf.

1. schubförmiger Verlauf (RRMS = relapsing remitting multiple sclerosis)
Der schubförmige Verlauf (Schub = engl. relapse) ist gekennzeichnet durch das Auftreten von Schüben, wobei sich die Schübe vollständig oder unvollständig zurückbilden (= remittieren; Rückbildung = Remission). Im letzteren Falle können Behinderungen zurückbleiben. In den Intervallen zwischen den Schüben ist keine Krankheitsprogression (Fortschreiten der Erkrankung) zu verzeichnen.
Ein Schub ist bei der MS folgendermaßen definiert: Neue oder bereits zuvor aufgetretene klinische Ausfälle und Symptome, die subjektiv berichtet oder durch die Untersuchung objektiviert werden können und a) mindestens 24 Stunden anhalten, b) mit einem Zeitintervall von 30 Tagen zu vorausgegangenen Schüben auftreten und c) nicht durch Änderungen der Körpertemperatur (Uhthoff-Phänomen) oder im Rahmen von Infektionen erklärbar sind.
Bei den meisten Patienten bilden sich die Symptome eines Schubes innerhalb der ersten 6–8 Wochen zurück. Wenn neu aufgetretene Beschwerden über 6 Monate persistieren, sinkt die Rückbildungswahrscheinlichkeit auf unter 5%.


2. sekundär chronisch-progredienter Verlauf (SPMS = secondary progressive multiple sclerosis)
Nach anfänglich schubförmigem Verlauf geht die Krankheit in eine schleichende Zunahme der klinischen Symptome über - mit oder ohne Vorkommen gelegentlicher Schübe.

3. primär chronisch-progredienter Verlauf (PPMS = primary progressive multiple sclerosis)
Die Krankheit beginnt bereits mit einer schleichenden Zunahme neurologischer Symptome, es treten keine Schübe auf. Gelegentlicher Stillstand des Fortschreitens und geringfügige Verbesserungen sind möglich.

Der Verlauf einer MS kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. Deshalb ist eine genaue Voraussage der weiteren Krankheitsentwicklung nicht möglich. Bei einer Vielzahl von Betroffenen verläuft die MS gutartig. Es kommt häufig zur Abheilung der entzündlichen Herde und Rückbildung auftretender Beschwerden. Nur in einzelnen Fällen (unter 5%) kommt es zu einer schweren Behinderung innerhalb weniger Jahre.

Quelle: Springer Medizin
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