Phobien, spezifisch - Symptome
Symptome
Nicht immer ist die Angst klar zu erkennen. Manchmal spürt man auch nur die körperlichen Symptome. Die Symptome sind verschieden bei Kindern und Erwachsenen, aber auch bei Männern und Frauen.
Was ist normal, was krank?
Ob eine Managerin jahrelang immer wieder vor der Praxistür eines Zahnarztes steht, schweißgebadet an der Hand ihres Mannes, und dann doch nicht eintritt; ob eine Journalistin bereits auf dem Weg zum Flughafen nur von der Frage beherrscht wird, ob sie jemals ihr Ziel erreichen wird - alle spezifischen Phobiker reagieren körperlich, mit quälenden Gedanken und der oftmals immer stärker werdenden Tendenz zum Rückzug.
Je krasser Reaktionen vom Üblichen abweichen - je mehr sie Sie auf Grund von Schweißausbrüchen, Ohnmachtgefühlen oder Kontrollverlusten (hysterischen Anfällen, Erbrechen, Flucht) daran hindern, das zu tun, was Sie tun wollen, umso eher wird man ein solches Verhalten als Störung auffassen.
Diagnostische Kriterien nach ICD-10 und DSM-IV
"Where are you going?" "I´m going to die..." Von einer spezifischen Phobie sollte dann gesprochen werden, wenn die Angstanfälle bestimmte Merkmale aufweisen.
Die Merkmale der Angstanfälle sind in zwei internationalen statistischen Systemen zur Klassifikation der Krankheiten festgelegt, in der ICD-10 (International Classification of Diseases) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) der American Psychiatric Association (APA). Solche Systeme erlauben eine zuverlässige Abgrenzung zu anderen Angststörungen.
Diagnostische Kriterien nach ICD-10
- Spezifische Phobien sind, wie die Bezeichnung bereits sagt, auf spezifische Situationen beschränkt. Häufige phobische Objekte und Situationen sind die Nähe bestimmter Tiere, Vögel, Insekten; sind Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, kleine geschlossene Räume, Anblick von Blut oder Verletzungen, Injektionen, Zahnarzt- und Krankenhausbesuche, Urinieren oder Defäzieren auf öffentlichen Toiletten, die Furcht, bestimmten Krankheiten ausgesetzt zu sein. Strahlen- und Geschlechtskrankheiten sind häufig Objekt der Krankheitsphobien, in jüngster Zeit auch Aids.
- Obwohl die auslösende Situation eng begrenzt ist, kann sie wie bei der Agoraphobie oder einer sozialen Phobie Panik auslösen.
- Spezifische Phobien entstehen gewöhnlich in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter und können unbehandelt Jahrzehnte lang bestehen. Das Ausmaß der eintretenden Behinderung hängt davon ab, wie leicht die betreffende Person die phobische Situation vermeiden kann.
- Im Gegensatz zur Agoraphobie wechselt das Ausmaß der Furcht vor dem phobischen Objekt nicht.
- Durch Anwesenheit oder Erwartung eines spezifischen Objektes oder einer Situation ausgelöste Angst.
- Die Konfrontation mit dem spezifischen Objekt/der Situation löst fast immer eine unmittelbare Angstreaktion aus, die die Form eines Angstanfalls annehmen kann.
- Die phobischen Stimuli werden vermieden oder mit starker Angst ertragen.
- Die Person erkennt, dass die Angst übertrieben oder unvernünftig ist.
- Die Vermeidung oder die ängstlichen Erwartungen verursachen ausgeprägtes Leiden oder beeinträchtigen die berufliche oder soziale Funktionsfähigkeit.
- Die Angst oder die phobische Vermeidung steht nicht in Zusammenhang mit einer anderen psychischen Störung, zum Beispiel nicht Angst vor Verunreinigung (Zwangssyndrom), Vermeidung von Signalreizen bezogen auf einen erlebten, schweren Stressor (posttraumatische Belastungsreaktion), Vermeidung von sozialen Situationen auf Grund der Angst vor Peinlichkeit (Sozialphobie), Angst vor einem unerwarteten Angstanfall (Paniksyndrom) oder agoraphobische Vermeidung.
Phobische Störungen im Kindesalter
Bei dieser Gruppe von Störungen wird Angst ausschließlich oder überwiegend durch eindeutig definierte, im Allgemeinen aber ungefährliche Situationen oder Objekte hervorgerufen.
- Unangemessen ausgeprägte Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen, die in bestimmten Entwicklungsphasen von der Mehrheit der Kinder als beängstigend erlebt werden, zum Beispiel laute Geräusche, imaginäre Gestalten (Gespenster), Tiere (Hunde), Dunkelheit oder Gewitter.
- Typische vegetative Begleiterscheinungen sind Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Atembeschwerden sowie Beklemmungs- und Schwindelgefühle.
- Phobische Angst ist subjektiv, physiologisch und im Verhalten von anderen Angstformen nicht zu unterscheiden, sie variiert zwischen leichtem Unbehagen bis zur Panik.
- Die Angst wird nicht durch die Erkenntnis gemildert, dass andere solche Situationen oder Objekte nicht als gefährlich oder bedrohlich betrachten.
- Die spezifischen Situationen oder Objekte werden charakteristischerweise gemieden oder mit ausgeprägter Angst ertragen.
- Allein die Vorstellung, daß die phobische Situation eintreten könnte, erzeugt gewöhnlich schon Erwartungsangst.
- Erzwungene Konfrontation mit dem Angst besetzten Objekt beziehungsweise der Angst besetzten Situation löst ausgeprägte Angst aus und wird typischerweise mit Weinen, Schreien, Fortlaufen oder Anklammern an Bezugspersonen beantwortet.
- Die Angst ist nicht Teil einer generalisierten Störung und beruht nicht auf anderen Symptomen wie Wahn- oder Zwangsgedanken.
- Kinder mit dieser Störung zeigen eine durchgängige oder wiederkehrende altersunangemessene Ängstlichkeit in sozialen Situationen, in denen das Kind auf fremde Personen trifft. Es besteht Befangenheit, Verlegenheit oder übertriebene Sorge über die Angemessenheit des eigenen Verhaltens Fremden gegenüber. Auf neue oder erzwungene soziale Situationen wird mit deutlichem Leid und Unglücklichsein, mit Weinen, Schweigen oder Rückzug reagiert.
- Die Angst kann sich entweder auf Erwachsene oder auf Gleichaltrige sowie auf beide Gruppen beziehen.
- Dieses Verhalten führt zu einer bedeutsamen Beeinträchtigung in den sozialen Beziehungen: Typischerweise werden solche Situationen vermieden.
- Die Störung beginnt vor dem sechsten Lebensjahr und ist nicht Teil einer generalisierten Störung.
- Das Ausmaß der spezifischen Angst bleibt in der Regel konstant.
- Zu Familienmitgliedern oder anderen vertrauten Personen bestehen unbeeinträchtigte selektive Bindungen.
Kindern fehlt häufig das Bewusstsein für das Problem und die Krankheitseinsicht, das heißt Angst und Vermeidungsverhalten werden nicht unbedingt als krankhaft wahrgenommen.
Schulphobie und Schulangst: Fachärztliche Hilfe, kein Attest
Eine Schulphobie hat nichts mit Schwänzen zu tun.
"Fast jedes zehnte Schulkind leidet unter einer Angststörung, im Grundschulalter sogar etwa jedes siebte", sagte der Pädiater Prof. G. Nissen, Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Wenn Kinder partout nicht in die Schule wollen, sollten Eltern durch einen Facharzt klären lassen, ob es sich um
- Angst handelt, sich von der Mutter beziehungsweise Familie zu trennen
- Angst vor Bestrafung bei schlechten Noten
- Abneigung gegen den Lehrer und/oder Schulkameraden
- um körperliche, seelische oder intellektuelle Defizite, unter denen sie in der Schule zu leiden hätten
Dasselbe gelte für Schulschwänzer. Wer statt zu lernen lieber auf dem Sportplatz, in Spielhallen oder Kaufhäusern unterwegs sei, laufe Gefahr, später eine soziale Phobie zu entwickeln.
Geschlechterunterschiede: Wie fühlt sich Angst an?
Wie sich Angst anfühlt, ist nach Ansicht einiger Experten im Wesentlichen eine Frage des Geschlechts.
Kinder und Jugendliche entwickeln zwischen zwölf und 17 Jahren zum Teil gravierende Ängste, Depressionen und andere psychische Störungen.
Mädchen: Auseinandersetzung
Wie sich die Angst "anfühlt", ist nach Ansicht der Leiter der Befragung, Dr. C. Essau und Prof. F. Petermann, wesentlich abhängig vom Geschlecht. Nach Angaben der Forscher sind Mädchen deutlich häufiger depressiv, ängstlich und reagieren öfter mit psychosomatischen Beschwerden wie Bauch- und Kopfschmerzen als Jungen. "Mädchen registrierten Entwicklungen in ihrem sozialen Umfeld offenbar sensibler und setzten sich intensiver mit Problemen auseinander", schloss Essau daraus und nannte einige Beispiele:
- Scheidung der Eltern
- Tod eines Elternteils oder eines nahen Freundes oder Verwandten
- Umzug an einen anderen Ort mit Schulwechsel
- längere Zeit der Überforderung in der Schule
Dagegen neigten Jungen dazu, sich von solchen Problemen abzulenken. Bei ihnen haben die Forscher häufiger ein gestörtes Sozialverhalten festgestellt, was vom Stören im Unterricht, Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit bis hin zum Schule schwänzen, zu Schlägereien, Diebstahl und Wohnungseinbruch reicht. Mit steigendem Alter nehme bei Jungen auch die Bereitschaft zum Alkohol- und Drogenkonsum zu.
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