Generalisierte Angsterkrankung (GAE), Angst - Symptome

Das generalisierte Angstsyndrom, maskiert sich hinter einer Vielzahl von Symptome und tritt häufig im Zusammenhang mit einer Depression auf.


Symptome

Die Angst kommt schleichend und ist gekennzeichnet durch unrealistische Sorgen um alles und jeden. Diese unheilvollen Gefühle und Gedanken nagen an der Seele und am Körper.

Von einem generalisierten Angstsyndrom, einer generalisierten Angsterkrankung oder generalisierten Angststörung sollte dann gesprochen werden, wenn die Angstanfälle ganz bestimmte Merkmale aufweisen. Diese sind in zwei internationalen statistischen Systemen zur Klassifikation der Krankheiten festgelegt: In der ICD (International Classification of Diseases) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) der American Psychiatric Association (APA). Natürlich sind derartige Festlegungen immer nur Ausdruck von Konventionen, die ihrer Natur nach veränderlich sind. Dennoch erlauben Systeme wie diese eine zuverlässige Abgrenzung zu anderen Angststörungen. Seit der erstmaligen Festlegung der Kriterien für eine GAE ergaben sich in verschiedenen Revisionen einige Änderungen. Die Definition der Erkrankung ist in ihrem Kern jedoch gleich geblieben:

Übermäßige, anhaltende und kaum zu kontrollierende Ängste und Vorahnungen, die aber nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt oder darin nur besonders betont sind. Häufig werden Befürchtungen geäußert, der Patient selbst oder ein Angehöriger könnten demnächst erkranken oder verunglücken. Diese Sorgen werden von einer Reihe psychischer und körperlicher Symptome begleitet, wobei letztere im Vordergrund stehen können.

Eine GAE kann nicht nur auf das Leben der Patienten verheerende Auswirkungen haben, sondern auch auf das ihrer Familie und Freunde. Zwar sind von den typischen Symptomen zunächst die Patienten selbst betroffen, da sie ihre unheilvollen Ahnungen im Allgemeinen für sich behalten. Doch die Fülle der begleitenden Beschwerden können auch den Alltag der Mitmenschen aus dem Lot bringen. Die sich zunehmend vermindernde Fähigkeit der Betroffenen, die eigene soziale Rolle zu erfüllen und am beruflichen wie gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, kann weit reichende Komplikationen haben:

  • Depressionen
  • Verlust der Produktivität am Arbeitsplatz
  • Arbeits- und Beziehungsunfähigkeit
  • kompletter Rückzug
  • Alkohol- und Medikamentenmissbrauch
  • Suizidgefahr

Damit lassen sich Studienergebnisse nachvollziehen, in denen sich die GAE als eine der schwerwiegendsten Formen der Angsterkrankungen (ähnlich der Panikstörung) erwies.

Bei 49 Prozent aller in Studien untersuchten Fälle konnten gravierende berufliche, zwischenmenschliche oder andere soziale Komplikationen festgestellt werden.

Ein Krankheitsverlauf, der letztlich zu verschiedenen psychischen Störungen führt, wird in der Fachsprache als Komorbidität bezeichnet. Gerade für das Verständnis von Sucht ist aus psychiatrischer Sicht das häufige Zusammentreffen mit den so weit verbreiteten Angsterkrankungen und Depressionen sehr wichtig.

Damit sich nun aus dem Mosaikbild der Beschwerden die GAE-spezifischen heraus finden lassen, stehen dem Arzt die Kriterien der ICD-10 und des DSM IV zur Verfügung, die nachfolgend vorgestellt werden. Ein Vergleich beider Systeme ergibt Unterschiede, die hier aber unkommentiert bleiben.

Krankheitszeichen nach ICD-10

Der Patient muss während mindestens sechs Monaten mindestens vier bestimmte Symptome aufweisen.

A. Ein Zeitraum von mindestens sechs Monaten mit vorherrschender Anspannung, Besorgnis und Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme.

B. Mindestens vier Symptome der unten angegebenen Liste, davon eins von den Symptomen 1. bis 4. müssen bestehen:

Vegetative Symptome:

1. Herzklopfen oder erhöhte Herzfrequenz
2. Schweißausbrüche
3. fein- oder grobschlägiger Tremor
4. Mundtrockenheit (nicht infolge Medikation oder Exsikkose)

Symptome, die Thorax und Bauch betreffen:

5. Atembeschwerden
6. Beklemmungsgefühl
7. Thoraxschmerzen und -missempfindungen
8. Übelkeit oder Missempfindungen im Bauch (zum Beispiel Kribbeln im Magen)

Psychische Symptome:

9. Gefühl von Schwindel, Unsicherheit, Schwäche und Benommenheit
10. Gefühl, die Objekte sind unwirklich (Derealisation) oder man selbst ist weit entfernt oder "nicht wirklich hier" (Depersonalisation)
11. Angst vor Kontrollverlust, verrückt zu werden oder "auszuflippen"
12. Angst zu sterben

Allgemeine Symptome:

13. Hitzewallungen oder Kälteschauer
14. Gefühllosigkeit oder Kribbelgefühle

Symptome der Anspannung:

15. Muskelverspannung, akute und chronische Schmerzen
16. Ruhelosigkeit und Unfähigkeit zum Entspannen
17. Gefühle von Aufgedrehtsein, Nervosität und psychischer Anspannung
18. Kloßgefühl im Hals oder Schluckbeschwerden

Andere unspezifische Symptome:

19. übertriebene Reaktionen auf kleine Überraschungen oder Erschrecktwerden
20. Konzentrationsschwierigkeiten, Leeregefühl im Kopf wegen Sorgen oder Angst
21. anhaltende Reizbarkeit
22. Einschlafstörungen wegen der Besorgnis

C. Die Störung erfüllt nicht die Kriterien für eine Panikstörung, eine phobische Störung, eine Zwangsstörung oder eine hypochondrische Störung.

D. Häufigste Ausschlusskriterien: Die Störung ist nicht zurückzuführen auf eine organische Krankheit wie eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), eine organische psychische Störung oder auf eine Störung, die zum Beispiel durch eine exzessive Verwendung von amphetaminähnlichen Substanzen oder Benzodiazepinentzug bedingt ist.

Krankheitszeichen nach dem DSM IV

Der Patient muss während mindestens sechs Monaten mindestens drei bestimmte Symptome aufweisen.

A. Übermäßige Angst und Sorge (furchtsame Erwartung) bezüglich mehrerer Ereignisse oder Tätigkeiten (wie etwa der Arbeit oder Schulleistungen), die während mindestens sechs Monaten an den meisten Tagen auftraten.

B. Die Person hat Schwierigkeiten, die Sorgen zu kontrollieren.

C. Die Angst und die Sorge sind mit mindestens drei der folgenden sechs Symptome verbunden (wobei zumindest einige der Symptome in den vergangenen sechs Monaten an den meisten Tagen vorlagen)

Bei Kindern genügt ein Symptom.

1. Ruhelosigkeit oder ständiges "Auf dem Sprung sein"
2. leichte Ermüdbarkeit
3. Konzentrationsschwierigkeiten oder Leere im Kopf
4. Reizbarkeit
5. Muskelspannung
6. Schlafstörungen (Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten oder unruhiger, nicht erholsamer Schlaf)

D. Die Angst und Sorgen sind nicht auf Merkmale einer Achse-I-Störung beschränkt (Anmerkung der Redaktion: Die Klassifizierung von psychischen Störungen nach dem DSM-IV wird anhand von fünf verschiedenen Achsen vorgenommen). Das heißt, die Angst und Sorgen beziehen sich nicht darauf, eine Panikattacke zu haben (wie bei Panikstörungen), sich in der Öffentlichkeit zu blamieren (wie bei Sozialer Phobie), verunreinigt zu werden (wie bei Zwangsstörungen), von zu Hause oder engen Angehörigen weit entfernt zu sein (wie bei Störung mit Trennungsangst), an Gewicht zuzunehmen (wie bei Anorexia nervosa), viele körperliche Beschwerden zu haben (wie bei Somatisierungsstörung) oder eine ernsthafte Krankheit zu haben (wie bei Hypochondrie). Außerdem treten die Angst und Sorgen nicht ausschließlich im Verlauf einer Posttraumatischen Belastungsstörung auf.

E. Die Angst, Sorge oder körperlichen Symptome verursachen in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

F. Das Störungsbild geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (zum Beispiel Droge, Medikament) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion) zurück und tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer affektiven Störung (zum Beispiel Manie), einer Psychotischen Störung (zum Beispiel Schizophrenie) oder einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung auf.

Krankheitszeichen bei Kindern

Kinder und Jugendliche klagen meist weniger über die für eine GAE typischen Beschwerden.
Auch vegetative Begleitsymptome stehen oft nicht stark im Vordergrund. Für diese Betroffenen können folgende alternative Kriterien verwendet werden:

A. Intensive Ängste und Sorgen (ängstliche Erwartung) über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten an mindestens der Hälfte der Tage. Die Ängste und Sorgen beziehen sich auf mindestens einige Ereignisse und Aktivitäten (wie Arbeits- oder Schulpflichten).

B. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, die Sorgen zu kontrollieren.

C. Die Ängste und Sorgen sind mit mindestens drei der folgenden Symptome verbunden (mindestens zwei Symptome an mindestens der Hälfte der Tage):

1. Ruhelosigkeit; Gefühl überdreht, nervös zu sein (deutlich zum Beispiel durch das Gefühl geistiger Anstrengung zusammen mit der Schwierigkeit, sich zu entspannen)
2. Gefühl von Müdigkeit, Erschöpfung oder einfach Anstrengung durch die Ängste und Sorgen
3. Konzentrationsschwierigkeiten oder Gefühl, der Kopf sei leer
4. Reizbarkeit
5. Muskelverspannung
6. Schlafstörung (Ein- und Durchschlafstörungen, unruhiger oder schlechter Schlaf) wegen der Ängste und Sorgen)

D. Die vielfältigen Ängste und Befürchtungen treten in mindestens zwei Situationen, Zusammenhängen oder Umständen auf. Die generalisierte Angststörung tritt nicht in einzelnen Episoden (wie eine Panikstörung) auf, die Hauptsorgen beziehen sich auch nicht auf ein einzelnes Hauptthema (wie bei der Störung mit Trennungsangst oder der phobischen Störung des Kindesalters).

E. Beginn in der Kindheit oder in der Adoleszenz (vor dem 18. Lebensjahr).

F. Die Ängste, Sorgen oder körperlichen Symptome verursachen klinisch deutliches Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen und in anderen wichtigen Lebens- und Funktionsbereichen.

G. Die Störung ist keine direkte Folge einer Substanzaufnahme (zum Beispiel Drogen, Medikamente) oder einer organischen Krankheit (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion) und tritt auch nicht ausschließlich im Rahmen einer affektiven Störung oder psychotischen Störung oder einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung auf.

Es sollte stets berücksichtigt werden, das Ängste vor bestimmten Situationen oder Objekten (zum Beispiel Trennungsängste, Angst vor Fremden, vor der Schule) zu den normalen Entwicklungsstufen eines Kindes gehören. Langzeitängste können deshalb auch als eine (durch Umfeld und biologische Aspekte beeinflusste) Verzögerung in der Entwicklung verstanden werden.

Quelle: Springer Medizin
Seite empfehlen:
A A A
Ärzte Zeitung - DIE Tageszeitung für die Praxis

Täglich Neue Forschungsergebnisse zu medizinischen Themen: Vorbeugen, Erkennen, Behandeln.
www.aerztezeitung.de

Twitter

Twitter

Folgen Sie uns auf Twitter!

Bekommen Sie täglich News in Ihrem Twitter-Feed und nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Hier geht's zu unserer Twitter-Seite

Kooperationspartner

cover_wissen_und_gesundheit_3_2011

Wissen & Gesundheit

Das Magazin für mehr Lebensqualität.

  • Gesund auf Reisen
    Zu Urlaubsvorbereitung gehört auch, Gesundheitsrisiken vorzubeugen.
  • Den Erfolg im Visier
    Magdalena Neuner findet die richtigen Rezepte, Leistungsdruck und Entspannung zu vereinbaren.
  • Dem Herzen Gutes tun
    Herzgesund leben ist nicht schwer – und lohnt sich immer!

Wissen & Gesundheit