ADHS, ADS - Aufmerksamkeitsdefizitstörung - Prävention

Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS, ADHS, MCD, Hyperaktivität, Hyperkinetisches Syndrom)


Prävention

Es geht nicht darum, alle temperamentvollen Kinder als hyperaktiv zu klassifizieren und alle schüchternen als aufmerksamkeitsschwach. Nur sollte bei vermeintlichen Störenfrieden oder Träumerchen die Möglichkeit mitbedacht werden, dass sie sich infolge einer Aufmerksamkeitsstörung in bestimmter Weise verhalten.

Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom kann einen Menschen ein Leben lang belasten, insbesondere im Hinblick auf seine Schul- und Berufslaufbahn. Eine unerkannte und unbehandelte hyperkinetische Störung kann zu erheblichen psychischen Folgeerkrankungen führen. Je früher also die oft langwierige Behandlung begonnen werden kann, desto günstiger ist die Prognose.

Zugute käme es den Kindern, wenn Eltern, Erzieher und Lehrer, insbesondere die Grundschullehrer, ein aufmerksames Auge auf Kinder hätten, die entweder durch extreme motorische Unruhe und Impulsivität auffallen oder gerade besonders ruhig wirken, nicht so begabt, keine altersgemäße Sprachentwicklung zeigen, Fragen nicht richtig beantworten können, sehr verträumt sind. Erfahrene Ärzte, Psychologen und Lehrer können sich schnell ein Bild machen, ob es sich um nicht altersgemäße Verhaltensweisen handelt.

Es geht nicht darum, allen temperamentvollen Kinder das Etikett hyperaktiv aufzudrücken und allen schüchternen Kinder das Label aufmerksamkeitsschwach. Vielmehr soll der Gefahr vorgebeugt werden, Kinder sehr früh in bestimmte Schubladen zu stecken: Hier der notorische Störenfried, Quälgeist oder Klassentyrann, dort die Träumliese, das Dummerchen, das eher praktisch begabte Mädchen.

Die Nervensäge oder das Träumerchen können aber liebenswerte, intelligente, hilfsbereite und kreative Jungen und Mädchen sein, die sich infolge einer Aufmerksamkeitsstörung nur nicht so verhalten können, wie sie wollen.

Diese Möglichkeit sollte in unklaren Fällen immer mit bedacht werden.

Im Bereich der dritten und vierten Klassen der Grundschulen bestehen noch gute Chancen, schulische und soziale Defizite auszugleichen, wenn sich Eltern und Lehrer, bei stärkeren Auffälligkeiten gemeinsam mit einem kompetenten Arzt oder Psychologen, Gedanken darüber machen, wo das Kind Schwächen oder Stärken zeigt und wie man ihm konkret behilflich sein kann, Erfolgserlebnisse zu erfahren. Das wirkt sich nicht nur auf die Leistung aus, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein der Kinder, die sonst leicht in die Gefahr geraten, auf die ständigen Misserfolge und negativen Rückmeldungen im schulischen und sozialen Bereich mit Depression oder Aggression zu reagieren.

Und es schadet sicher keinem Kind, wenn Eltern sozusagen vorbeugend regelmäßig eine Spaß- und Spiel-Zeit einplanen, wie es in Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten empfohlen wird:

  1. Sammeln Sie mit Ihrem Kind zusammen Spielideen für eine festgelegte Spaßzeit.
  2. An dieser Spaßzeit dürfen keine anderen Kinder teilnehmen.
  3. Wählen Sie sich einen Zeitpunkt aus, an der diese Spaßzeit stattfindet.
  4. Ihr Kind bestimmt, was und wie gespielt wird.
  5. Entspannen Sie sich! Beobachten Sie zunächst für einige Minuten nur, was Ihr Kind gerade macht und versuchen Sie dann mitzuspielen.
  6. Beschreiben Sie laut, was Ihr Kind macht.
  7. Drehen Sie sich um und schauen Sie für eine kurze Zeit in eine andere Richtung, wenn sich Ihr Kind problematisch verhält.
  8. Stellen Sie keine Fragen und sagen Sie Ihrem Kind nicht, was es tun soll.
  9. Loben Sie Ihr Kind gelegentlich oder sagen ihm etwas Schönes.
Und das macht garantiert nicht nur den Kindern Spaß!

Was Sie sonst noch tun können
  • Kinder brauchen einen geordneten Tagesablauf: zum Beispiel feste Zeiten für Mahlzeiten, zum Schularbeiten erledigen und zum Spielen. Ganz wichtig dabei ist, das Kind zu loben, wenn es Vorgaben befolgt oder seine Aufgaben erfüllt hat. Selbst kleinen Erfolgen gehört ein entsprechendes Maß an Anerkennung.

  • Körperlicher Aktivität wird bei ADHS große Bedeutung zugeschrieben: Austoben, beispielsweise auf dem Fußballplatz, mindert innere Unruhe und Aggressionen. Außerdem trägt Sport (besonders Mannschaftssport) dazu bei, dass das Kind das Einhalten von Regeln und Rücksichtnahme auf seine Mitmenschen lernt.

  • Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist für die normale Entwicklung eines Kindes unerlässlich. Dazu gehören vor allem viel Obst und Gemüse, weil sie einen hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen haben. Außerdem sollte auf Lebensmittel geachtet werden, die reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind (z. B. Oliven- und Rapsöl, Lachs, Nüsse).

Quelle: bsmo Redaktion, Springer Professional Medicine
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