Multiple Sklerose - MS - Diagnose

Die Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Hier finden Sie alles zum Thema.


Diagnose

Der Nachweis der Multiplen Sklerose ist nach wie vor schwierig, weil es keinen einfachen „MS-Test" gibt. Daher müssen Ärzte die Diagnose anhand der Symptome und verschiedener Untersuchungen „einkreisen". Dabei kommen spezielle, international anerkannte Diagnose-Kriterien (McDonald-Kriterien) zum Einsatz. Sie beschreiben, bei welcher Konstellation der Untersuchungsergebnisse davon auszugehen ist, dass eine MS vorliegt, möglich ist oder es sich um keine MS handelt. Ihre Anwendung ist allerdings nicht einfach und spezialisierten Neurologen vorbehalten, die viel Erfahrung mit der Diagnose der MS haben.

Da die Symptome bei Multipler Sklerose sehr vielfältig sind, andererseits kein Symptom ausschließlich bei der MS vorkommt, kann die Diagnose nicht allein anhand der Krankheitszeichen gestellt werden. Alternative Diagnosen wie Borreliose u.a. gilt es auszuschließen.

Bei MS-verdächtigen Symptomen sollte immer auch nach eventuell zurückliegenden neurologischen Ausfällen geschaut werden, die Hinweise für einen früheren Erkrankungsbeginn liefern könnten. Neben der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und klinisch-neurologischen Untersuchung des Arztes kommen bildgebende Methoden wie MRT (Magnetresonanz-Tomographie), die Untersuchung des Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit oder auch „Nervenwasser") sowie elektrophysiologische Untersuchungen (evozierte Potenziale) zum Einsatz. Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen sind wie die Bausteine eines Puzzles zu betrachten, deren Zusammenschau erst das Ergebnis liefert. Mitunter ist es aber auch mit all diesen Methoden nicht sofort möglich, die Diagnose MS sicher zu stellen oder auszuschließen. In solchen Fällen vereinbart der Arzt mit dem Patienten einen Termin für eine Kontrolluntersuchung (z.B. nach einem halben oder einem Jahr) - in Abhängigkeit von den Beschwerden.

Manchmal kann es Wochen, Monate, zuweilen sogar Jahre dauern, bis die Diagnose eindeutig feststeht. Dies ist für Betroffene aufgrund der Unsicherheit eine belastende Zeit. Falls sich in der Zwischenzeit neue oder ungewohnte Beschwerden einstellen oder aber die ersten Symptome wieder auftreten, sollte der behandelnde Arzt zur Abklärung aufgesucht werden - auch unabhängig von dem ursprünglich vereinbarten Termin. Erneute Krankheitszeichen können bisweilen rasch wiederkehren, aber auch Monate oder Jahre später erst vorkommen.

Die Magnetresonanz-Tomographie (auch Kernspintomographie) gehört – neben der neurologischen Untersuchung – zu den wichtigsten diagnostischen Methoden beim Nachweis einer MS. Mit ihrer Hilfe lassen sich die entzündlichen MS-Läsionen („Herde")im Gehirn und Rückenmark nachweisen. Nach Gabe eines Kontrastmittels gelingt sogar die Unterscheidung zwischen älteren und frischen (akut entzündlichen) MS-Läsionen.

Die evozierten Potenziale erlauben eine Aussage über die Funktionsfähigkeit spezieller Nervenbahnen. Die Untersuchungen werden – je nach überprüften Nerven – visuell (VEP), akustisch (AEP), somatosensibel (SEP) und magnetisch evozierte Potentiale (MEP) genannt.

Mit Hilfe von Elektroden misst der Arzt zum einen die Zeit, die zwischen dem Auslösen des Reizes und dem Auftreten der Potenzialänderung vergeht (Latenzzeit). Darüber hinaus ermittelt er das Ausmaß der Potenzialänderung anhand des Ausschlags (Amplitude) in der Ableitungskurve. Bei MS können an den Nerven, an denen die typischen Schädigungen der Isolierschicht (Myelinschicht) vorliegen, beide Parameter verändert sein: die Latenz ist vergrößert und die Höhe der Amplitude mehr oder weniger vermindert.

Neben der Kernspintomographie und den evozierten Potenzialen sollte bei Verdacht auf eine Multiple Sklerose auch eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) erfolgen. So sind in dem normalerweise durchsichtigen Nervenwasser bei Vorliegen einer MS oft die Immunzellen leicht bis mäßig vermehrt. Zudem kommt es zu einer gesteigerten Produktion bestimmter Antikörper (Immunglobulin G, IgG) und mit Hilfe einer speziellen Methode lassen sich bei vielen Patienten so genannte oligoklonale Banden nachweisen. Jedoch weisen oligoklonale Banden nur allgemein eine Entzündung im zentralen Nervensystem nach – die Ursache muss keine MS, sondern könnte beispielsweise auch eine Infektion sein. Daher stellt auch die Liquor-Untersuchung nur einen weiteren Baustein bei der Diagnose der MS dar, die unter Berücksichtigung anderer Untersuchungsergebnisse interpretiert werden muss.

Quelle: Springer Medizin
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