Bluthochdruck - Hypertonie - Diagnose

Von einem Bluthochdruck (Hypertonie) spricht man, wenn bei mehrmaligen Messungen an verschiedenen Tagen in Ruhe Werte von über 140 zu 90 gemessen wurden


Diagnose

Die Untersuchungen beim Bluthochdruck haben das Ziel, mögliche Ursachen, das Ausmaß des Bluthochdruckes und eventuelle Schäden am Herz-Kreislauf-System oder anderen Organen festzustellen.

Die Untersuchung des Patienten mit Bluthochdruck besteht aus der Befragung durch den Arzt, der genauen Blutdruckmessung, der körperlichen Untersuchung, verschiedenen apparativen Untersuchungen sowie Laboruntersuchungen von Blut- und Urinproben.

Die Befragung (Anamnese)

Vor der eigentlichen Untersuchung steht die Befragung des Patienten (Anamnese) durch den Arzt. Der Arzt fragt nach

  • dem Verlauf des Blutdrucks und seiner bisherigen Behandlung
  • dem Vorliegen von Bluthochdruckerkrankungen in der Familie des Patienten
  • Risikofaktoren, die zu Gefäßwandschäden führen wie Rauchen, Zuckerkrankheit oder erhöhten Blutfettwerten
  • Lebens- und Ernährungsgewohnheiten - hier stehen Fragen nach Alkohol-, Fett- und Salzaufnahme und der körperlichen Aktivität im Vordergrund
  • der Einnahme von Medikamenten oder anderen Substanzen, die eine Blutdruckerhöhung hervorrufen können - dies können unter anderem Östrogene in der Antibabypille, Schilddrüsenhormone, Kortison, stimulierende Substanzen und auch Drogen sein
  • der sozialen und seelischen Situation des Patienten. Bekannt ist, dass anhaltende Stress- und Angstzustände eine Erhöhung des Blutdrucks zur Folge haben können.
Die Blutdruckmessung

Bei der körperlichen Untersuchung steht die korrekte Messung des Blutdrucks an erster Stelle. Sie erfolgt am sitzenden Patienten nach einer Ruhepause von etwa fünf Minuten. Der Patient sollte eine halbe Stunde vor der Messung keinen Kaffee trinken und nicht rauchen, da dies zu einer Blutdruckerhöhung führen kann. Die Blutdruckmanschette muss dem Umfang des Oberarms angemessen sein. Bei besonders dicken Armen ergibt eine zu kleine Manschette zu niedrige Messwerte. Auch sollte der Blutdruck bei der Erstuntersuchung an beiden Armen gemessen werden, um mögliche Seitenunterschiede festzustellen.

Die ambulante Blutdruckmessung (ABDM) ist eine genaue Aufzeichnung der Blutdruckwerte über 24 Stunden außerhalb der Arztpraxis. Mit einer speziellen Blutdruckmanschette wird in regelmäßigen Abständen (15-30 Minuten) der Blutdruck gemessen und aufgezeichnet. Dies umfasst sowohl Alltags-, Arbeits- als auch Ruhe- und Schlafbedingungen. Vor allem dient diese Untersuchung der Feststellung der so genannten Praxishypertonie, bei der die Patienten ausschließlich bei Messungen in der Arztpraxis erhöhte Blutdruckwerte aufweisen.

Die körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung eines Patienten mit Bluthochdruck verschafft dem Arzt einen Überblick über mögliche Ursachen oder Folgeschäden der Erkrankung:

  • Die Messung von Größe und Gewicht dient der Feststellung von Übergewicht als Risikofaktor. Zusätzlich gibt das Bild der Fettverteilung auf die einzelnen Körperregionen Hinweise auf mögliche hormonelle oder Stoffwechselerkrankungen, die den Bluthochdruck auslösen können.
  • Die Untersuchung des Halses durch Abtasten und Abhorchen mit dem Stethoskop dient dem Auffinden von Strömungsgeräuschen in den Halsschlagadern oder einer Schilddrüsenvergrößerung.
  • Die Betrachtung des Augenhintergrunds ist eine unverzichtbare Untersuchung bei jedem Patienten mit Bluthochdruck. Die Netzhaut des Auges, die durch die Pupille mit einem Augenspiegel betrachtet werden kann, ist die einzige Körperregion, in der Blutgefäße direkt angesehen werden können. Man kann davon ausgehen, dass das Bild der Arterien der Netzhaut stellvertretend zur Beurteilung aller Körperarterien zugrunde gelegt werden kann. Sieht man an den Netzhautarterien beispielsweise Verengungen oder Blutaustritt durch brüchige Gefäßwände, so kann man davon ausgehen, dass solche Zustände auch in Arterien des Gehirns, des Herzens oder anderen Organen zu finden sind.
  • Die Untersuchung des Herzens durch Abklopfen des Brustkorbes und Abhören mit einem Stethoskop dient der Feststellung der Herzgröße, der Herzschlagfrequenz und möglicher Herzklappenschäden.
  • Die Untersuchung des Bauchs durch Abtasten und Abhören mit einem Stethoskop wird durchgeführt, um auffällige Strömungsgeräusche in Schlagadern oder Vergrößerungen der Nieren festzustellen.
  • Die Extremitäten (Arme und Beine) werden auf Zeichen der Durchblutungsstörung (abgeschwächte oder fehlende Pulse) oder der Herzschwäche (Wasseransammlung in den Beinen) untersucht.
  • Schließlich dient eine orientierende Untersuchung des Nervensystems der Auffindung möglicher Durchblutungsstörungen des Gehirns. Solche können sich beispielsweise in Sprach- oder Gedächtnisstörungen oder veränderten Reflexen der Muskulatur äußern.
Apparative Untersuchungen

  • Ein Elektrokardiogramm (EKG) sollte bei jedem Patienten mit Bluthochdruck durchgeführt werden. Es gibt Aufschluss über Folgeschäden des Bluthochdrucks an Herzmuskel oder Herzkranzgefäßen. Eine Erweiterung des EKG stellt die Ergometeruntersuchung dar. Hierbei wird das EKG unter Belastungsbedingungen (auf einem speziellen Fahrradergometer) abgeleitet und erlaubt eine weiter reichende Beurteilung der Herzfunktion.
  • Mit einer Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens) kann die genaue Herzgröße ermittelt werden.
  • Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern und der Hauptschlagader zeigen, ob es hier durch den Bluthochdruck zu Gefäßveränderungen wie Ablagerungen und Verengungen gekommen ist.
  • Die Ultraschalluntersuchung von Niere und Nebenniere zeigt, ob diese Organe vergrößert oder verkleinert sind. Eine Vergrößerung der Nebenniere könnte Hinweis auf eine Geschwulst (Tumor) sein, die Blutdruck steigernde Hormone produziert. Eine Nierenverkleinerung kann als Folge eines lange bestehenden Bluthochdrucks auftreten.

Laboruntersuchungen

Untersuchungen von Blut- und Urinproben sollen mögliche Ursachen des Bluthochdrucks feststellen oder ausschließen, aber auch helfen, das Risiko von Herz- oder Nierenschäden als Folge des Bluthochdrucks oder von Begleiterkrankungen (zum Beispiel Zuckerkrankheit) abzuschätzen.

Quelle: Springer Medizin
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