Lymphödem - Diagnose

Beim Lymphödem handelt es sich um eine unter der Hautschicht gelegene Weichteilschwellung. Hier finden Sie alles zum Thema.


Diagnose

Die Feststellung des Lymphödems stützt sich vor allem auf die Erhebung der Krankengeschichte und der Beachtung der typischen Krankheitszeichen.

Krankengeschichte und körperliche Untersuchung

Bei der Erhebung der Krankengeschichte ist es wichtig, nach dem Beginn der Schwellung und ihrer Ausbreitungsrichtung zu fragen. Mögliche auslösende Ereignisse wie kleinere Verletzungen, Insektenstiche, Verstauchungen oder Sportunfälle sollten berücksichtigt werden. Nach gehabten Erysipelen (Entzündung der Gliedmaßen bedingt durch Streptokokken-Bakterien) ist zu fragen. In den allermeisten Fällen genügt bereits die körperliche Untersuchung durch den Arzt zum Nachweis des Lymphödems:

  • Im Anfangsstadium des Lymphödems besteht eine Gliedmaßenschwellung, die weich und eindrückbar ist. Erst in den späteren Stadien wird die Schwellung härter.
  • Neben der Schwellung der Gliedmaße, des Hand- oder Fußrückens kann der Arzt möglicherweise derbe Hautfalten im Bereich der Sprunggelenke und so genannte Kastenzehen feststellen.
  • Zum Nachweis des primären Lymphödems hat das so genannte Stemmer´sche Zeichen (Unmöglichkeit des Abhebens der Haut am Grundgelenk der zweiten Zehe) eine Treffsicherheit von zirka 100 Prozent.
  • Beim sekundären Lymphödem ist das Stemmer´sche Zeichen zunächst negativ, da hier die Gliedmaßenschwellung körperstammnah beginnt. Es wird erst in den Spätstadien positiv. Daher schließt ein fehlendes Stemmer´sches Zeichen generell das Vorliegen eines Lymphödems nicht aus.

Prüfung des Stemmer´schen Zeichens. Der Arzt versucht, die Haut des Rückens der zweiten Zehe abzuheben. Gelingt dies nicht, so ist das Stemmer´sche Zeichen positiv. Als Nebenbefund findet sich bei diesem Patienten eine ausgeprägte Pilzinfektion des Großzehennnagels.

Apparative Untersuchungen

Nur selten ist die Untersuchung des Arztes zum Nachweis eines Lymphödems nicht ausreichend. In diesen vereinzelten Fällen können apparative bildgebende Verfahren eingesetzt werden wie:

  • die indirekte Lymphangiographie mit wasserlöslichem Kontrastmittel. Hierbei wird ein Kontrastmittel in die Haut der Hand oder des Fußes gespritzt. Es tritt in die kleinen Hautlymphgefäße über und wird allmählich in Richtung der großen Lymphsammelgefäße transportiert. Dabei werden diese im Röntgenbild sichtbar macht. Mit der indirekten Lymphangiographie können Schäden der unter der Haut gelegenen Lymphgefäße festgestellt oder ausgeschlossen werden. Diese Methode erlaubt aber nicht die Unterscheidung zwischen einem primären oder sekundären Lymphödem.
  • die Funktionsszintigraphie (Isotopenlymphangiographie), bei der eine schwach radioaktiv markierte Substanz in die Haut zwischen den Zehen injiziert wird. Diese tritt in die kleinen Hautlymphgefäße über und wird allmählich in Richtung der großen Lymphsammelgefäße, also beckenwärts transportiert. Die Zeit bis zum Auftauchen des radioaktiven Stoffes in den Lymphknotenstationen der Leiste gibt Aufschluss über die Funktionstüchtigkeit der Lymphbahnen des Beines. Die Isotopen-Lymphangiographie ermöglicht das Auffinden geschädigter Lymphbahnen. Ein normales Lymphszintigramm schließt die Schädigung der Lymphbahn zu etwa 90 Prozent aus.
  • Die Kernspintomographie/Magnetresonanztomographie, bei der Vergrößerungen von Lymphknoten sichtbar gemacht werden können. Mittels Magnetresonanztomographie können Stoffe unterschiedlichen Wassergehalts besonders gut voneinander abgegrenzt werden. Besonders die Unterscheidung zwischen einer subkutanen Fetteinlagerung (Lipödem) und einem Lymphödem gelingt hiermit zuverlässig. Von der Gewebeschwellung beim Lipödem (Fettschwellung) sind sowohl die Unterhaut als auch die Muskulatur betroffen, wohingegen das Lymphödem nur zur Schwellung im Bereich der Unterhaut führt.
Die früher häufig geübte Anwendung einer direkten Lymphangiographie mit öligen Kontrastmitteln in der Lymphödem-Diagnostik sollte unbedingt vermieden werden. Hierbei wurde das Kontrastmittel direkt in ein größeres Lymphgefäß injiziert, welches zuvor durch Anfärben sichtbar gemacht wurde. Durch das Kontrastmittel kann es zu einer Verklebung der Lymphbahnen mit einer Verschlimmerung der Gliedmaßenschwellung kommen.

Quelle: Springer Medizin
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