Blinddarmentzündung / akute Appendizitis - Diagnose

Die akute Blinddarmentzündung oder akute Appendizitis ist definiert als Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis), einem Anhängsel des Blinddarms.


Diagnose

Die akute Blinddarmentzündung ist in erster Linie eine aufgrund der ärztlichen Befragung und der körperlichen Untersuchung des Patienten gestellte Diagnose.

Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese)

Ausgangspunkt für die ärztliche Untersuchung bei der akuten Appendizitis ist die Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese). Die Anamnese erfolgt durch den Hausarzt, den Allgemeinchirurgen oder auch den Notarzt. Er erfragt die bestehenden und vorausgegangenen Beschwerden, den zeitlichen Ablauf der Symptome und Schmerzen, Vorerkrankungen und Operationen. Gefragt wird auch nach eventuell vorliegenden Allergien und Unverträglichkeiten auf Medikamente. Der behandelnde Arzt wird insbesondere nach der Funktion des Verdauungssystems fragen (Stuhlverhalten), eventuell auch nach Auslandsaufenthalten oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Körperliche Untersuchung

Im Anschluss an die Erhebung der Krankheitsgeschichte erfolgt die körperliche Untersuchung durch den Arzt. Diese beginnt mit einem leichten Beklopfen der Bauchdecke. Bei einer akuten Appendizitis findet sich meist eine ausgeprägte Schmerzempfindlichkeit im rechten Unterbauch. Es wird jedoch immer der gesamte Bauch (Abdomen) untersucht. Dabei werden alle vier Quadranten der Bauchdecke vorsichtig eingedrückt. Folgende Schmerzpunkte und Schmerzzeichen sind charakteristisch für eine Appendizitis:

  • McBurney-Punkt: Der McBurney-Punkt beschreibt eine Stelle der Bauchdecke, die sich im mittleren oder äußeren Drittel einer gedachten Verbindungslinie vom Bauchnabel zum äußeren Vorsprung des rechten Hüftknochens befindet. Dieses Gebiet ist bei einer Appendizitis oft äußerst schmerzempfindlich.
  • Blumberg-Zeichen: Hierbei tritt ein scharfer Schmerz im entzündeten Bereich des Bauchraums auf, wenn die Bauchdecke langsam eingedrückt und anschließend abrupt losgelassen wird. Bei einer fortgeschrittenen Entzündung ist der Schmerz auch auslösbar, wenn das Eindrücken und Loslassen der Bauchdecke auf der gegenüberliegenden Seite des Bauches erfolgt.
  • Douglas-Schmerz: Der Douglas-Schmerz kann durch eine rektale Tastuntersuchung ausgelöst werden. Bei Kindern ist dieses Schmerzzeichen mit Unsicherheiten behaftet, da hier eine rektale Untersuchung oft per se zu Schmerzen führt.
  • Rovsing-Phänomen: Beim Rovsing-Phänomen treten Schmerzen im Bereich des Dickdarms auf, wenn man diesen entgegen dem Uhrzeigersinn zum Blinddarm hin ausstreicht.
  • Psoas-Zeichen: Hierbei bereitet das Ausstrecken des rechten Beines aus einer starken Beugung heraus Schmerzen.

In der Regel erfolgen im Anschluss an die körperliche Untersuchung ergänzende diagnostische Maßnahmen wie die Messung der Körpertemperatur und eine Ultraschalluntersuchung. Letztere gewinnt bei der Diagnose von Blinddarmentzündungen aufgrund der verbesserten Auflösung der Apparate immer mehr an Bedeutung. Erfahrene Untersucher können die Appendix* meist gut darstellen und erkennen, ob eine Entzündung vorliegt oder nicht. Die Methode ist zudem einfach durchzuführen, relativ kostengünstig und bringt keinerlei Strahlenbelastung, sodass sie auch bei Kindern gefahrlos eingesetzt werden kann. Zusätzliche Verfahren, wie Laboruntersuchungen von Blut und Urin können weitere Hinweise auf eine Appendizitis geben.

Glossar

Wurmfortsatz (Appendix vermiformis): Der Wurmfortsatz ist ein durchschnittlich etwa 10 cm langes, sackgassenartiges Anhängsel des Blinddarms. Zwar erfüllt er keine lebensnotwendigen Aufgaben, dennoch ist er entgegen der weitverbreiteten Meinung keinesfalls ein überflüssiges, funktionsloses Überbleibsel der Evolution. Die Wände der Appendix enthalten sehr viel Lymphknötchen, was ein Hinweis auf Aufgaben in der Immunabwehr darstellt. Außerdem sammeln sich hier bei schweren Durchfallerkrankungen wichtige Darmbakterien, die nach der überstandenen Infektion den Darm schnell wieder besiedeln und funktionsfähig machen können.

Autor: Springer Medizin / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 05.11.2010

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