Generalisierte Angsterkrankung (GAE), Angst - Diagnose
Diagnose
Vermutlich jeder zehnte Patient in einer allgemeinärztlichen Praxis leidet an einer generalisierten Angststörung. Der typische Angstpatient kommt zunächst wegen anderer Beschwerden. Gespür und Erfahrung im Umgang mit Angstpatienten helfen dabei, die Symptome rechtzeitig einzuordnen und gezielte Untersuchungen vorzunehmen.
Aus dem Teufelskreis der generalisierten Angststörung kann sich der Einzelne meist nicht selbst befreien. Therapeutische Hilfe ist notwendig. Der Weg zum Psychiater, Nervenarzt oder Psychotherapeuten ist für viele Betroffene aus Angst, als verrückt abqualifiziert zu werden, allerdings zunächst unvorstellbar. Hinter dem Gedanken steckt zum einen die Stigmatisierung seelischer Störungen, zum anderen die noch immer bestehenden Vorbehalte und Vorurteile gegen Psychiater. Die weit verbreitete Vorstellung, diese Fachärzte seien für "Geisteskranke" zuständig und würden in "geschlossenen Anstalten" arbeiten, ist falsch. Es ist ebenso wichtig festzustellen, dass es in der Psychiatrie zu einer deutlichen Veränderung in der Arzt-Patienten-Beziehung gekommen ist.
Die übermächtige Haltung des Arztes, der wusste, was für seine Patienten gut ist, hat sich entwickelt zu einer partnerschaftlichen Haltung, bei der der Patient so autonom wie möglich gemeinsam mit dem Therapeuten seine Behandlung gestaltet. Das hat dazu geführt, dass das gegenseitige Vertrauen gewachsen ist.
Vertrauen ist die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die "Chemie" muss stimmen. Das langjährige bestehende gute Einvernehmen sowie Kenntnisse Ihres sozialen Umfelds und der Lebensstruktur sind beste Voraussetzungen, damit sich der Hausarzt Ihrer annehmen kann. Wenn er darüber hinaus zu jenen niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Internisten gehört, die über große Erfahrung im Umgang mit Angstpatienten verfügen, ist er der richtige Ansprechpartner.
Sofern dies nicht der Fall ist und Sie durch die Beantwortung des Angstfragebogens inzwischen ahnen, dass die Ursache Ihrer Beschwerden in einer GAE zu suchen sein könnte, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt darüber sprechen. Folgende Untersuchungsmethoden stehen Haus- und Fachärzten zur Verfügung:
Gespräch
Das A und O beim Erstgespräch und bei allen weiteren Gesprächen ist Zeit. Hier nehmen sich Psychiater, Nervenärzte und Psychotherapeuten naturgemäß viel Zeit. Der Zugang zum Patienten über das Gespräch ist selbstverständlich. Entsprechend dauert das Erstgespräch relativ lang. Viel Raum nimmt die Biografie ein. Der Arzt stellt gezielte Fragen zur familiären und partnerschaftlichen Situation, zu seelischen Erkrankungen in der Familie. Und: er lässt dem Patienten ausreichend Zeit, sich zu öffnen. Er lässt ihn sprechen, um herauszufinden, was diesem - auch spontan - wichtig ist und was er zunächst verschweigt. Ziel der Anamnese ist es, das Wesen und den Grad der Beschwerden möglichst komplett zu erfassen, einzuordnen und zu einer Diagnose zu gelangen.
Erhebung verschiedener Begleitsymptome
Um die Diagnostik zu vertiefen, werden verschiedene Begleitsymptome erfasst und mögliche Komplizierungen durch zusätzliche andere psychische Erkrankungen wie Depression, Alkohol- oder Drogenmissbrauch (Komorbiditäten) abgeklärt. Die Erfassung ist wegen des unterschiedlichen Ansprechens auf bestimmte Behandlungsformen von Bedeutung. Die Beurteilung erfolgt anhand der ICD-10- und DSM IV-Diagnosekriterien. Zusätzlich können so genannte psychometrische Verfahren eingesetzt werden.
Psychometrische Verfahren
Dabei handelt es sich um Tests, mit deren Hilfe die psychisch-geistige Leistungsfähigkeit untersucht wird. Am Beispiel der Hamilton Angstskala und des State-Trait-Angstinventars bedeutet dies: Der Arzt spricht etwa 30 Minuten mit Ihnen und beurteilt Ihre Aussagen nach derartigen Skalen.
Körperliche Untersuchungen
Eine körperliche Untersuchung ist selbstverständlich, um organische Ursachen auszuschließen, ebenso eine orientierende neurologische Untersuchung. Dazu gehören:
- EKG (Elektrokardiogramm = Herzstrommessung)
- Abnahme von Blut, das im Labor vor allem auf hormonelle Störungen (wie Schilddrüsenüberfunktion) untersucht wird
- EEG (Elektroenzephalogramm = Hirnstrommessung) zum Ausschluss von Anfallsleiden. In Zweifelsfällen werden zusätzlich ein Cerebrales Computer Tomogramm oder ein Magnet Resonanz Tomogramm angefertigt
- CCT (Cerebrale Computertomographie): Bild gebendes Verfahren; durch das Rotieren eines dünnen Röntgenstrahls um den Schädel wird der Durchtrittswinkel des Strahls ständig geändert, so dass ein Computer die erhaltenen Daten zu einem mehrdimensionalen Bild zusammensetzen kann
- MRT (Magnet Resonanz Tomographie; auch Kernspintomographie genannt. Per MRT werden ebenfalls Schnittbilder erstellt, allerdings ohne Röntgenstrahlen einzusetzen. Stattdessen wird der Körper/Kopf einem Magnetfeld ausgesetzt und festgestellt, wie sich die Körpergewebe in diesem Feld verhalten
Aufklärung des Patienten
Ist die Diagnose gestellt und deren Einordnung erfolgt, werden Sie umfassend darüber aufgeklärt, dass Sie an einer häufigen Störung leiden, die sowohl biologische als auch psychische Ursachen hat. Allein mit der Mitteilung des Befundes ist es nicht getan. Danach können Überlegungen zum therapeutischen Vorgehen angestellt werden. Ihr Arzt wird Sie nun in eine psychiatrische Praxis überweisen. Dies geschieht ohnehin, wenn er sich seiner Diagnose nicht sicher ist und wenn Komorbiditäten bestehen. Denn diese erschweren eine Diagnostik. Was sich hinter einem so hochkomplexen System verbirgt, kann nur ein Fachmann herausfiltern.
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