Lungenembolie - Diagnose
Diagnose
Um eine Lungenembolie festzustellen oder auszuschließen, steht den Ärzten eine Reihe sehr zuverlässiger Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Die meisten dieser Untersuchungen sind für den Patienten mit keiner oder nur einer geringen Belastung verbunden.
Nachdem der Arzt kurz die aktuelle Krankheitsgeschichte von dem Patienten oder seinen Angehörigen erfragt hat, führt er eine körperliche Untersuchung durch, bei der er den Puls und den Blutdruck misst, Herz und Lungen abhorcht und nach Zeichen des Sauerstoffmangels wie zum Beispiel einer Blauverfärbung von Lippen und Fingernägeln sieht.
Die beschriebenen Krankheitszeichen mit oder ohne Auftreten von Fieber machen das Vorliegen einer akuten Lungenembolie wahrscheinlich. Untersuchungsverfahren, die für den Patienten nicht belastend und schmerzlos sind, aber mit hoher Sicherheit zur Feststellung der Lungenembolie führen, sind:
Die Blutgasanalyse
Zur Blutgasanalyse ist die Punktion einer Arterie mittels einer kleinen Kanüle oder die Blutentnahme aus dem Ohrläppchen, das zuvor mit einer durchblutungsfördernden Salbe eingerieben wurde, notwendig. Mithilfe eines speziellen Blutgasanalysegerätes werden der Sauerstoff- und der Kohlendoxydanteil im arteriellen Blut gemessen.
Das EKG
Sind Arterien in der Lunge verstopft, so wirkt sich dies unmittelbar auf die Funktion des Herzens aus, da die Muskulatur der rechten Herzkammer gegen einen erhöhten Widerstand anpumpen muss. Dies kann man im EKG als typisches Zeichen einer Lungenembolie ablesen. Man sieht hier die Zeichen der erhöhten Beanspruchung der rechten Herzkammer oder auch Veränderungen, die auf eine Beeinträchtigung der Impulsweiterleitung der Reizleitungsfasern des Herzens hindeuten.
Einfaches Röntgenbild der Lunge
Häufig ist der Röntgenbefund der Lunge bei Lungenembolie zunächst unauffällig. Dennoch gehört diese Untersuchung zu den Grunduntersuchungen. Der Radiologe (Röntgenarzt) beurteilt dabei die Zeichnung, die die Lungengefäße auf dem Bild hinterlassen. Eine Lungenembolie lässt sich im Röntgenbild erkennen an fehlender oder verminderter Gefäßzeichnung, Pulmonalarterienabbrüchen, isolierten Verdichtungen (Schatten), Ergussbildung, eingeschränkter Zwerchfellbeweglichkeit oder einseitigem Zwerchfellhochstand.
Herz-Ultraschall (Echokardiographie)
Bei massiver Lungenembolie ist im Herz-Ultraschall eine Erweiterung des rechten Herzvorhofes und der rechten Herzkammer zu erkennen. Mit Einsatz der über die Speiseröhre durchgeführten Herz-Ultraschalluntersuchung (transösophageale Echokardiographie) lassen sich Blutgerinnsel in den Lungenarterien mit einer Treffsicherheit von 97 bis 98 Prozent darstellen.
Weitere Laboruntersuchungen
Auch durch verschiedene Blutuntersuchungen lässt sich der Verdacht auf eine Lungenembolie erhärten. Blutwertveränderungen, die auf ein solches Ereignis hindeuten sind:
- Erhöhung des Leberenzyms GOT
- Erhöhung der Laktat-Dehydrogenase (LDH)
- Steigerung des Hämatokrits, also des Anteils der festen Zellbestandteile des Blutes
- verringerte Blutplättchenzahl (Thrombozyten unter 200.000 pro Mikroliter)
- Erhöhung von speziellen Gerinnungsspaltprodukten (D-Dimere), das sind Substanzen, die bei Blutgerinnungsvorgängen vermehrt anfallen.
Zur Anfertigung eines Perfusionsszintigramms wird dem Patienten eine unschädliche radioaktive Substanz in eine Vene gespritzt, die sich speziell in der Lunge anreichert und verteilt. Zur Durchführung einer Ventilationsszintigraphie inhaliert der Patient ein mit Radioaktivsubstanzen angereichertes Aerosol (eine fein vernebelte Flüssigkeit), das sich in den Lungenbläschen verteilt. Bei beiden Untersuchungen wird die Anreicherung der radioaktiven Substanz mit einem speziellen Gerät gelesen und grafisch dargestellt. In Abschnitten der Lunge, in denen die Durchblutung eingeschränkt ist, sind diese radioaktiven Substanzen nicht so stark gespeichert wie in normal durchbluteten Bereichen, hier liegen so genannte Speicherdefekte vor.
Ein normales Perfusionsszintigramm schließt das Vorliegen einer akuten Lungenembolie mit großer Wahrscheinlichkeit aus. Speicherdefekte im Lungenperfusionsszintigramm können nicht nur Folge einer Lungenembolie, sondern auch Zeichen eines Tumors, einer Lungenentzündung oder von Asthma sein. Zur Darstellung dieser Möglichkeit wird dann ein Ventilationsszintigramm durchgeführt, mit dem die Lungenembolie ausgeschlossen werden kann.
Spiral-Computertomographie, Magnetresonanztomographie
Die Sicherheit, eine akute Lungenembolie zu erkennen, kann durch den Einsatz der Spiral-Computertomographie oder der Magnetresonanztomographie beträchtlich auf 95 bis 100 Prozent erhöht werden. Da beide Verfahren kostenintensiv sind, sollten sie nur dann eingesetzt werden, wenn mit den zuvor geschilderten Verfahren eine Lungenembolie nicht sicher festgestellt werden kann oder vom Ergebnis dieser Untersuchungen spezielle Behandlungsverfahren abhängig gemacht werden müssen.
Kontrastmitteldarstellung der Lungengefäße (Pulmonalisangiografie)
Die Kontrastmitteldarstellung von Lungengefäßen gilt bis heute als Standard-Methode zum Nachweis einer Lungenembolie. Allerdings belastet dieses Verfahren den Patienten, da hierzu ein Katheter in eine Körpervene eingebracht werden muss, der durch den rechten Herzvorhof und die rechte Herzkammer in die großen Lungengefäße vorgeschoben wird. Das Todesfallrisiko dieser Untersuchung beträgt zirka 0,2 bis 0,4 Prozent. Direkte Hinweise für eine akute Lungenembolie sind Gefäßabbrüche mit kontrastmittelumflossenen Blutgerinnseln oder Aussparungen in der Gefäßfüllung. Diese Untersuchung kann nicht durchgeführt werden bei:
- Schwangerschaft
- Herzklappenentzündung
- Herzinfarkt, der weniger als vier Wochen zurückliegt
- Kontrastmittelallergie
- erniedrigtem Sauerstoffanteil im arteriellen Blut (unter 50 mmHg)
- Hochdruck im Lungengefäßsystem von mehr als 50 mmHg
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