Leukämie, akut myeloisch - AML - Diagnose
Diagnose
Die Untersuchungen, die beim Verdacht auf das Vorliegen einer akuten Leukämie durchgeführt werden, haben zwei Ziele. Zum einen soll die Art der Erkrankung sicher bestimmt oder ausgeschlossen werden. Gleichzeitig muss auch ermittelt werden, ob und welche Behandlung der Leukämie bei dem Patienten durchgeführt werden kann.
Die Untersuchung beginnt mit der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), bei der der Arzt sich den bisherigen Krankheitsverlauf vom Patienten oder seinen Angehörigen schildern lässt. Insbesondere werden hierbei auch Begleiterkrankungen, das Vorliegen von bösartigen Erkrankungen in der Familie oder eine mögliche berufliche Belastung mit Krebs erregenden Substanzen erfragt.
Die körperliche Untersuchung
In der anschließenden körperlichen Untersuchung verschafft sich der Arzt zunächst einen Überblick über Krankheitszeichen, die auf eine Leukämie hindeuten können:
- Die Betrachtung der Haut auf ihre Farbe, Blässe oder Zeichen von Hautblutungen gibt Hinweise auf eine mögliche Bluterkrankung.
- Die Untersuchung der Schleimhäute von Mund oder Genitalbereich kann Geschwüre, Blutungen oder eine Pilzbesiedlung aufdecken.
- Bei der Tastuntersuchung der Bauchorgane durch die Bauchdecke können eine Leber- oder Milzvergrößerung auffallen.
- Bei einer Spiegelung des Augenhintergrundes können Blutungen oder Absiedlungen größerer Krebszellmengen gesehen werden.
- Eine Untersuchung des Nervensystems kann Hinweise auf einen Gehirnbefall durch Leukämiezellen oder auch auf Blutungen im Bereich der Hirnhäute ergeben.
- Auch nach vergrößerten Lymphknoten wird an typischen Stellen (Halsregion, Leistenbeuge) getastet, solche sind jedoch bei der akuten myeloischen Leukämie nur selten vorhanden.
Verschiedene Laboruntersuchungen dienen dem Nachweis von Leukämiezellen und der Bestimmung ihres Typs. Andere Untersuchungen sollen zeigen, welche Begleiterkrankungen an anderen Organen durch die Leukämie verursacht wurden:
- In jedem Fall wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei lassen sich sowohl die Anzahl als auch die Zusammensetzung der Blutkörperchen feststellen. Eine mikroskopische Betrachtung der Blutkörperchen gibt weiteren Aufschluss beispielsweise über das Vorhandensein von unreifen, veränderten weißen Blutkörperchen im zirkulierenden Blut. Solch eine Untersuchung wird immer durch einen erfahrenen Untersucher vorgenommen, der sich die Zellen unter dem Mikroskop genau ansieht und ihre Veränderungen erfasst.
- Immer unerlässlich zur sicheren Feststellung einer Leukämie ist die Entnahme von Knochenmark (nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark). Dies ist deshalb notwendig, weil das Knochenmark der Ausgangsort der bösartig veränderten Blutkörperchen ist. Hierzu wird mit einer Hohlnadel eine kleine Menge Knochenmark aus der Spitze des Beckenkamms entnommen, das ist der Knochenrand, der an der Hüfte oberhalb der Gesäßmuskeln getastet werden kann. Die Entnahmestelle, erkennbar auch an dem Grübchen in der Haut, wird zuvor betäubt, so dass der Einstich selbst nicht schmerzhaft ist. Lediglich das Ansaugen der Knochenmarksprobe kann einen kurzen, ziehenden Schmerz verursachen. Auch aus dem Brustbein, welches an der mittleren Vorderwand des Brustkorbes direkt unter der Haut zu tasten ist, kann eine Knochenmarksprobe entnommen werden. Die Leukämiezellen aus dem Knochenmark werden heutzutage sehr aufwändig untersucht: Veränderungen, die die Erbinformation dieser Zellen oder ihre speziellen immunologischen Eigenschaften betreffen, sind für die Planung der Behandlung sehr wichtig und müssen auf jeden Fall in spezialisierten Laboren abgeklärt werden.
- Eine Entnahme von Liquor (Gehirnwasser) wird bei bestimmten Untergruppen der akuten myeloischen Leukämie zum Nachweis einer Absiedlung von Leukämiezellen im zentralen Nervensystem durchgeführt. Dieser Liquor wird durch Punktion der Rückenmarkshüllen gewonnen. Der Einstich wird mit einer dünnen Nadel nach örtlicher Betäubung zwischen zwei Lendenwirbelkörpern durchgeführt und ist nahezu schmerzlos.
- Weitere Blut- und Urinuntersuchungen können Hinweise auf zahlreiche Organbeteiligungen der Leukämie, zum Beispiel bei einem Leberbefall geben. Auch Entzündungszeichen, die durch Infektionen aufgrund der Abwehrschwäche in zahlreichen Organen entstehen, können hierbei gefunden werden.
- Um Begleiterkrankungen, vor allem Infektionen gezielt behandeln zu können, werden Abstriche von Haut und Schleimhäuten sowie Stuhlproben, Urinproben und Proben von Sputum (Auswurf bei Husten) zur mikrobiologischen Untersuchung entnommen.
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Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm
Das entnommene Knochenmark wird mit speziellen Farbstoffen behandelt und unter dem Mikroskop untersucht. Dieses Bild zeigt bösartige Zellen im Knochenmark bei akuter myeloischer Leukämie (AML). Diese unreifen Zellen (Blasten) kommen normalerweise nur in einem sehr geringen Prozentsatz im Knochenmark vor. Bei akuter Leukämie reifen sie nicht weiter aus, sondern vermehren sich unkontrolliert und verdrängen dadurch die normale Blutbildung. Sie sind erkennbar an den violetten dunklen Zellkernen, die fast die gesamte Zelle ausfüllen.
Apparative UntersuchungenApparative Untersuchungen dienen der Feststellung der Ausbreitung der Erkrankung und des Befalls verschiedener Organe durch Absiedlungen von Leukämiezellen:
- Mit einer Ultraschalluntersuchung des Oberbauches können Leber- oder Milzvergrößerungen festgestellt oder große Lymphknotenpakete im Bauchraum aufgefunden werden.
- Ein Computertomogramm des Schädels kann einen Gehirnbefall nachweisen.
- Röntgenaufnahmen des Brustkorbes zeigen Lymphknotenschwellungen oder auch eine Lungenentzündung, die durch die Abwehrschwäche entstanden ist.
- Ein EKG ermöglicht eine Beurteilung der Herzfunktion. Einige Medikamente der Chemotherapie haben eine herzschädigende Wirkung. Man sollte also vor Beginn der Behandlung feststellen, ob bereits eine Einschränkung der Herzleistung besteht, kann einen möglichen Schaden der Chemotherapie absehen und diesem gegebenenfalls vorbeugen oder ihn entsprechend behandeln.
Weitere UntersuchungenNicht zuletzt müssen verschiedene Untersuchungen deshalb durchgeführt werden, weil die Behandlung einer Leukämie mit zahlreichen Risiken verbunden ist:
- Bei älteren Menschen wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiogramm) durchgeführt, da einige Chemotherapeutika herzschädigende Wirkung haben.
- Eine Blutgruppenbestimmung muss erfolgen, um durch die Erkrankung oder ihre Behandlung verminderten Blutkörperchen ersetzen zu können.
- Bei Patienten bis zum Alter von etwa 60 Jahren müssen auch die Gewebeverträglichkeitsmerkmale auf gesunden weißen Blutkörperchen untersucht werden, um gegebenenfalls einen passenden Stammzellspender für eine Transplantation von Blutstammzellen finden zu können.
- Bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter muss eine Schwangerschaft vor Beginn der Leukämiebehandlung durch einen Schwangerschaftstest sicher ausgeschlossen werden, da die Behandlung mit einem Missbildungsrisiko für das ungeborene Kind einhergeht. Allerdings gibt es zahlreiche Berichte, dass im letzten Drittel der Schwangerschaft eine Chemotherapie ohne Schäden für das ungeborene Kind durchführbar ist.
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