Leukämie, akut lymphatisch - ALL - Diagnose

Die akute lymphatische Leukämie ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Knochenmarks. Hier finden Sie alles zum Thema.


Diagnose

Die Untersuchungen, die beim Verdacht auf das Vorliegen einer akuten Leukämie durchgeführt werden, haben zwei Ziele. Zum einen soll die Art der Erkrankung sicher bestimmt oder eine Erkrankung ausgeschlossen werden. Gleichzeitig muss auch ermittelt werden, ob und wie die Behandlung im Falle einer Leukämie bei dem Patienten durchgeführt werden kann.

Die Untersuchung beginnt mit der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), bei der der Arzt sich den bisherigen Krankheitsverlauf vom Patienten oder seinen Angehörigen schildern lässt. Insbesondere werden hierbei auch Begleiterkrankungen, das Vorliegen von bösartigen Erkrankungen in der Familie und eine mögliche berufliche Belastung mit Krebs erregenden Substanzen erfragt.

Die körperliche Untersuchung

In der anschließenden körperlichen Untersuchung verschafft sich der Arzt zunächst einen Überblick über allgemeine Krankheitszeichen, wobei speziell folgende Untersuchungen und Befunde auf eine Leukämie hindeuten können:

  • Die Betrachtung der Haut auf ihre Farbe, Blässe oder Zeichen von Hautblutungen gibt Hinweise auf eine mögliche Bluterkrankung.
  • Die Untersuchung der Schleimhäute von Mund oder Genitalbereich kann Geschwüre, Blutungen oder eine Pilzbesiedlung aufdecken.
  • Bei der Tastuntersuchung der Bauchorgane durch die Bauchdecke können eine Leber- oder Milzvergrößerung auffallen.
  • Bei einer Spiegelung des Augenhintergrundes können Blutungen oder Absiedlungen größerer Krebszellmengen gesehen werden.
  • Eine Untersuchung des Nervensystems kann Hinweise auf einen Gehirnbefall durch Leukämiezellen oder auf Blutungen im Bereich der Hirnhäute ergeben.
  • Auch nach vergrößerten Lymphknoten wird an typischen Stellen (Halsregion, Leistenbeuge) getastet, solche sind jedoch bei der akuten Leukämie nur in ca. 30% der Fälle vorhanden.

Laboruntersuchungen

Verschiedene Laboruntersuchungen dienen dem Nachweis von Leukämiezellen und der Bestimmung ihres Typs. Andere Untersuchungen sollen zeigen, welche Begleiterkrankungen an anderen Organen durch die Leukämie verursacht wurden.

  • In jedem Fall wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei lässt sich sowohl die Anzahl als auch die Zusammensetzung der Blutkörperchen feststellen. Eine mikroskopische Betrachtung der Blutkörperchen gibt weiteren Aufschluss beispielsweise über das Vorhandensein von unreifen, veränderten weißen Blutkörperchen im zirkulierenden Blut. Diese Untersuchung kann bisher noch von keiner Maschine ausgeführt werden, die genaue Betrachtung des mikroskopischen Präparates durch einen Facharzt für Krebserkrankungen (Onkologe), einen Pathologen (Facharzt für Krankheitsforschung) oder einen Facharzt für Innere Medizin ist unerlässlich.
  • Zur sicheren Feststellung einer Leukämie ist die Entnahme von Knochenmarksblut unumgänglich. Dies ist deshalb notwendig, weil das Knochenmark der Ausgangsort der bösartig veränderten Blutkörperchen ist. Hierzu wird mit einer Punktion über eine Hohlnadel eine kleine Menge Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen, das ist der Knochenrand, der an der Hüfte oberhalb der Gesäßmuskeln getastet werden kann. Die Entnahmestelle wird zuvor örtlich betäubt, so dass der Einstich selbst nicht schmerzhaft ist. Lediglich das Ansaugen der Knochenmarksprobe kann einen kurzen, ziehenden Schmerz verursachen. Auch aus dem Brustbein, welches an der mittleren Vorderwand des Brustkorbes direkt unter der Haut zu tasten ist, kann eine Knochenmarksprobe entnommen werden. Die Leukämiezellen aus dem Knochenmark werden heutzutage sehr aufwendig untersucht: Veränderungen, die die Erbinformation dieser Zellen oder ihre speziellen immunologischen Eigenschaften betreffen, sind für die Planung der Behandlung sehr wichtig und müssen auf jeden Fall in spezialisierten Laboren abgeklärt werden.
  • Eine Entnahme von Liquor (Gehirnwasser) wird zum Nachweis einer Absiedlung von Leukämiezellen im zentralen Nervensystem durchgeführt. Dieser Liquor wird durch Punktion der Rückenmarkshüllen gewonnen. Der Einstich wird mit einer dünnen Nadel nach örtlicher Betäubung zwischen zwei Lendenwirbelkörpern durchgeführt und ist nahezu schmerzlos.
  • Weitere Blut- und Urinuntersuchungen können Hinweise auf mögliche durch die Leukämie verursachte Organschäden wie z.B. einen Befall der Leber geben. Auch Entzündungszeichen, die durch Infektionen aufgrund der Abwehrschwäche in zahlreichen Organen verursacht werden, können hierbei gefunden werden.
  • Um Begleiterkrankungen, vor allem Infektionen, gezielt behandeln zu können, werden Abstriche von Haut und Schleimhäuten sowie Stuhlproben, Urinproben und Proben von Sputum (Auswurf bei Husten) zur mikrobiologischen Untersuchung entnommen.

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Die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm

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Das entnommene Knochenmark wird mit speziellen Farbstoffen behandelt und unter dem Mikroskop untersucht. Dieses Bild zeigt bösartige Zellen im Knochenmark bei akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Diese unreifen Zellen kommen normalerweise nur in einem sehr geringen Prozentsatz vor. Bei akuter Leukämie reifen sie nicht weiter aus, sondern vermehren sich unkontrolliert und verdrängen dadurch die normale Blutbildung.

Apparative Untersuchungen

Apparative Untersuchungen dienen der Feststellung der Ausbreitung der Erkrankung und der Abklärung eines möglichen Organbefalls durch Absiedlungen von Leukämiezellen:

  • Mit einer Ultraschall-Untersuchung des Oberbauches können Leber- oder Milzvergrößerungen festgestellt oder große Lymphknotenpakete im Bauchraum aufgefunden werden.
  • Ein Computertomogramm des Schädels kann einen Gehirnbefall nachweisen.
  • Röntgenaufnahmen des Brustkorbes zeigen Lymphknotenschwellungen oder auch eine Lungenentzündung, die durch die Abwehrschwäche entstanden ist.
  • Ein EKG ermöglicht eine Beurteilung der Herzfunktion. Einige Medikamente der Chemotherapie haben eine herzschädigende Wirkung. Man sollte also vor Beginn der Behandlung feststellen, ob bereits eine Einschränkung der Herzleistung besteht, kann einen möglichen Schaden der Chemotherapie absehen und diesem ggf. vorbeugen oder ihn entsprechend behandeln.

Weitere Untersuchungen

Nicht zuletzt müssen verschiedene Untersuchungen deshalb durchgeführt werden, weil die Behandlung einer Leukämie mit zahlreichen Risiken verbunden ist:

  • Es wird eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiogramm) durchgeführt, da einige Chemotherapeutika herzschädigende Wirkung haben. Bei älteren Menschen mit dem Risiko der Vorschädigung des Herzens ist diese Untersuchung besonders wichtig und muss regelmäßig wiederholt werden.
  • Eine Blutgruppenbestimmung muss erfolgen, um durch die Erkrankung oder ihre Behandlung zerstörte Blutkörperchen ersetzen zu können.
  • Bei Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter muss eine Schwangerschaft vor Beginn der Leukämiebehandlung durch einen Schwangerschaftstest sicher ausgeschlossen werden, da die Behandlung mit einem erheblichen Missbildungsrisiko für das ungeborene Kind einhergeht.
  • Die HLA-Merkmale, also die individuellen Eigenschaften auf den gesunden weißen Blutzellen müssen bestimmt werden, um bei Bedarf für Blutübertragungen (Transfusionen) passende Blutspender finden zu können. Auch für den Fall, dass eine Stammzell-Transplantation nötig wird, müssen diese Merkmale bekannt sein.

Quelle: Springer Medizin
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