Abdomen, akut / akuter Bauch / akutes Abdomen - Diagnose

Eine Vielzahl von Erkrankungen der Organe im Bauchraum (Abdominalhöhle) können den sogenannten plötzlichen oder akuten Bauch (akutes Abdomen) hervorrufen.


Diagnose

Der akute Bauch ist ein medizinischer Notfall, der vor einer schnellen Behandlung, vor allem rasche, aber gründliche Maßnahmen zur Bestimmung der zugrunde liegenden Gesundheitsstörung erfordert. Wichtige Untersuchungen sind die ärztliche Befragung, die körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen, Ultraschall und/oder Computertomografie des Bauchraums und gegebenenfalls Röntgenaufnahmen von Bauch- und Brustraum.

Anamnese und klinische Untersuchung

Die Diagnose akutes Abdomen wird in der Regel klinisch gestellt, das heißt die Vorgeschichte der Erkrankung (Anamnese) und der körperliche Untersuchungsbefund sind die Hauptsäulen der Diagnostik. Der Patient oder seine Angehörigen geben durch die Beschreibung des Krankheitsverlaufs wichtige Hinweise auf den Entstehungsgrund. Auch ob der Patient noch selbstständig die Praxis oder die Klinik aufsuchen kann, oder ob er mit dem Krankenwagen gebracht werden muss, ist bereits ein Kriterium zur Beurteilung der Schwere der Erkrankung.

Bei der körperlichen Untersuchung, die in der Regel am liegenden Patienten durchgeführt wird, ist vor allem die Beurteilung der Bauchdecke wichtig. Ist sie gespannt und druckempfindlich, kann das ein Hinweis auf eine Bauchfellreizung oder -entzündung sein. Kann der Arzt noch Darmgeräusche mit dem Stethoskop hören oder hat der Darm seine Tätigkeit aufgrund schwerwiegender Störungen im Bauchraum eingestellt? Genauso wichtig ist die Kontrolle von Puls, Blutdruck, Atmung und Körpertemperatur um ein Gesamtbild vom Zustand des Patienten zu bekommen.

Untersuchung des Enddarms (rektale Austastung)

Die Untersuchung des Enddarms durch Austasten mit dem Finger komplettiert die ärztliche Untersuchung. Bei dieser Untersuchung können Engstellen oder Geschwulste (Tumore) getastet werden. Bei Blutungen im unteren Verdauungstrakt sieht man Blut am behandschuhten Finger. Das Fehlen von Stuhlgang am Finger kann ein wichtiger Hinweis auf Passagestörungen sein (verdächtig für einen Darmverschluss).

Mit der Anamneseerhebung und der körperlichen Untersuchung erhält der Arzt in der Regel die maßgeblichen Hinweise, welche weiterführenden apparativen Untersuchungen notwendig sind.

Blutuntersuchung

Bestimmte Blutuntersuchungen können ebenfalls nützliche Hinweise auf Entstehungsmechanismen und Erkrankungen geben. Als Beispiele seien hier nur erwähnt: die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen, Entzündungsmarker (wie z.B. die Blutsenkungsgeschwindigkeit oder der CRP-Wert), Blutzucker- sowie Leber-, Nieren- und Elektrolytwerte (zum Beispiel Natrium, Kalium). Je nach vermuteter Ursache kann der Arzt zudem Enzyme (Eiweiße) der Bauchspeicheldrüse und Gerinnungsfaktoren bestimmen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte zudem ein Schwangerschaftstest erfolgen.

Ultraschall

Ergänzend wird in den meisten Fällen eine Ultraschalluntersuchung der Bauchhöhle durchgeführt. Mit dieser Untersuchungsmethode wird u.a. nach freier Flüssigkeit im Bauchraum gesucht. Im Zuge der Diagnostik können nun beispielsweise Blut und Eiter, aber auch durch Entzündung freigesetztes Gewebswasser (seröse Flüssigkeit), als freie Flüssigkeit dargestellt und beurteilt werden. Gleichzeitig begutachtet der Arzt die einzelnen Organe; Kontur-, Gewebs- oder Oberflächenveränderungen können Hinweise auf etwaige Verletzungen oder Erkrankungen geben (zum Beispiel Milzriss).

Röntgenaufnahmen

Neben der Ultraschalluntersuchung werden u.U. Röntgenaufnahmen von Lunge und Bauch (Thorax und Abdomen) durchgeführt. Die Aufnahmen des Bauchraumes sollten, soweit möglich, in Rücken- und Linksseitenlage angefertigt werden. Anhand der Röntgenbilder kann der Arzt zum Beispiel Fremdkörper oder Kotsteine erkennen. Der Nachweis von freier Luft kann Auskunft über eine etwaige Verletzung von lufthaltigen Hohlorganen (zum Beispiel Magen oder Darm) geben.

Computertomografie

Mithilfe der Computertomografie (CT) lässt sich ebenfalls freie Luft in der Bauchhöhle darstellen. Dank der heute verfügbaren schnellen und hochauflösenden Computertomografen ist es zudem möglich, Verdachtsdiagnosen zu überprüfen bzw. mögliche Komplikationen frühzeitig aufzudecken. Nicht selten findet der Arzt mit dieser Methode auch Ursachen des akuten Abdomens, an die er zuvor nicht gedacht hatte, und kann so seine Therapieentscheidungen erweitern. Der CT-Einsatz nimmt daher bei der Diagnose des akuten Abdomens immer mehr zu.

Bauchspiegelung

In bestimmten Situationen kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) zur Klärung der Diagnose beitragen. Dieses Verfahren, auch bekannt als Schlüssellochchirurgie, wird unter Vollnarkose durchgeführt. Über eine Kanüle, die meist unterhalb des Nabels eingestochen wird, wird Kohlendioxid-Gas in die Bauchhöhle eingebracht. Dieses Vorgehen ist notwendig, um bessere Sichtverhältnisse zu erreichen und in der Bauchhöhle Platz zu schaffen für die nachfolgenden Maßnahmen, bei denen eine unbeabsichtigte Verletzung der inneren Organe selbstverständlich vermieden werden soll.

Über eine Hülse (Trokar), die ebenfalls im Bereich des Nabels eingeführt wird, schiebt der Operateur die Optik ein, über die er einen Überblick über die Verhältnisse in der Bauchhöhle (Abdominalhöhle) gewinnt. Weitere Schnitte können - je nach Notwendigkeit - für Hülsen zur Einbringung von Instrumenten angelegt werden. Der Arzt inspiziert den gesamten Bauchraum, wobei er sein besonderes Augenmerk auf Organe richtet, von denen er weiß, dass sie häufig Ursache für ein akutes Abdomen sind, wie zum Beispiel der Blinddarm (Appendizitis). Er achtet selbstverständlich auch darauf, ob Blut oder Eiter in der Bauchhöhle zu sehen sind.

Autor: Springer Medizin – zuletzt aktualisiert von der Redaktion „SpringerGesundheit“ am 22.10.2010

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