Netzhautablösung / Ablatio retinae / Amotio

Bei der relativ seltenen, aber folgenschweren Netzhautablösung hebt sich die zarte Netzhaut aufgrund der durch Löcher und Risse eindringenden Flüssigkeit vom ernährenden Pigmentepithel ab. Unbehandelt führt die Netzhautablösung zur Erblindung.


Definition

Wenn sich die Netzhaut von ihrer Unterlage, dem Pigmentepithel abhebt, spricht man von einer Netzhautablösung, im medizinischen Fachjargon auch Ablatio retinae genannt. Da das Pigmentepithel die Sehsinneszellen der Netzhaut „ernährt“, verursachen die Ablösung der Netzhaut und der damit einhergehende Verlust der Versorgungseinheit ein Absterben der Sinneszellen. Dadurch ist das Sehvermögen akut bedroht. Die unbehandelte Netzhautablösung führt fast immer zur Erblindung. Sie kommt jährlich in Deutschland bei zehn von 100.000 Menschen vor und tritt bei älteren Menschen häufiger als bei jüngeren auf. Laut aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2008 tritt bei etwa fünfzehn bis zwanzig Prozent der Patienten mit Netzhautablösung an einem Auge eine solche auch am anderen Auge auf. Mögliche Ursachen sind insbesondere degenerative Veränderungen der peripheren Netzhaut bzw. der Netzhautrandgebiete und des zwischen Linse und Netzhaut gelegenen flüssigkeitsreichen Glaskörpers. Weitere wichtige Ursachen sind eine diabetische Retinopathie*, Vorschädigungen der Netzhaut durch Unfälle und Verletzungen des Auges wie Augapfelprellungen (Tennisball, Schneeball, Squashball) und perforierende Verletzungen der Netzhaut. Kurzsichtige Menschen mit mehr als sechs Dioptrien haben ein erhöhtes Risiko. Weiterhin gibt es eine familiäre Veranlagung für eine Netzhautablösung. Erste Anzeichen einer Rissbildung sind Lichtblitze in den Randbereichen (Peripherie) des Gesichtsfeldes sowie kurz danach „Rußflocken“ bzw. ein „Schwarm schwarzer Mücken“. Eine Untersuchung des Augenhintergrundes mit indirekter binokularer Ophthalmoskopie zeigt dem Augenarzt, ob ein Riss oder eine Ablösung der Netzhaut vorliegt. Die Grenzen der Netzhautablösung sind genau zu dokumentieren. Eine medikamentöse Behandlung gibt es gegen Netzhautrisse und -ablösung nicht. Netzhautlöcher sollten jedoch unverzüglich mit dem Laser behandelt bzw. abgeriegelt werden. Liegt bereits eine - unkomplizierte - Netzhautablösung vor, ist eine Laserbehandlung sinnlos. Dann muss eine sogenannte eindellende Operation erfolgen.

Glossar

Aderhautmelanom: Die Aderhaut ist der gefäßführende Abschnitt der mittleren Augenhaut. Ein Melanom der Aderhaut ist ein maligner Primärtumor des Auges.

Bulbus: Augapfel

Diabetische Retinopathie: Bei Diabetes auftretende Veränderung des Augenhintergrundes, insbesondere Gefäßveränderungen mit Wandverdickung und fortschreitender Bildung von Gefäßausbuchtungen.

Frühgeborenenretinopathie: Nicht entzündlich bedingte Netzhauterkrankung bei Frühgeborenen.

Morbus Harada: Ein Symptomenkomplex zu dem außer Glaskörpertrübung und Netzhautablösung auch Ergrauen der Haare (Poliosis), Weißfleckenkrankheit und eine spezielle Form des Haarausfalls (Alopezie) gehören.

Netzhautischämie: Verminderte oder unterbrochene Durchblutung der Netzhaut z.B. infolge einer Thrombose

Autor: Gerlinde Felix

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