Epilepsie / Anfallsleiden / Fallsucht

Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu unkontrollierten Entladungen der Nervenzellen, quasi zu einem Gewitter im Gehirn.


Definition

Epilepsien zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Fast ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen. Ein Drittel erkrankt bereits im Kindesalter, ein Drittel erst im höheren Alter. Obwohl es verschiedene „Grundtypen“ gibt, können Epilepsien bei jedem Menschen etwas anders verlaufen. Alle Anfallsarten können mit Stürzen verbunden sein. So kommt es beispielsweise bei einem Grand-Mal-Anfall zu einer plötzlich einsetzenden Bewusstlosigkeit mit Sturz, verbunden mit krampfartigen Zuckungen von Armen und Beinen. Neben diesem sogenannten „Großen Anfall“ (Grand Mal) gibt es noch viele weitere Anfallstypen, die zum Teil wesentlich weniger dramatisch ablaufen und bei denen die Betroffenen nicht unbedingt das Bewusstsein verlieren. Zum Teil dauern sie nur wenige Sekunden und in der Regel nicht länger als zwei Minuten. Jeder Zehnte entwickelt mindestens einmal in seinem Leben unter bestimmten Bedingungen einen epileptischen Anfall, einen sogenannten Gelegenheitsanfall. Faktoren, die so einen Gelegenheitsanfall auch bei sonst Gesunden auslösen können, sind zum Beispiel Fieber, Schlafentzug, Alkoholgenuss, Vergiftungen und verschiedene Medikamente. Für die Diagnose einer Epilepsie mussten bisher mindestens zwei Anfälle ohne erkennbare Ursache in einem Abstand von mindestens 24 Stunden aufgetreten sein. Seit Kurzem kann die Diagnose aber auch bereits nach dem ersten Anfall gestellt werden, wenn aufgrund entsprechender Untersuchungen, wie der Elektroenzephalografie (EEG) oder Magnetfeldtomografie (MRT) eine erhöhte Anfallswahrscheinlichkeit vorliegt.

Je nach betroffenem Gebiet im Gehirn und den Anfallsarten werden verschiedene Epilepsien und Krankheitsbilder (sogenannte Epilepsie-Syndrome) unterschieden. Grundsätzlich werden die Epilepsien dabei unterteilt in „fokale“ Anfälle, die in definierten Bereichen des Gehirns auftreten, und „generalisierte“ Anfälle, bei denen meist das ganze Gehirn betroffen ist. Im Säuglingsalter und frühem Kindesalter können auch sogenannte benigne Epilepsien auftreten, die nur für einige wenige Monaten zu beobachten sind, während das Kind später zeitlebens anfallsfrei bleibt.

Quelle: Springer Medizin / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 13.12.2010
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