Blinddarmentzündung / akute Appendizitis - Symptome
Symptome
Bauchschmerzen und Abwehrspannung der Bauchdecke
Erstes klinisches Zeichen einer akuten Blinddarmentzündung ist meist ein unklarer, krampfartig an- und abschwellender Schmerz (kolikartiger Schmerz) im Oberbauch oder in Nabelhöhe. Dieser verlagert sich im Verlauf der Appendizitis nach circa vier bis zwölf Stunden in den rechten Unterbauch, wo er als Dauerschmerz bestehen bleibt.
Kolikartige Schmerzen zwingen den Patienten meist aus dem Bett. Er weiß nicht, wie er sitzen oder liegen soll und ist sehr unruhig. Bei dem sich anschließenden Dauerschmerz sucht der Patient in der Regel das Bett wieder auf. Jetzt möchte er sich ruhig verhalten und am liebsten mit angezogenen Beinen in gekrümmter Haltung verharren. Appendizitis-Patienten haben auch Bauchschmerzen beim Lachen und Husten und nehmen eine gebeugte Haltung beim Stehen und Gehen ein. Durch diese Haltung kommt es zur Entlastung des gesamten Bauchraumes. Eine aufrechte Haltung drückt über die Bauchmuskulatur die Organe des Bauchraumes nach hinten, in Richtung Wirbelsäule und Rückenmuskulatur und verstärkt so die Schmerzen.
Typische Vorzeichen für eine Appendizitis gibt es nicht. Unspezifische Beschwerden, wie Unwohlsein, Appetitlosigkeit (vor allem bei Kindern), leichte Übelkeit oder Mattigkeit können vorausgehen, müssen aber nicht.
Patienten mit einer Appendizitis weisen eine sogenannte Abwehrspannung der Bauchdecke auf. Diese entwickelt sich dadurch, dass das Bauchfell* durch die Entzündung des Wurmfortsatzes gereizt wird oder sogar selbst von der (übergreifenden) Entzündung betroffen ist.
Die Abwehrspannung der Bauchdecke lässt sich durch den sogenannten Klopfschmerz objektivieren: Schon leichtes Beklopfen der Bauchdecke mit den Fingerspitzen wird von den Patienten als schmerzhaft empfunden.
Ein plötzliches Nachlassen des Schmerzes kann auf einen Blinddarmdurchbruch (Perforation) hinweisen. Jeder „Durchbruch“ ist eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation. Man unterscheidet dabei zwei Formen: Bei der sogenannten gedeckten Perforation kommt es zwar zum Austritt von entzündlichem Inhalt des Wurmfortsatzes, das ausgetretene Sekret wird jedoch in Form eines Abszesses lokal begrenzt, sodass sich die Entzündung nicht weiter ausbreiten kann. Die Abszessbildung kann für den Körper zwar sehr belastend sein, stellt jedoch keinen akut lebensbedrohlichen Zustand dar. Anders verhält es sich bei der sogenannten freien Perforation, bei der sich der entzündliche und hochinfektiöse Appendix-Inhalt in der Bauchhöhle verteilt. In diesem Fall kann sich die Entzündung ausbreiten und zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) führen.
Es ist daher von großer Wichtigkeit, bei unklaren Beschwerden im Bauchraum das zugrunde liegende Krankheitsbild schnellstmöglich von ärztlicher Seite abklären zu lassen.
Weitere mögliche Krankheitszeichen
Häufig können die Patienten vor Schmerzen keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Auch Übelkeit und Erbrechen können hinzukommen. Diese Symptome werden vor allem dadurch hervorgerufen, dass der gesamte Darm aufgrund der „Blinddarmentzündung“ seine Tätigkeit reflektorisch einstellt. Der Speisebrei steht quasi im Darm, es beginnen Gärungs- und Fäulnisvorgänge. Dem Patienten wird übel und er erbricht den noch vorhandenen Nahrungsbrei.
Begleitend kann eine mäßige Temperaturerhöhung hinzukommen. Die Messung der Temperatur sollte im After erfolgen, da sie die zuverlässigsten Ergebnisse erbringt. Um die richtige Temperatur zu messen, sollte das Fieberthermometer mindestens für drei Minuten im After oder für fünf Minuten in der Achselhöhle belassen werden. Eine Erhöhung der rektal gemessenen Körpertemperatur auf über 38 Grad Celsius findet sich bei circa 40 Prozent aller Patienten mit dem Verdacht auf eine akute Appendizitis. Zudem wird bei etwa 40 Prozent aller unkomplizierten Appendizitisfälle eine Differenz zwischen der im After und der in der Achselhöhle gemessenen Körpertemperatur festgestellt. Diese sogenannte axillär-rektale Temperaturdifferenz kann daher auf eine akute Blinddarmentzündung hinweisen.
Als weiteres allgemeines Krankheitszeichen ist ein leicht gerötetes Gesicht mit Blässe um den Mund herum zu beobachten, was typischerweise bei fiebernden Patienten auftritt.
Da im Bauchraum viele Organe eng beieinanderliegen und teilweise über die selben Nervenstränge versorgt werden, können die Beschwerden einer Appendizitis „ausstrahlen“ und dadurch andere Erkrankungen vorgaukeln. Andererseits können aber auch Krankheitsbilder wie Lungen- und Brustfellentzündungen oder auch ein eingeklemmter Leistenbruch mit typischen Appendizitisbeschwerden einhergehen.
Besonderheiten bei Patienten mit einem funktionsgestörten Immunsystem
Bei Patienten die Medikamente einnehmen müssen, welche die körpereigenen Abwehrreaktionen unterdrücken, ist besondere Vorsicht geboten, da hier Reaktionen wie Fieber oder ein Anstieg der Zahl der weißen Blutkörperchen nur sehr schwach ausgeprägt sein können. Dies gilt auch für Patienten, die an der Immunschwäche AIDS leiden.
Glossar
Bauchfell: Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine dünne, durchsichtige Haut, die den gesamten Bauchraum und die inneren Organe auskleidet bzw. umhüllt. Damit keine Reibung entsteht und die Organe frei verschiebbar sind, ist das Bauchfell mit einer Flüssigkeitsschicht bedeckt. Diese Peritonealflüssigkeit wird von den Zellen des Bauchfells selbst produziert und abgesondert.
Autor: Springer Medizin / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit, 05.11.2010
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