Knochen & Gelenke
Nackensteife kann zu Herzrasen und Kopfweh führen
Er ist der Leibarzt von Prinz Charles, behandelt den Musical-Guru Andrew Lloyd Webber und Spice Girl Gery Hallywell. Die Rede ist von Dr. Mosaraf Ali. Der gebürtige Inder lebt seit mehr als zehn Jahren in London und sorgt derzeit für Aufsehen. Er vertritt die Theorie, dass ein steifer und verspannter Nacken Ursache vieler Gesundheitsprobleme ist. Deutsche Ärzte stimmen zu.
Die ziehenden Schmerzen rund um Kopf und Schulter sollen schuld sein an Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Herzrasen und Schlafstörungen sowie unregelmäßigen und schmerzhaften Monatsblutungen. "Das kann ich nur bestätigen", sagt Professor Peter Billigmann, Sportmediziner aus Polch bei Koblenz, der hierzulande Olympiasieger und Weltmeister betreut. "Wenn sich die Muskeln im Nackenbereich verhärten, quetschen sie wichtige Arterien ab. Der Blutfluss ist gestört oder gar unterbrochen und das kann die unterschiedlichsten Krankheitsbilder hervorrufen."
Hauptauslöser für die Probleme sind lange Schreibtisch-Sitzungen, Seelennöte, Stress und zu wenig Bewegung. Dann reichen ein kalter Luftzug, eine falsche Bewegung oder ein unbequemes Kissen schon aus. Die Muskeln beginnen wie ein sich spannendes Seil an den Knochen zu ziehen und erstarren förmlich. "Ein Teufelskreis", meint Professor Billigmann. Der Hartspann, so der medizinische Ausdruck, drückt auf die Nervenstrukturen und verursacht Schmerzen. Reflektorisch reagiert der Körper mit Verspannungen.
Eine Streichelmassage bringt überhaupt nichts
Nackenschmerzen sind aber immer auch ein Signal. Der Körper rebelliert gegen unzumutbare Bedingungen und fordert mehr Aufmerksamkeit. Tipp des Experten: "Gehen Sie unbedingt zum Arzt! Nur er kann die erforderlichen Maßnahmen ergreifen." Schmerzstillende Spritzen, Infusionen sowie Tabletten gegen Muskelverspannungen helfen zunächst den Teufelskreis zu durchbrechen. Ohne diesen ersten Schritt ist eine weitere Behandlung nicht möglich. Danach hilft vor allem Massage.
Das ist auch die Empfehlung von Promi-Arzt Dr. Mosaraf. Doch wer jetzt glaubt, sich vom Masseur verwöhnen lassen zu können, der irrt. Bei der Massage geht es ordentlich zur Sache. "Eine Streichelmassage bringt hier überhaupt nichts", sagt Andrea Koch, Sporttherapeutin an der Asklepios-Burgsee Klinik in Bad Salzungen. "Nur eine so genannte Friktionsbehandlung ist in der Lage, die verhärteten Muskelstrukturen zu lösen. Dabei bearbeitet der Therapeut Muskulatur und Bindegewebe mit großem Druck. Und das ist nicht immer ganz schmerzfrei."
Im zweiten Schritt: Entspannung und ein neues Kissen
Ist es Ärzten und Therapeuten gelungen, die Schmerzbarriere zu durchbrechen, muss der Patient selbst die Initiative ergreifen. Vier Aspekte halten Experten in der Vor- und Nachsorge für wichtig.
- Entspannung: Mehr als die Hälfte aller Nackenverspannten hat psychische Probleme, zu viel Stress und Ärger. Deshalb wichtig: Entspannungstherapien wie Yoga, Feldenkrais und Autogenes Training gegen Stress. Sie werden an Volkshochschulen angeboten.
- Körperhaltung: Gerade vor dem Computer neigen viele dazu, die Schultern hochzuziehen, vor allem wenn wieder mal alles drunter und drüber geht. Darum öfter mal dran denken und die Schultern einfach fallen lassen, abwechselnd nach vorn und hinten kreisen und die Arme über den Kopf strecken. Auch wichtig: Regelmäßiger Sport, am besten Schwimmen.
- Neues Kissen: Wer morgens verspannt aufwacht, nachts immer wieder aus dem Schlaf gerissen wird, sollte sich ein orthopädisches Kissen besorgen. Das gibt es im Fachhandel für etwa 90 Euro.
- Wärme: Regelmäßige Saunabesuche wirken wahre Wunder. Aber auch ein Bad mit Lavendel-, Fichtennadel- oder Thymianzusatz kann helfen.







