Angst & Depression
Schlaflose leiden häufig unter Depression
Schlafstörungen nehmen zu. Eine in Ratgebern und Illustrierten häufig genannte Begründung lautet: Stress. Dass auch eine Depression ein Grund sein kann, wird selten erwähnt. Dabei leiden etwa 17% aller Patienten, die ein Schlaflabor aufsuchen, unter Depression, schätzt Prof. Dieter Riemann von der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik der Universität Freiburg.
Die Depression ist diejenige psychische Erkrankung, welche am häufigsten mit Schlaflosigkeit (Insomnie) einhergeht. Bei 95% der schwer Depressiven ist der Schlaf beeinträchtigt. Der nächtliche Schlummer kann sich bei Schwermütigen auf unterschiedliche Weise verändern:
- der Patient wacht am frühen Morgen auf und gerät ins Grübeln
- die Tiefschlafphasen werden weniger, der Schlaf wird also störanfälliger und der Patient ist morgens unausgeruhter
- die REM-Phasen - die Phasen des Schlafes also, die mit raschen Augenbewegungen (englisch: rapid eye movements, kurz REM), erhöhter Herz- und Atemfrequenz einhergehen - werden häufiger und setzen früher ein. Normalerweise tritt die erste REM-Phase 70-90 Minuten nach dem Einschlafen auf - bei Depressiven hingegen bereits nach 50 Minuten.
Nicht immer wird eine Depression von allen diesen Schlafveränderungen begleitet. Doch treten bei der krankhaften Schwermut die Charakteristika häufiger geballt auf als bei anderen psychischen Erkrankungen.
Viele Patienten mit Depression wenden sich zuerst wegen Schlaflosigkeit an ihren Arzt. "Keiner geht zum Arzt und sagt: 'Ich bin depressiv'. Die meisten haben Probleme, ihre Stimmung in Worte zu fassen. Manche wollen das mit der Depression auch nicht sehen. Aber Schlafstörungen sind etwas körperliches, ein handfestes Symptom und damit allgemein akzeptiert", sagt Riemann.
Aufwachen mit dem Gefühl 'ich schaff's nicht'
Doch warum leiden Schwermütige fast immer unter Schlafstörungen? Es gibt zunächst eine naheliegende psychologische Begründung: "Depressive sehen alles negativ. Die banalsten Dinge machen ihnen Sorgen, darum können sie nicht abschalten", meint der Freiburger Psychologe. Anspannung aber ist Morpheus' größter Feind. Hinzu kommt: Die Patienten fühlen sich überfordert. Das erklärt das frühmorgendliche Aufwachen: Der Depressive hat Angst vor den Anforderungen des Tages und wacht auf mit dem Gefühl 'ich schaff's nicht'.
Außerdem gibt es einen organischen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Depression: "Der Hirnstoffwechsel ist bei einer Depression gestört. Es dominieren die Botenstoffe, die mit dem Wachwerden verbunden sind - man nimmt an, dass es sich vor allem um den Neurotransmitter Acetylcholin handelt", so Riemann.
Nicht die Schlaflosigkeit, sondern die Depression muss behandelt werden
Leidet ein Patient unter Schlaflosigkeit, muss der Arzt zunächst herausfinden, was sich hinter den Beschwerden verbirgt. Keinesfalls darf eine mögliche Depression unerkannt bleiben. "Denn die Erkrankung sollte immer ursächlich therapiert werden", sagt Riemann. Bei leichten bis mäßig ausgeprägten Depressionen, für die kein Klinik-Aufenthalt notwendig ist, bieten sich nach Auffassung des Psychologen auch
Quelle: BSMO-Gespräch mit Prof. Dieter Riemann von der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik der Universität Freiburg






