Hormontherapie

Antihormontherapie

Antihormonelle Therapie: So wirkt sie

Seit über hundert Jahren gilt das Unterbinden der Hormonproduktion in den Eierstöcken als therapeutische Option beim Mammakarzinom. Mit der Blockade der Hormonbildung lässt sich die Überlebenszeit nachweislich verlängern.

War in früheren Zeiten noch die Entnahme der Eierstöcke als Haupthormonquelle die einzige Möglichkeit, die Hormonbildung zu hemmen, stehen der heutigen Medizin sehr viel gezieltere und nebenwirkungsärmere Therapien zur Verfügung.

Voraussetzung für die Hormonsensitivität eines Tumors ist, dass sich auf den Tumorzellen Antennen, so genannte Rezeptoren, für Geschlechtshormone - Östrogen und/oder Progesteron - nachweisen lassen. Die Hormone binden an die Rezeptoren auf den Zellen und regen so ihr Wachstum und ihre Teilung an.

Verschiedene Ansätze für Antihormone

Ist ein Tumor hormonsensitiv, d.h. wird sein Wachstum durch Östrogen (und/oder Progesteron) gefördert, so muss entweder die Produktion des Hormons oder seine Wirkung am Rezeptor unterbunden werden. Dafür gibt es heute eine ganze Reihe von Möglichkeiten:

Vor den Wechseljahren wird Östrogen vorwiegend in den Eierstöcken produziert. Die Entnahme der Eierstöcke, eine Ovarektomie, ist eine Möglichkeit, die jedoch zu Unfruchtbarkeit der Patientin führt. Eine Alternative ist die Gabe so genannter GnRH-Analoga. Sie bewirken über verschiedene Stationen im Gehirn und in der Hirnanhangsdrüse, dass die Östrogenproduktion in den Eierstöcken eingestellt wird. Diese Methode hat gegenüber der Operation den Vorteil, dass sich die Wirkung wieder rückgängig machen lässt, wenn man das Medikament absetzt. Die Regelblutung, die während der Therapie aufgehört hat, setzt dann wieder ein und bei jungen Frauen bleibt die Fruchtbarkeit erhalten.

Antiöstrogen blockiert den Rezeptor

Eine weitere Möglichkeit der Hormontherapie, die seit etwa 30 Jahren genutzt wird, ist die Blockierung des Östrogenrezeptors durch ein Medikament namens Tamoxifen. Dieses so genannte Antiöstrogen kann adjuvant nach der Operation eingenommen werden und reduziert dann das Risiko für ein Wiederauftreten des Tumors. Tamoxifen ist aber auch bei Vorliegen von Metastasen wirksam und kann dann die Krankheit zum Stillstand bringen oder zumindest ihr Fortschreiten verlangsamen. Es gibt sogar Hinweise darauf - die derzeit in Studien überprüft werden -, dass Tamoxifen vorbeugend gegen Brustkrebs wirkt.

Nach den Wechseljahren: Aromatasehemmer stoppen Östrogenbildung

Während der Wechseljahre stellen die Eierstöcke die Östrogenproduktion ein, aber auch hinterher wird das Hormon in geringeren Mengen noch in anderen Geweben wie Muskeln, Fett- und Brustdrüsengewebe hergestellt. Dabei spielt das Enzym Aromatase eine entscheidende Rolle. Hemmstoffe der Aromatase, so genannte Aromataseinhibitoren, können auch diese Östrogenquelle zum Versiegen bringen. Moderne Aromataseinhibitoren verbinden hohe Wirksamkeit mit sehr geringen Nebenwirkungen und sind heute bereits die Therapie der Wahl bei Frauen nach den Wechseljahren mit hormonrezeptorpositivem, fortgeschrittenem Brustkrebs, weil sie sich hier in großen Studien dem Tamoxifen überlegen gezeigt haben.

In der adjuvanten Situation, d.h. nach der Operation, wenn keine Anzeichen für Metastasen vorliegen, gibt es erste Studienergebnisse, die darauf hinweisen, dass Aromatasehemmer wirksamer sind als Tamoxifen. Diese Studienergebnisse wurden bereits in den Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Mammakarzinomen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie berücksichtigt. Überprüft wird diese These derzeit in einer sehr großen Studie, deren Resultate in Kürze erwartet werden und die endgültig klären soll, ob ein Aromatasehemmer von Novartis wirksamer ist als Tamoxifen.


Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 3, 2004


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