Antihormonelle Therapie
Rezeptoren machen antihormonelle Therapie möglich
Ungefähr drei von vier Brustkrebserkrankungen werden in ihrem Wachstum durch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen stimuliert. Umgekehrt heißt das, dass man durch Unterbrechung der Östrogenzufuhr das Wachstum des Tumors hemmen kann.
Um sicher zu sein, dass solch eine antihormonelle Therapie auch wirkt, muss man vorher wissen, ob der betreffende Tumor in seinem Wachstum hormonabhängig ist. Das geschieht durch den Nachweis von Hormonrezeptoren im Tumorgewebe.
Hormone üben wie viele biologische Substanzen ihre Wirkung in Zellen über so genannte Rezeptoren aus: Das sind Eiweißmoleküle, die das Hormon binden und daraufhin bestimmte Wirkungen in der Zelle hervorrufen, beispielsweise die Zelle zur Teilung veranlassen. Das Vorhandensein von Hormonrezeptoren ist Voraussetzung dafür, dass ein Mammakarzinom durch Hormone zum Wachstum stimuliert werden kann. Will man eine antihormonelle Therapie einsetzen, so muss man also zunächst feststellen, ob der betreffende Tumor Hormonrezeptoren besitzt. Der Pathologe macht das, indem er Gewebeschnitte aus der Biopsie oder aus dem operierten Tumor so behandelt, dass sich Zellen mit Hormonrezeptoren anfärben. Stellt sich ein Tumor im Mikroskop hormonrezeptorpositiv dar, wird die Patientin wahrscheinlich von einer Therapie profitieren, die die Östrogenspiegel im Körper senkt, so dass auch die Tumorzellen nicht mehr damit versorgt werden können.
Eine antihormonelle Therapie (auch endokrine Therapie genannt) ist einerseits in der adjuvanten Situation denkbar, d.h. wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, man aber sicher gehen möchte, dass etwa bereits im Körper verteilte Tumorzellen sich nicht eines Tages durch die Stimulation der Hormone zu Metastasen entwickeln. Auf der anderen Seite kann eine antihormonelle Therapie auch das Wachstum bereits bestehender Metastasen hemmen und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen bzw. sogar zum Stillstand bringen - immer vorausgesetzt, die Tumorzellen haben Hormonrezeptoren. Schließlich lässt sich eine antihormonelle Therapie auch vor der Operation einsetzen, etwa um einen großen Tumor zunächst zu verkleinern, so dass die Operation weniger umfangreich ausfallen muss.
Eine antihormonelle Therapie kann auf verschiedene Weise erfolgen. Sie erfüllt den gleichen Zweck wie eine Chemotherapie, aber sie ist wesentlich besser verträglich. Deshalb ist die Bestimmung des Hormonrezeptorstatus in der Biopsie oder im Operationsmaterial heute Standard: Sie eröffnet gegebenenfalls den Weg zu einer nebenwirkungsärmeren Form der Tumortherapie.
(BSMO)



