Leben!
Selbsthilfe: Stütze für viele Patientinnen
Brustkrebs - diese Diagnose stellt das Leben auf den Kopf. Die Betroffenen drücken Ängste und viele Fragen. Muss ich mein Leben nun radikal ändern? Wie wird sich der Krebs auf meine Partnerschaft auswirken? Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es? Familie und Freunde bieten wichtige Unterstützung.
Doch ihr Beistand kennt zwangsläufig Grenzen. Selbsthilfegruppen können mehr leisten. In einer Selbsthilfegruppe weiß jede, was es bedeutet, mit Brustkrebs zu leben. Jede Frau kann von den Erfahrungen der anderen profitieren. Praktische Tipps für den Alltag mit Brustkrebs, medizinische Hintergründe und Neuigkeiten oder gesetzliche Änderungen, z.B. zu Kuren oder zur beruflichen Wiedereingliederung, werden hier weitergeben und diskutiert. Zu besonders wichtigen Themen laden viele Gruppen Fachreferenten ein.
Patientinnen schätzen Anteilnahme und Verständnis
Vor allem die seelische Unterstützung durch andere Patientinnen erleben viele Frauen als große Bereicherung. Für Gesunde ist es oft schwierig, sich in die Situation einer Krebskranken zu versetzen. Andere Betroffene machen jedoch oft ähnliche Erfahrungen und teilen die gleichen Ängste und Sorgen. Im Austausch wird deutlich, dass manche Gedanken und Gefühle völlig normal sind, auch was den Tod betrifft. Selbsthilfegruppen vermitteln so ein positives Lebensgefühl: Die Frauen werden aktiv - gegen das Gefühl der eigenen Hilflosigkeit. Sie gestalten sich einen neuen erfüllten Alltag mit ihrer Krankheit. Dabei bieten sie einander praktische Lebenshilfe. Wie werden andere mit den seelischen Belastungen fertig? Wie gehen sie mit körperlichen Einschränkungen um? "Die vielen Beispiele helfen dabei, den eigenen Weg zu finden", sagt Hilde Schulte, Bundesvorsitzende des Vereins Frauenselbsthilfe nach Krebs.
Soziale Kontakte inklusive
Gerade für Alleinstehende ist die Gruppe eine gute Kontaktbörse. Oft schweißt die gegenseitige Anteilnahme zusammen. Viele Patientinnen treffen sich nach einiger Zeit auch privat, verbringen ihre Freizeit miteinander oder kümmern sich um Kranke, die nicht zu den Gruppentreffen kommen können.
Wohlfühlfaktor entscheidet über die richtige Gruppe
Selbsthilfegruppen für Frauen mit Brustkrebs gibt es inzwischen in jeder größeren Stadt. Die Angebote sind ganz unterschiedlich. Manche Gruppen werden durch Therapeuten angeleitet, andere praktizieren Entspannungstechniken, integrieren auch Tanzen oder Malen. Interessierte können z.B. ihren behandelnden Arzt nach Gruppen am Ort fragen oder im Internet nachschauen.
Wie aber findet eine Krebskranke die Gruppe, die zu ihr passt? Dr. Susi Gaillard, die in der Schweiz die Selbsthilfegruppe "Leben wie zuvor" initiiert hat, bringt es auf den Punkt: "Ganz wichtig ist einfach, dass die Frau sich in "ihrer" Gruppe wohlfühlt und das findet, was sie sucht. Und das kann nur sie selbst für sich herausfinden." So werden eine junge Frau andere Dinge beschäftigen als eine ältere. Eine 35-Jährige hat vielleicht kleine Kinder zu versorgen, bangt um ihre Partnerschaft oder fragt sich, wie es im Job weitergeht. Ältere Frauen hingegen hätten zu ihrer Erkrankung oft ein anderes Verhältnis, hat Gaillard festgestellt. "Das Alter kann jedenfalls eine wichtige Rolle spielen bei der Zusammensetzung der Gruppe. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass es auch hier keine allgemein gültige Regel gibt." Das Motto heißt daher "ausprobieren". Wer spürt, dass der Umgang in einer Gruppe nicht bereichernd ist, sollte sich nicht scheuen, wieder zu gehen. Und nach einer Alternative zu suchen.
(BSMO)



