
Leben!
Diagnose Brustkrebs: Wege, damit umzugehen
Nichts ist mehr wie vorher, wenn eine Frau an Brustkrebs erkrankt. Wut, Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung stellen das Leben der Patientin auf den Kopf. Wie sie der Krankheit am besten begegnet, muss jede Frau für sich herausfinden. Ein Patentrezept gibt es nicht.
Erfahrungen zeigen allerdings: Wer sich gut informiert, bekämpft das Gefühl der Ohmacht. Auch soziale Unterstützung ist eine wichtige Waffe im Kampf gegen die Erkrankung.
"Es ist ganz unterschiedlich, wie Frauen mit der Diagnose Brustkrebs umgehen", weiß Angela Tietz von der Psychosozialen Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige in Berlin. "Manche werden sofort aktiv, sammeln Informationen und holen sich Unterstützung. Andere fallen in ein schwarzes Loch und es dauert einige Zeit, bis sie aus ihrem komatösen Zustand erwachen." Eine "richtige" oder "falsche" Art, die Krankheit zu bewältigen, gibt es nicht. Jede Frau muss ihren Weg finden. "Wichtig ist dabei nur eins", so Tietz. "Nach der Diagnose sollte die Frau sich nicht drängen lassen." Vielmehr sollte sie in Ruhe alle auftauchenden Fragen klären: Welche Behandlungen gibt es? Was sind die Nebenwirkungen? Wie sehen die Möglichkeiten eines Brustaufbaus aus? Welche Auswirkungen hat die Erkrankung auf meinen Beruf, auf Freundschaften, auf meine Familie? Schließlich: Bin ich in guten Händen?
Informationen nehmen Ängste
Fast jede Frau reagiert auf den Befund Brustkrebs zunächst mit Angst. Das ist völlig normal. Schließlich stellt der Tumor eine ernsthafte Bedrohung dar, konfrontiert die Patientin mit dem möglichen Tod. Es ist jeden Menschen schwierig, sich einer solchen Situation zu stellen. Doch: "Gegen Ängste helfen vor allem Informationen", hat Sozialpädagogin Tietz festgestellt, die selbst vor sechs Jahren an Brustkrebs erkrankte. Denn je mehr man über seine Krankheit weiß, desto weniger fühlt man sich ihr ausgeliefert.
Familie und Freunde geben Kraft
Ebenfalls wichtig: über seine Ängste sprechen! Das Reden allein kann schon entlastend wirken. Zahlreiche Untersuchungen belegen zudem: Die Unterstützung durch Freunde und Familie wirkt sich positiv auf die Genesung aus.
Statt sich zu verkriechen, hilft es, soziale Kontakte zu pflegen und auszubauen. Als besonders positiv erleben viele Patientinnen Gespräche mit anderen Betroffenen. Gute Gelegenheiten dazu bieten z.B. Selbsthilfegruppen aber auch Foren und Chats im Internet.
Bewusste Entspannung lindert den Dauerstress
Während der Behandlung erleben viele Patientinnen ein Wechselbad der Gefühle. Auf Zuversicht folgen Enttäuschung oder auch Verzweiflung, etwa wenn sich die Krankheit verschlimmert. In dieser Zeit befinden sich Körper und Geist im Dauerstress. Um die Anspannung und Belastung zu mindern, haben sich Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Meditation bewährt. Werden Ängste und Niedergeschlagenheit jedoch zu übermächtig, sollte eine Patientin nicht scheuen, die professionelle Hilfe eines Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen.
Das Leben gewinnt an Intensität
So groß der Schock nach der Diagnose Brustkrebs auch ist, die Krankheit hat nicht nur negative Seiten. "Viele Frauen entdecken nach ihrer Erkrankung zum ersten Mal ihre eigenen Bedürfnisse. Sie werden 'unbequem' für ihre Umgebung, sprechen vielleicht erstmals Probleme in der Partnerschaft oder in ihrer näheren Umgebung an", beobachtet Susi Gaillard von der Schweizer Selbsthilfegruppe "Leben wie zuvor". Die Krankheit wirft ein neues Licht auf das eigene Dasein. In der Fotoausstellung "Knotenpunkt" von Hermine Oberück beschreibt Marga H., Jahrgang 1945, das so: "Die Selbstverständlichkeiten sind weg seit meiner Operation, die Prioritäten auf den Kopf gestellt." Das Leben wird intensiver erlebt als vor der Erkrankung. Das Jetzt gewinnt an Bedeutung.
(BSMO)




