Enzyme
Wie sinnvoll ist eine Diät mit Enzymen in der Krebstherapie?
Therapiebegleitende Maßnahmen zur Verbesserung der Behandlungsergebnisse und der Lebensqualität der Patienten spielen eine immer größere Rolle in der Krebstherapie. So werden auch der Einnahme von Enzymen viele positive Wirkungen zugeschrieben. Doch der Sinn dieser Maßnahme wird kontrovers diskutiert.
Aktuell in der Krebstherapie von Bedeutung sind besonders sogenannte eiweißspaltende (proteolytische) Enzyme. Sie sind entweder pflanzlichen oder tierischen Ursprungs und werden aus Früchten wie Ananas und Papaya oder aus der Bauchspeicheldrüse von Tieren, z.B. Rindern, gewonnen. Ihnen wird zugeschrieben, die eigentliche Krebstherapie zu unterstützen, indem sie das Immunsystem stärken und die Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie mindern. Zudem bestehen Hinweise darauf, dass sie auch das Tumorwachstum und das Risiko für Tochtergeschwulste (Metastasen) beeinflussen können.
Therapieeffekte von Enzymen bislang nur begrenzt bestätigt
Zu den typischen Wirkstoffen, die bei der systemischen Enzymtherapie" eine Rolle spielen, gehören die Pflanzenstoffe Bromelain und Papain (Extrakte aus Ananas bzw. Papaya). Sie stehen als Einzelwirkstoffe oder Kombinationspräparate, zum Teil auch kombiniert mit Enzymen tierischen Ursprungs wie Trypsin, Chymotrypsin und Pankreatin zur Verfügung. Hinreichende Beweise über positive Effekte liegen bislang allerdings nur für einzelne dieser Präparate vor. So zeigte sich in Studien mit Brustkrebspatientinnen und Patienten mit Darmkrebs, die Präparate mit standardisierten Enzymgemischen aus Papain, Trypsin und Chymotrypsin begleitend zu ihrer Krebstherapie eingenommen hatten, ein positiver Einfluss auf Immunsystem und Lebensqualität etwa dadurch, dass die Nebenwirkungsrate von Strahlen- und Chemotherapie sank. Für anders zusammengesetzte Kombinationen oder Präparate liegen bislang keine ausreichenden Daten vor, die deren Wirkung und Unbedenklichkeit bestätigen. Auch dass Enzympräparate das Wachstum von Tumoren und das Auftreten von Metastasen eindämmen können, ist nicht hinreichend durch Studien belegt.
Hohe Dosen erforderlich
Daneben stellt sich ein weiteres Problem: wie und ob der Wirkstoff tatsächlich den Wirkort erreicht. Denn normalerweise würden die über den Verdauungstrakt zugeführten Enzyme durch die Magensäure zerstört und könnten gar nicht erst in die Blutbahn und damit an die gewünschten Stellen im Körper gelangen. Deshalb werden sie in entsprechenden Schützhüllen (Kapseln) verpackt, die bewirken sollen, dass eine Freisetzung erst im Dünndarm erfolgt und dort zu einer Aufnahme über die Darmschleimhaut führt. Damit genügend Wirkstoff ankommt, ist eine hohe Dosierung der Enzyme nötig. Ferner sollte man die entsprechenden Präparate am besten eine halbe Stunde vor dem Essen einnehmen.
Unterstützende Maßnahme kein Ersatz für die Krebstherapie!
Wer eine Behandlung mit Enzymen beginnt, sollte sich darüber hinaus immer darüber im Klaren sein, dass diese Maßnahme die herkömmliche Krebstherapie zwar gegebenenfalls unterstützen, aber niemals ersetzen kann.



