
Diagnose Brustkrebs
Wie sage ich es meinen Nächsten?
Die Diagnose Krebs verunsichert die Betroffenen wie kaum eine andere. Neben den Sorgen um die eigene Zukunft stellt sich für viele auch die Frage: Wie bringe ich es meinen Angehörigen bei?
Die Diagnose Brustkrebs löst bei den betroffenen Frauen viele Ängste und Sorgen aus. Sie müssen sich auch damit beschäftigen, ob und wie sie es ihren Angehörigen sagen können. Dass man die Nächsten, die man liebt, schonen möchte, ist verständlich. Viele Betroffene wollen vor allem Kindern eine solche Belastung ersparen. Wenn jedoch über die Krankheit und die damit verbundenen Ängste und Anstrengungen nicht gesprochen wird, besteht die Gefahr einer emotionalen Distanz, die auf Dauer zu Missverständnissen und Spannungen innerhalb der Familie führen kann.
Die Angehörigen merken schnell, dass etwas nicht stimmt
Die Krebsdiagnose vor den nächsten Angehörigen geheim halten zu wollen, kann nicht lange gelingen. Früher oder später merken alle Beteiligten, dass etwas nicht stimmt. Gerade auch Kinder sind oft sehr sensibel für emotionale Stimmungen und für Veränderungen. Sie bemerken es, wenn die Mutter plötzlich häufiger beim Arzt ist, aber nicht über die Gründe sprechen will, warum sie öfter gereizt und erschöpft ist oder nicht mehr an allen Aktivitäten so wie früher teilnimmt. Die Ungewissheit darüber, weshalb das so ist, verunsichert und schürt Ängste – und das umso mehr, wenn das Kind die Situation allein bewältigen muss oder sich nicht traut, darüber zu reden. Kinder sollten ebenso wie erwachsene Familienmitglieder darauf bauen können, über wichtige Veränderungen in der Familie informiert zu werden. Sie müssen die Chance erhalten, sich auf die Krankheit der Mutter einzustellen und mit den möglichen Konsequenzen umgehen zu lernen.
Für die Krebspatientinnen selbst kann ein klärendes Gespräch mit der Familie sehr entlastend wirken. Plötzlich sind sie nicht mehr allein in ihrer Situation und erfahren Mitgefühl und Unterstützung.
Wer kann helfen, die richtigen Worte zu finden?
Patientinnen, die Angst davor haben, mit ihren Angehörigen über ihre Krankheit zu reden und dabei nicht die richtigen Worte zu finden, können sich professionelle Unterstützung suchen. Der behandelnde Arzt steht den Betroffenen sicherlich gern zur Seite. So kann es helfen, den Lebenspartner zu einem Gespräch mit dem Arzt mitzunehmen. Auf diese Weise lernt er den Arzt kennen, der die Patientin bei der Behandlung ihrer Krankheit begleitet, und kann eigene Fragen direkt stellen.
Hilfe bei der Suche nach Krebsberatungsstellen sowie qualifizierten auf Krebserkrankungen spezialisierten Psychologen (Psychoonkologen) finden Betroffene beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Um sich auf ein Gespräch mit den Kindern vorzubereiten, können sich Eltern an den Verein "Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V." wenden. Er unterstützt gezielt krebskranke Eltern und ihre Kinder und bietet z.B. zahlreiche Broschüren und Bücher für Kinder verschiedener Altersstufen an, die ihnen ein besseres Verständnis für die Krankheit von Mutter oder Vater ermöglichen.
In Selbsthilfegruppen und Foren können sich Betroffene über ihre Erfahrungen im Umgang mit der Familie austauschen. Informationen bietet auch eine Vielzahl von Büchern und Broschüren. Eine gewisse Vorsicht vor Selbsterfahrungsberichten ist allerdings geboten: Patentrezepte gibt es nicht, was für den einen gut war, ist für den anderen womöglich nicht gut. Patientinnen sollten deshalb auch immer ihrem eigenen Gefühl bei der Beurteilung einer schwierigen Gesprächssituation vertrauen.
Sollen Arbeitskollegen von der Krankheit unterrichtet werden?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht. Jede Brustkrebspatientin sollte selbst entscheiden, wann sie mit wem worüber sprechen will. Mitunter kann es helfen, sich den engsten Kollegen anzuvertrauen. Diese erhalten dann eine Erklärung dafür, weshalb sich die Betroffene häufiger krank melden muss oder gelegentlich müde und erschöpft ist.
Es ist jedoch auch zu verstehen, wenn die Kollegen nichts von der Krankheit erfahren sollen, etwa um nicht plötzlich anders behandelt zu werden, nur weil man krank ist. Auch ob die Patientin ihren Chef über die Krankheit informiert oder nicht, bleibt ihr überlassen. Der Arbeitgeber hat keinen Anspruch darauf, über die Krebserkrankung Bescheid zu wissen, so lange dadurch nicht Fragen der Arbeitssicherheit berührt werden, etwa durch die Einnahme von Medikamenten. Auch dann genügt es, auf die Tatsache der Einnahme hinzuweisen. Eine Begründung für die Einnahme kann der Arbeitgeber nicht einfordern.
Weiterführende Links:
Psychosoziale Beratungsstelle für Krebskranke und Angehörige Selbsthilfe Krebs e.V.
Verein "Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V."
Krebsberatungsstellen finden Sie beim Krebsinformationsdienst
Psychotherapeutisch arbeitende Psychoonkologen mit zertifizierter Weiterbildung finden Sie beim Krebsinformationsdienst




