Beduftungssysteme

Duftstoffe als Manipulatoren?

Düfte wecken Assoziationen und Emotionen. Bis ins Bewußtsein dringt der Einfluss von Gerüchen jedoch meist nicht vor.
Emotionen erwachen durch olfaktorische Stimulation. Bis ins Bewusstsein dringt dieser Reiz jedoch meist nicht vor.
Uwe Anspach/dpa

Beim Bäcker duftet es nach frischem Gebäck, im Hotel nach sauberer Bettwäsche. Doch oft kommen diese Düfte aus der Konserve. Denn Aromen sollen Menschen auch in ihren Entscheidungen beeinflussen.

Viele Unternehmen arbeiten schon mit Beduftungssystemen: Gezielt platzieren sie Düfte hinter Supermarkt-Regalen und in Hotels. Die Aromen sollen das Kaufverhalten der Kunden steuern.

"Wir alle sind duftgesteuert! Aber es ist uns nicht bewusst", betont Claus-Peter Hutter, Mitautor des Buches "Der Duftcode. Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert" und Leiter der baden-württembergischen Umweltakademie.

Olfaktorische Impressionen unterhalb der Wahrnehmungsgrenze

Der Mensch wird mit Aromen "zwangsbeduftet", überflutet mit Stoffen, die ihn seiner Sinne berauben. Die Crux dabei: Wir merken es nicht einmal! Und das liegt nicht nur daran, dass wir unaufmerksam wären gegenüber olfaktorischen Impressionen. Wir haben gar keine Chance, sie bewusst wahrzunehmen, denn professionelle Duftdesigner tragen Sorge dafür, dass die Konzentration der Aromen unterhalb der Wahrnehmungsgrenze bleibt.

Relativ verbreitet ist ebenso ein frischer Geruch in Hotels. Zahlreiche Häuser arbeiten mit Aromen, die dem Gast suggerieren: Hier bist du zu Hause, hier kannst du dich wohlfühlen. In Japan und Hongkong heißt diese Maßnahme "intelligentes Gebäudedesign".

Versprühte Aromen steigern den Umsatz

In Restaurants liegt oft ein leichter, appetitanregender Schokoduft in der Luft. Durch Reisebüros wabert eine dezente Meeresbrise. Sogar bei Gebrauchtwagenhändler kommen Sprays zur Manipulation des potenziellen Käufers zum Einsatz, die den Geruch von Neuwagen imitieren. Bekleidungsgeschäfte arbeiten mit Aromen, die Kunden länger im Laden halten sollen.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich dadurch die Kommunikationsbereitschaft von Kunden um gut ein Fünftel erhöht, diese um 16 Prozent länger im Laden bleiben. Das kann den Umsatz in die Höhe treiben - je nach Produktpalette oder Dienstleistung um sechs bis 15 Prozent.

Der Fantasie für den kommerziellen Nutzen der Wirkung von Duftstoffen auf das Unterbewußtsein sind kaum Grenzen gesetzt. Allerdings verlieren wir durch die Beduftung zunehmend unseren Sinn für den echten und natürlichen Geruch, warnt Hutter. Außerdem bergen die Aromen gesundheitliche Risiken. "Immer mehr Menschen leiden unter Duftstoff-Allergien mit Ekzemen und Atemnot", kritisieren die Autoren.

Natürlich: Aromatherapie

Natürlich: Aromatherapie

HanseMerkur

Autor: Lifeline Redaktion / ah
Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2011
Quellen: dpa, 25.10.2011 Goris, Eva/Hutter, Claus-Peter: Der Duftcode. Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert. Heyne-Verlag, Oktober 2011. ISBN-13: 978-3-453-20001-2

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