Herz und Kreislauf

Auch Herzkranke dürfen in die Ferne reisen

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Endlich wegfahren und entspannen - auch für Herzpatienten!
(c) Digital Vision

Schonen, schonen, schonen - so lautete lange Zeit der Rat für Patienten mit Herzschwäche. Doch inzwischen wissen Experten: Moderate Belastungen sind oft von Vorteil, sofern der Patient nicht unter einer schweren Form der Herzschwäche leidet oder gerade eine Herz-OP hinter sich hat. Herzkranke dürfen fast genauso vielen Vergnügen frönen wie Gesunde.

Auch Fernreisen sind somit für Frauen und Männer mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) möglich. Alle Herzkranken, die leichte Anstrengungen ohne Hilfe meistern und damit eine Herzkrankheit des Schweregrades I oder II haben, dürfen ihrem Fernweh nachgeben. "Der Patient sollte sich in einem stabilen Zustand befinden, aber auch ausreichend belastbar sein. Wer 75 Watt am über sechs Minuten schafft, befindet sich in einer guten Situation", sagt der Kardiologe Dr. Wolf-Andreas Fach von der Deutschen Herzstiftung. Doch egal wie gut der Patient sich fühlt: Vor der Reise sollte er sich in jedem Fall noch einmal von einem Herz-Spezialisten untersuchen lassen. "Selbst eine Reise nach Patagonien kann gut gehen", meint Fach. Von Trekking-Touren à la Messner ist allerdings abzuraten. Auch starke klimatische Belastungen wie große Hitze oder extreme Kälte tun Herzkranken nicht gut. Die Reise muss schonend verlaufen, sagt der Fach, das heißt:

  • den Weg zum Flughafen und die Fahrt ins Hotel oder Appartement gut planen und Zeitdruck vermeiden
  • keine schweren Gepäckstücke schleppen und niemals hektisch hinter Bus oder Bahn herlaufen - große körperliche Belastungen sind generell tabu
  • die ersten Tage am Reiseziel ruhig angehen, um den Jet-Lag zu kurieren und sich vernünftig zu akklimatisieren
  • Herzkranke reisen zudem oft entspannter, wenn sie sich vorher erkundigen, ob es vor Ort eine Klinik mit kardiologischen Behandlungsmöglichkeiten gibt Die Flugreise an sich belastet Patienten mit leichter Herzinsuffizienz kaum. Der Sauerstoffdruck ist im Flugzeug zwar niedriger. Doch dies stellt nur für diejenigen Herzkranken ein Problem dar, die schon bei geringer Anstrengung in Atemnot geraten und darum ohnehin nicht reisen sollten. Berücksichtigen müssen Herzkranke jedoch, dass sie wegen ihrer Grunderkrankung ein höheres

Die Flugreise an sich belastet Patienten mit leichter Herzinsuffizienz kaum. Der Sauerstoffdruck ist im Flugzeug zwar niedriger. Doch dies stellt nur für diejenigen Herzkranken ein Problem dar, die schon bei geringer Anstrengung in Atemnot geraten und darum ohnehin nicht reisen sollten. Berücksichtigen müssen Herzkranke jedoch, dass sie wegen ihrer Grunderkrankung ein höheres haben, das sich durch eine Flugreise noch verdoppelt. Denn im Flugzeug kommt es durch Bewegungsmangel, Abknicken der Beinvenen während des stundenlangen Sitzens und dem hohen Flüssigkeitsverlust in der trockenen Flugzeugluft leicht zur Bildung eines Blutgerinnsels. Patienten mit Herzinsuffizienz oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten deshalb mit allen Mitteln einer Reisethrombose vorbeugen und:

  • einen Gangplatz wählen, um im Flugzeug so oft wie möglich auf und ab gehen zu können
  • sich auch im Sitzen bewegen, z.B. mit den Füßen wippen oder die Zehenspitzen nach oben ziehen
  • kein Gepäck im Fußraum abstellen
  • nicht rauchen
  • viel Früchtetee, Saft oder Mineralwasser trinken, um den Flüssigkeitsverlust, der durch die hohe Lufttrockenheit im Flieger entsteht, auszugleichen
  • auf Kaffee und Alkohol verzichten, da diese Getränke dem Körper Flüssigkeit entziehen
  • Stützstrümpfe tragen Die Herzstiftung rät außerdem kurz vor der Flugreise 100 mg des blutverdünnenden Medikaments Acetylsalicylsäure (ASS) einzunehmen, wenn nach Meinung des Arztes nichts dagegen spricht. Bei hohem Thrombose-Risiko kann auch eine Heparin-Spritze zwei Stunden vor Reiseantritt sinnvoll sein. Allerdings stellt sich in diesem Fall die Frage, ob es nicht besser ist, die Reise zu verschieben oder auf ein anderes Verkehrsmittel auszuweichen. Besonders geeignet ist die Bahn, da hier das Risiko einer Reisethrombose noch niedriger ist, als im Auto oder Bus. (kig)Quelle: BSMO-Gespräch mit Dr. Wolf-Andreas Fach von der Deutschen Herzstiftung

Die Herzstiftung rät außerdem kurz vor der Flugreise 100 mg des blutverdünnenden Medikaments Acetylsalicylsäure (ASS) einzunehmen, wenn nach Meinung des Arztes nichts dagegen spricht. Bei hohem Thrombose-Risiko kann auch eine Heparin-Spritze zwei Stunden vor Reiseantritt sinnvoll sein. Allerdings stellt sich in diesem Fall die Frage, ob es nicht besser ist, die Reise zu verschieben oder auf ein anderes Verkehrsmittel auszuweichen. Besonders geeignet ist die Bahn, da hier das Risiko einer Reisethrombose noch niedriger ist, als im Auto oder Bus.

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2011

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