Schlafstörungen und Schnarchen
Schlafapnoe-Syndrom: Therapiemöglichkeiten
Nächtliche Perioden von Schlafapnoe sind oft ein wesentlicher Grund für den Sekundenschlaf tagsüber. Die betroffenen Patienten fühlen sich abgeschlagen und matt, unausgeschlafen und können sich nicht richtig konzentrieren.
Schnarchen mit Phasen von Schlafapnoe tritt sehr häufig auf. Betroffen sind etwa vier Prozent der Männer im mittleren Lebensalter und bei den Frauen sind es rund zwei Prozent. Übermüdung tagsüber, Unkonzentriertheit und Sekundenschlaf lassen bei diesen Patienten die Gefahr von Unfällen drastisch steigen. Mit einer gezielten Diagnostik und Therapie kann den Patienten bei interdisziplinärer Zusammenarbeit oft mit einfachen Mitteln geholfen werden.
Schlafphysiologie verstehen
Während des Schlafens erschlafft die Muskulatur. Je nach Schlafposition kann dann der Unterkiefer relativ leicht nach hinten rutschen. Als Folge fällt die Zunge in den hinteren Mundraum. Die eingeatmete Luft kann nur mit einem erhöhten Druck ausströmen und bringt die Uvula zum Schwingen. Im extremen Fall verschließt sie dadurch den Eingang zur Luftröhre und es entstehen Atempausen. Bis zu zehn Atempausen pro Stunde werden als geringfügig angesehen. Viele Patienten erleiden jedoch 25 und mehr Aussetzer. Es entsteht ein Sauerstoffmangel. Viele krankhafte Symptome können dadurch entstehen oder verstärkt werden.
Das Phänomen ist schon sehr lange bekannt und in der Geschichte des Schnarchens wurden die absonderlichsten Techniken erprobt, um dem Einhalt zu gebieten und Patient und vor allem die Umgebung vor den nächtlichen Geräuschen zu schützen. Kinnbinden, Prothesen, am Rücken fixierte Kugeln, Geräte zum Ändern der Schlafposition und vieles mehr entstanden von phantasievollen Zeitgenossen. Mittlerweile können mit Hilfe von Schlaflaboren und Schlafmediziner, Zahnärzten und Kieferorthopäden sehr gute Behandlungsergebnisse erzielt werden.
Möglichkeiten der Therapie
Neben einer Änderung der Schlafposition können Probleme bei der Nasenatmung chirurgisch behoben werden. Bei starkem Übergewicht hilft eine Reduktion des Körpergewichts. Auch eine Uvulaplastik kann gute Ergebnisse erzielen. Bei stark betroffenen Patienten wird eine nächtliche Überdruckbeatmung durchgeführt. Dafür wird eine individuelle Atemmaske hergestellt.
Eine relative einfache Möglichkeit stellt dagegen die Behandlung mit einer intraoralen Apparatur dar. Dabei ist es das Bestreben, den Luftraum im Rachen zu erweitern. Damit verhindert man den Kollaps des Weichteilschlauches. Es existieren drei wesentliche Apparategruppen:
- Unterkieferprotrusionsgeräte
- Retraktoren oder Zungenretainer und
- Gaumenplatten.
Die Unterkieferprotrusionsgeräte sind am besten untersucht und werden mittlerweile auch am meisten verwendet. Man teilt sie in vier Varianten ein: einteilige starre Geräte, elastische einteilige Geräte, zweiteilige starre und zweiteilige elastische Geräte.
Anforderungen an ein Protrusionsgerät
Der Mundinnenraum sollte erweitert werden. Deshalb werden seitliche Einbisse eingebaut. Alle Zähne sind räumlich zu fassen. Nur so können Zahnstellungsänderungen verhindert werden. Das Kiefergelenk sollte nicht unnötig belastet werden und der Unterkiefer aus diesem Grund frei beweglich sein. Nach Möglichkeit sollte keine Einengung der Zunge erfolgen. Die neue Unterkieferposition ist individuell zu bestimmen. Die Vorschubdimension sollte etwa zwei Drittel der maximalen Unterkieferprotrusion (ca. 10 12 mm) betragen. Um den Erfolg abzuschätzen, können Testgeräte aus thermoplastischem Kunststoff hergestellt werden. Mit Hilfe eines Schlaflabors kann der Patient in künstlichen Schlaf versetzt und der Erfolg einer Dauertherapie beurteilt werden. Die Geräte müssen in der Regel lebenslang getragen werden.
Bevor eine solche Therapie ansteht, sollten Zahnärzte und Schlafmediziner gleichermaßen diagnostisch tätig werden. Eine umfassende kieferorthopädische Diagnostik ist durchzuführen. Erst nach gemeinsamer Befunderhebung kann die Indikation für eine intraorale Apparatur, einen chirurgischen Eingriff oder eine dauerhafte nächtliche Beatmung gestellt werden. Letztere wird oft als Goldstandard bezeichnet. In vielen Untersuchungen konnte aber auch die gute Wirkung kieferorthopädischer Apparaturen belegt werden.




