Gesunde Haut und Körperschmuck

Was passiert beim Tätowieren?

99202181.jpg
Was passiert genau beim Tätowierer? Wir erklären es Schritt für Schritt.
Getty Images/Hemera

Bei einer Tätowierung, auch kurz Tattoo genannt, wird Tinte oder andere geeignete Farbstoffe in die zweite Schicht der Haut eingebracht. Dazu wird von einem Tätowierer mit Hilfe einer Tätowiermaschine durch eine oder mehrere in Farbe getauchte Nadeln in die sogenannte Lederhaut gestochen und dabei Motive oder Schriften gezeichnet. Wir erklären jeden Schritt auf dem Weg zu Ihrem neuen Tattoo und wie gesund das für Ihre Haut ist.

Für eine Tätowierung wird die Haut mit speziell geschliffenen Nadelspitzen in der obersten Schicht (Epidermis) durchstochen und gleichzeitig Tinte oder hautverträgliche Farbstoffe in die zweite Schicht, die Lederhaut, eingebracht. Der Einstich darf weder nur oberflächlich noch zu tief erfolgen. Dringt die Farbe nur in die Epidermis ein, löst sich das Tattoo im Zuge der Hauterneuerung auf, da die oberste Hautschicht ständig regeneriert wird und das Tattoo würde mit kleinen Hautschuppen einfach abfallen. Wird zu tief gestochen, blutet die Haut und die Farbe wird mit Blut und Lymphe ausgewaschen. Damit das verhindert wird, stellt der Tätowierer die Einstichtiefe an der Tätowiermaschine genau ein, abgestimmt auf den Hauttyp und die zu tätowierende Körperstelle.

Tut Tätowieren weh?

126451425.jpg
Jeder empfindet das Stechen eines Tatoos anders. Meist wird es aber nicht als schmerzhaft sondern lediglich als unangenehm beschrieben.
Getty Images/Ron Chapple Studios RF

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Durch die minimale Einstichtiefe und die extrem kurze Verweildauer der Nadel in der Hautoberfläche, wird kein Schmerz ausgelöst, der dem eines Nadelstichs beim arzt zur Blutuntersuchung gleich kommt. Auch gibt es keine Körperstellen, die besonders empfindsam für die Tätowiernadel sind. Das Gefühl wird eher als dumpfes Kratzen oder Drücken beschrieben. Allerdings gibt es durchaus stellen, an denen dieses ungewohnte Gefühl als stärker beschreiben wird. Ursache ist meist, dass unter der zu tätowierenden Stelle nur wenig Untergewebe wie Fett oder Muskel liegt.

Ein Tätowieren auf der Kopfhaut oder am Hals ist daher für den Einzelnen gegebenfalls die intensivere Erfahrung, als am Oberarm oder an der Schulter, auf denen die Einstiche nur selten als schmerzhaft beschrieben werden. Auch sind weder Männer noch Frauen als sensibler zu beschreiben: Das Schmerzempfinden hängt von der eigenen Person ab und lässt sich durch Konzentration und wohl auch den starken Wunsch nach einem Tattoo dann auch leichter kontrollieren. Fakt ist aber auch, dass die HAut durch die feinen Einstiche gereizt wird und danach empfindlich und rot ist. Eine konsequente Pflege lässt es aber schnell heilen.

Schmerzhaft darf das Tätowieren nicht sein. Bluten sollte der Vorgang auch nicht, sonst wäre die Nadel zu tief eingedrungen. So kann sogar die Haut über den Blutgefäßen tätowiert werden etwa am Handgelenk wie auch die Lippen, Augenbrauen - oder Narben. Dies nutzen Kosmetiker. Tattoos können sogar im Auge gestochen werden, jedoch sollte dies nur zu medizinischen Zwecken erfolgen etwa um eine Iris wiederherzustellen. Das Einbringen von Farbe in den Aufapfel ist für kosmetische Effekte als zu riskant einzustufen.

Wie funktioniert eine Tätowiermaschine?

126451394.jpg
Moderne Tätowiermaschinen arbeiten mit Magnetspuhle oder Exzenter.
Getty Images/Ron Chapple Studios RF

In Deutschland ist der Gebrauch der elektrischen Tätowiermaschinen die Regel. Hier wird mit Hilfe zweier Spulen ein Magnetfeld erzeugt , das die Tätowiernadel vor- und zurück bewegt. Sie lässt das surrende Geräusch entstehen, das den typischen Klang des Tatoo-Studios ausmacht, so wie Bohrer und Sauger die Geräuschkulisse beim Zahnarzt geben. Eine weitere Variante von Tätowiermaschinen arbeitet mit einem Elektromotor, der eine Auf und Abwärtsbewegung erzeugt, ähnlich einer Stichsäge.

Die Geschwindigkeit und die Frequenz der Nadel ist von der Tätowiermaschine, der Technik undem gewünschten Effekt, beispielsweise Linien oder Schattierungen, abhängig. Sie liegt meist zwischen 800 und 7.500 Bewegungen pro Minute. Die Tinte hält sich durch den Kapillareffekt dennoch an den Nadeln und wird durch die Schnelligkeit der Bewegung ähnlich leicht in die Haut gebracht wie beim Zeichnen mit einem Stift auf Papier. Die Grundtechnik des Tätowierens ist einfach: Die Haut wird mit einer Hand unter Spannung gehalten, die andere Hand führt die Nadel wie einen Stift und zeichnet. Allerdings ist die Haut strukturiert wie eine grobe Leinwand und der Körper selbst keineswegs eben wie ein Blatt. Tätowieren erfordert daher Kunstfertigkeit, Geschick und viel Übung.

So wird ein Tattoo gestochen
1 von 10
  • IMG_0114.jpeg
    1. Motivbesprechung

    Bevor es unter die Nadel geht muss das Motiv genau besprochen sein. Korrekturen sind hinterher nur minimal möglich. Eine exakte Vorlage ist hilfreich. Dazu gibt es in Tattoo-Studios, aber auch im Internet eine Vielzahl an Vorlagen. Aber auch selbst gezeichnete Motive sind möglich, die dann vom Tätowierer überarbeitet werden können.

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0125.jpeg
    2. Hautvorbereitung

    Damit beim späteren Tätowieren keine Hautkeime für Entzündugen sorgen, wird die zu tätowierende Stelle großflächig gesäubert (Cremes, Bodylotion, etc.) und gründlich desinfiziert. Nach der Einwirkzeit wird für den nächsten Schritt nochmals ein Feuchtigkeitsfilm auf die Haut gesprüht.

    (c) Andreas Gill

  • Schablone aufbringen.jpeg
    3. Schablone übertragen

    Der Tätowierer zeichnet das gewünschte Motiv auf ein Transferpapier. Damit werden Proportionen und Details sicher auf die Haut übertragen und das Motiv kann genau positioniert werden. Das Transferpapier haftet auf der angefeuchteten Haut und die Linien übertragen sich von selbst.

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0134.jpeg
    4. Erste Prüfung - gefällt mir?

    Jetzt gibt es den ersten Vorgeschmack auf das Tattoo: Größe und Stelle können jetzt im Stehen und Liegen betrachtet werden. Noch kann alles weggewischt werden - sonst kommt der nächste Schritt...

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0135.jpeg
    5. Tätowiermaschine

    Sieht ein wenig aus wie ein riesiger Kugelschreiber mit Außenbordmotor - die Tätowiermaschine. Der Tätowierer legt eine frische Nadel ein, die je nach Aufgabe eine oder auch mehrere Spitzen haben kann.

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0137.jpeg
    6. Konturen vortätowieren

    Jetzt wird es Ernst: die wichtigsten Hilfslinien werden vortätowiert. Wischt der Tätowierer überschüssige Tinte von der Haut, so verschwinden auch die Hilfslinien des Transferpapiers. Die tätowierten Konturen bleiben erhalten.

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0147.jpeg
    7. Zeichnen und Füllen

    Stück für Stück arbeitet sich der Tätowierer durch das Motiv: Umrandung, Füllung, Details. Immer wieder wird dabei die Nadel in die Spezialtinte getaucht.

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0151.jpeg
    8. Der Künstler bei der Arbeit

    Je nach Motiv kann eine Sitzung zwischen einer halben Stunde und mehreren Stunden am Stück dauern. Für komplexe Motive sind mehrere Termine notwendig, die in der Regel in einem Abstand von vier Wochen gewählt werden, damit die Haut Zeit zum Heilen hat.

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0148.jpeg
    9. Das fertige Motiv

    Unser Motiv - der Skorpion in Sternzeichenschrift - war in einer guten halben Stunde gestochen. Die Haut ist noch gereizt, aber die aufgetragenen Heilsalbe hilft bei der Regeneration.

    (c) Andreas Gill

  • IMG_0160.jpeg
    10. Heilungsprozess

    Hier der Tag danach: Zwischen zwei und vier Wochen sollten Sie für die Heilung einkalkulieren. In dieser Zeit braucht die Haut noch viel Pflege, Sonnenschutz und Polster gegen Druck und Abrieb.

    (c) Andreas Gill

Autor: Andreas Gill / Lifeline
Letzte Aktualisierung: 11. Januar 2013

Fragen zum Thema
Hören Sie zu - reden Sie mit

Durchstöbern Sie nach Stichworten die Beiträge der Lifeline-Mitglieder. Oder stellen Sie selbst eine Frage an Experten oder andere Nutzer.

Mehr Artikel zu Krankheiten

Wechseljahre - die ersten Anzeichen
Beschwerden und Symptome

Wechseljahre - die ersten Anzeichen

Anfang 40 zeigen sich bei den meisten Frauen erste Symptome der Wechseljahre. Bei unregelmäßigen Blutungen und Schlafstörungen glauben viele nur an Stress. mehr...

Unterzuckerung erkennen
Richtig reagieren, wenn es drauf ankommt

Unterzuckerung erkennen

Die meisten Diabetiker fürchten einen Unterzucker, fachsprachlich Hypoglykämie bezeichnet. Denn er geht mit Schwäche, Schweißausbruch, Verwirrtheit und manchmal auch Krampfanfällen einher, kann aber auch... mehr...

Entzündungen der Scheide
Antibiotika und Pilzmittel können helfen

Entzündungen der Scheide

Die meisten Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Scheidenentzündung. Erfahren Sie hier mehr über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie von Kolpitis und Vaginitis mehr...

Lifeline-Fan auf Facebook werden


Newsletter-Leser wissen mehr

Mit dem kostenlosen Lifeline-Newsletter sind Sie immer auf dem aktuellen Stand.

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang