Asthma

Alles nur eine Frage des Charakters?

Wie eine Asthmaerkrankung verläuft und welche Behandlungsstrategie erforderlich ist, ist nicht zuletzt abhängig davon, welche individuellen (Krankheits-) Merkmale vorliegen. Wissenschaftler teilen Asthma-Erkrankungen daher in verschiedene Phänotypen ein. Dabei scheinen auch spezielle Charaktereigenschaften des Patienten von Bedeutung zu sein. Eine Studie soll mehr Aufschluss bringen.

Asthma-Phänotypen sind nicht nur durch die auftretenden Symptome definiert. Der derzeitige Präsident der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) Jan Lötvall aus Göteborg, Schweden, ist davon überzeugt, dass hinter den verschiedenen Gesichtern des Asthmas auch verschiedene Krankheitsmechanismen stecken. Die unterschiedlichen Aspekte der Asthma-Phänotypen beeinflussen sich zudem gegenseitig und können sich im Laufe der Erkrankung verändern. Dennoch werden bisher gemäß Leitlinien alle Asthma-Patienten nach einem einheitlichen Stufenschema behandelt. Ein Grund dafür: Es besteht noch reichlich Forschungsbedarf. Schon über die Häufigkeit der verschiedenen Asthma-Phänotypen ist bisher wenig bekannt.

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Lötvall wird nun im Rahmen des GA2LEN-Netzwerks, einem Zusammenschluss der führenden Allergie-Zentren Europas, 1.643 Patienten mit Asthma bronchiale im Vergleich zu Kontrollpersonen hinsichtlich der Häufigkeit verschiedener Phänotypen untersuchen. Dabei werden auch biologische Merkmale (Biomarker) und genetische Faktoren einbezogen. Das soll Aufschluss geben über abgrenzbare Krankheitsmechanismen, die möglicherweise zukünftig auch zu unterschiedlichen Behandlungsansätzen führen könnten.

Aber auch die Persönlichkeit bestimmt den Asthma-Phänotyp mit, zum Beispiel über den Einfluss von Charakter-Merkmalen auf die Therapietreue, erklärte Lötvall. Todesfälle durch Asthma sind zu 63 Prozent und damit besonders häufig mit einer schlechten Therapietreue verbunden - und somit noch stärker als mit Faktoren wie Rauchen (46 Prozent), Krankheitsleugnung (37 Prozent), Depression oder Alkoholmissbrauch (jeweils 20 Prozent). Beispielsweise erhöhen psychische Störungen die Wahrscheinlichkeit für ein mangelndes Therapieansprechen um das 11-Fache. Patienten mit Charaktereigenschaften wie skeptischer, abwehrender Haltung, hoher Impulsivität, Zurückhaltung und Gefühlsarmut hätten in Studien eine schlechtere Therapietreue gezeigt als verbindliche, offene Typen, die weniger impulsiv, aber lebensfroh veranlagt und sozial eingebunden sind, berichtete Lötvall.

Der Experte sieht daher für eine individualisierte Therapie des Asthmas in Zukunft die Notwendigkeit, auch Persönlichkeitsmerkmale zu erheben und mit in die Therapieplanung einzubeziehen.


Quelle: Allergo Journal, Oktober 2009Nach Informationen von J. Lötvall: „Phenotyping asthma – from biology to personality“, Kongressberichterstattung 4. Gemeinsamer Deutscher Allergie-Kongress, Berlin 2009
Autor: fk
Stand: Jan 4, 2010


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