Impfung

Grippe: Asthmatiker sollten geimpft werden

Der Sommer geht - Regen und Kälte kündigen den Herbst an. Das heißt für Asthmatiker: Mehr Infektionen und damit mehr Asthma-Attacken. Daher wird ihnen vielerorts - so auch in Deutschland - die Grippe-Impfung empfohlen. Doch es gibt Kritiker, die vor einem erhöhten Anfalls-Risiko durch die Impfung warnen. Aktuelle Studien belegen allerdings zunehmend deren Sicherheit.

Impfungen- insbesondere bei Kindern - sind in Deutschland sehr umstritten: Sie werden zum Schutz vor zahlreichen Infektionserkrankungen empfohlen, doch viele Eltern sind skeptisch. Besonders ausgeprägt ist die Unsicherheit natürlich in Fällen, in denen Nutzen und Risiken noch kontrovers diskutiert werden. Das betrifft beispielsweise die Grippe-Impfung bei Asthmatikern.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin empfiehlt sie eindeutig allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens, beispielsweise einer chronischen Lungenerkrankung wie Asthma. Ähnlich sehen es die zuständigen Institutionen anderer Länder, etwa die Centers for Disease Control and Prevention in den USA.

Doch in Deutschland folgen bisher nur wenige Betroffene diesem Ratschlag. So ergab eine bundesweite Querschnittsuntersuchung des RKI zur Situation in der Saison 2003/2004, dass von den Menschen im Alter unter 60 Jahren mit chronischer Erkrankung in den neuen Bundesländern nur 46 Prozent und in den alten Bundesländern sogar nur 18 Prozent geimpft waren.

Aktuelle Untersuchung zum Nutzen der Impfung bei Asthma

Die wichtigste Grundlage für die Empfehlung der Impfung für Asthmatiker sind Beobachtungsstudien, nach denen Grippe-Infektionen das Risiko eines Asthma-Anfalls erhöhen können. Zudem kann eine Grippe-Infektion generell bei Vorliegen einer chronischen Erkrankung komplikationsreicher verlaufen und schlimmstenfalls tödlich enden, weil das Immunsystem zusätzlich geschwächt wird. Kritiker wenden jedoch ein, Studien hätten Hinweise darauf geliefert, dass der Impfstoff womöglich selbst Asthma-Attacken auslöst.

In derart umstrittenen Fällen bedienen sich Wissenschaftler häufig einer besonderen Methode, dem so genannten Review. Darin ermitteln Experten Studien, die zu der entsprechenden Fragestellung veröffentlicht worden sind und werten die relevanten Publikationen gemeinsam aus. Auf diese Weise erhalten sie eine höhere wissenschaftliche Sicherheit (Evidenz) als mit einer einzelnen Untersuchung.

Studien belegen Sicherheit der Grippe-Impfung bei Asthma

In einem solchen, nach besonders strengen wissenschaftlichen Kriterien durchgeführten, so genannten Cochrane-Review hat eine Arbeitsgruppe aus London aktuell Nutzen und Risiko der Grippe-Impfung bei Asthmatikern analysiert.

Nach ihrer Einschätzung ist die Impfung nach dem derzeitigen Wissensstand auch bei der chronischen Lungenerkrankung sicher: In zwei Studien mit insgesamt 2.306 Asthmatikern stieg die Häufigkeit der Anfälle innerhalb von zwei Wochen nach dem Spritzen des üblichen Impfstoffs, der aus abgetöteten Influenza-Viren besteht, nicht signifikant an. Zugleich wiesen die Autoren allerdings auch darauf hin, dass der Nutzen der Spritze für die Betroffenen unklar bleibt. In einer weiteren Studie mit 696 erkrankten Kindern konnte die Impfung die Anzahl der grippebedingten Asthma-Anfälle nämlich nicht signifikant senken.

Kinder sind besonders gefährdet

Parallel räumen Experten jedoch dem Grippeschutz insbesondere bei Kindern einen immer höheren Stellenwert ein. So ermutigte die Amerikanische Fachgesellschaft der Kinderärzte (American Academy of Pediatrics) in der Saison 2002/2003 erstmals sogar zur Impfung von gesunden Kindern im Alter von 6-24 Monaten - und auch bei der STIKO, die bisher nur Risikogruppen im Visier hatte, gibt es inzwischen ähnliche Überlegungen.

Denn die Kinder nehmen bei der Ausbreitung der Grippe-Epidemie eine Sonderstellung ein. Zum einen sind sie stärker betroffen als gemeinhin angenommen: Nach neuesten Daten ist ihre Gefährdung durch Influenza ähnlich hoch wie bei älteren Menschen. So waren beispielsweise von den etwa 24.000 Menschen, die während der Saison 2002/2003 in Deutschland als Folge einer schweren Influenza-Infektion stationär behandelt werden mussten, nach Schätzungen des RKI mindestens 5.000 bis 6.000 Kinder im Alter zwischen 0 und 4 Jahren. Und zum zweiten stehen die Kinder häufig am Anfang der Erkrankungswelle, weil sie die Infektion in ihre Familien tragen. Daher gibt es - bei nachgewiesener Sicherheit der Impfung für Kinder mit Asthma - womöglich mehr Argumente, die bei ihnen für die jährliche Spritze sprechen, als ausschließlich das Vermeiden von Asthma-Anfällen.

Nasale Impfung nicht für Asthmatiker empfohlen

Anders ist die Situation bei neuen Impfstoffen, die nicht gespritzt, sondern durch einen Sprühstoß in die Nase aufgenommen werden. Der erste dieser nasalen Impfstoffe hat 2003 in den USA seine Zulassung erhalten. Da er jedoch - im Gegensatz zu den Spritzen -abgeschwächte, lebende Viren enthält, erfolgte die Zulassung nur für gesunde Menschen. Bei Patienten mit Asthma wird sein Einsatz dementsprechend nicht empfohlen.

Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA begründete dies mit einer großen Studie zur Sicherheit, in der Kinder im Alter unter fünf Jahren entweder den nasalen Impfstoff oder ein Scheinmedikament erhalten hatten. In der Gruppe mit dem "echten" Wirkstoff war innerhalb von 42 Tagen die Häufigkeit der Asthma-Anfälle erhöht.

Mehr Informationen unter www.grippeinfo.de und www.luft-zum-leben.de


Quellen:

Cates CJ, et al: Vaccines for preventing influenza in people with asthma. Cochrane Database Syst Rev. 2004;(2):CD000364. Review.

Influenza-Schutzimpfung: Impfstatus der erwachsenen Bevölkerung Deutschlands. Epidemiologisches Bulletin. 14/2004.

Chronisch kranke Kinder brauchen Influenza-Impfung. Ärzte Zeitung, 15.01.2004

FDA News: First Nasal Mist Flu Vaccine Approved. 17.6.2003.

Jahrespressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), 3. September 2003, Berlin.

First European Influenza Conference, 20.-23. Oktober 2002, Malta.

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Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 2, 2004


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