
Hyposensibilisierung
Impfung manchmal sinnvoll
Die Allergie-Impfung soll die Überempfindlichkeit gegenüber einem Allergen mindern, indem sie den Organismus regelmäßig und niedrig dosiert mit ihm konfrontiert. Das Ziel ist, den Körper so unempfindlich zu machen, dass er nicht mehr mit Allergie-Symptomen reagiert. Doch die Behandlung geht über mehrere Jahre mit regelmäßigem Spritzen einher und birgt zudem Risiken.
Prinzipiell ist für alle allergischen Erkrankungen denkbar, dass eine derartige Impfung - Mediziner nennen sie auch Hyposensibilisierung - wirksam ist. Doch das muss natürlich zunächst für jede einzelne Allergie-Form in Studien umfassend überprüft werden. Auch das Verhältnis von Risiken und Nutzen ist vor einer Hypersensibilisierung zu ermitteln und abzuwägen. Beim Heuschnupfen beispielsweise wird die Allergie-Impfung bereits relativ häufig eingesetzt. Entsprechende Studien, in denen die Impfung erfolgreich war, gibt es schon länger. Außerdem besteht die Chance, durch die Hyposensibilisierung den Etagen-Wechsel von den oberen zu den unteren Atemwegen zu verhindern, das heißt, den Übergang eines Heuschnupfens in ein Asthma.
Noch wird die Impfung beim Asthma selten eingesetzt
Beim Asthma hingegen haben sich die Ärzte bisher mit der Impfung noch zurückgehalten. Hier waren die Studienergebnisse bislang weniger eindeutig. Außerdem sind Bedenken weit verbreitet, durch die Hyposensibilisierung versehentlich und unnötigerweise einen Asthma-Anfall auszulösen und einen Notfall zu riskieren. Aus diesem Grund haben sich im Jahr 2002 renommierte deutsche Lungen- und Allergie-Experten zusammengesetzt und anhand der vorliegenden Studienergebnisse die Bedeutung der Hyposensibilisierung für Asthmatiker diskutiert. Nach ihren Erkenntnissen - Anfang 2003 in der Fachzeitschrift "Deutsche Medizinische Wochenschrift" erschienen - kann die Hyposensibilisierung bei Asthma-Patienten die Symptome mildern und die Überempfindlichkeit der Bronchien bessern. Grundsätzlich gilt allerdings, dass die Erfolgsaussichten einer Hyposensibilisierung sinken, wenn ein Patient auf mehrere Stoffe (Allergene/Noxen) gleichzeitig allergisch reagiert.
Nicht jeder Asthma-Patient kann sich impfen lassen
Die Methode eignet sich nicht für alle Asthmatiker - der Arzt wird dies im Einzelfall entscheiden. So darf das Asthma noch nicht zu weit fortgeschritten sein (Asthma-Schweregrade 1 und 2, gegebenenfalls auch beginnender Grad 3) und auch weitere gesundheitliche Störungen, wie schwer wiegende Begleiterkrankungen, können gegen eine Impfung sprechen. Außerdem ist die konsequente Mitarbeit des Patienten wichtig - immerhin muss er sich über mehrere Jahre hinweg regelmäßig spritzen lassen. Aus diesem Grund wird die Impfung erst ab einem Alter von fünf Jahren empfohlen. Generell gilt allerdings: Je eher, desto besser. Denn Kinder sprechen im Allgemeinen gut auf die Therapie an. Außerdem kann das Asthma fortschreiten, wenn es nicht frühzeitig und konsequent behandelt wird. Es drohen dann weitere Überempfindlichkeiten gegen neue Substanzen - die Anfälle häufen sich und die Symptome werden schlimmer. Diese Entwicklung soll durch eine frühzeitige Impfung aufgehalten werden.
Nach den aktuellen Experten-Empfehlungen bietet sich die Hyposensibilisierung an für Patienten mit allergischem Asthma gegen:
- Insektengift und Pollen
- Milben, sofern ein umfassender Schutz vor Milben nicht ausreicht (Allergen-Karenz, s. auch nicht medikamentöse Therapie)
- Tierhaare von Katzen, in Ausnahmefällen, wenn es nicht ausreicht, ggf. das Haustier abzuschaffen und Kontakt zu Katzen zu meiden (Allergen-Karenz, s. auch nicht medikamentöse Therapie)
- Schimmelpilze, in seltenen Fällen, wenn entsprechende Impfstoffe zur Verfügung stehen
Regelmäßige Spritzen in den Oberarm
Vor der Behandlung muss der Arzt zweifelsfrei klären, dass eine allergische Reaktion vorliegt und auf welche Substanz der Patient allergisch reagiert. Entsprechend wählt er dann den Impfstoff. Die Impfung erfolgt unter die Haut am Oberarm. Der genaue Ablauf kann von Impfstoff zu Impfstoff variieren. Generell beginnt der Arzt mit einer niedrigen Dosis und steigert diese von Mal zu Mal. In der Regel liegen in dieser ersten Phase zwischen zwei Impfungen etwa drei bis sieben Tage. Ist die Maximaldosis erreicht, können die Abstände im Allgemeinen auf bis zu vier Wochen vergrößert werden. Normalerweise dauert die Therapie zwei bis drei Jahre.
Der Arzt muss Erfahrungen mit Allergien und Notfällen haben
In jedem Fall darf die Behandlung nur durch einen Allergologen erfolgen, der Erfahrungen mit der Impfung und mit Notfall-behandlungen hat. Denn bei unfachgemäßer Anwendung und zu hoher Dosierung des Impfstoffes können ein asthmatischer Anfall oder ein anaphylaktischer Schock (lebensgefährlicher Kreislauf-Kollaps) drohen. Aus diesem Grund muss der Patient auch etwa eine halbe Stunde nach der Behandlung in der Praxis unter Beobachtung bleiben. Kinder unter zwölf Jahren sollten von einem Elternteil begleitet werden. Weitere mögliche Nebenwirkungen der Impfung sind unter anderem Wärmegefühle am Oberarm, Reaktionen an der Einstichstelle, Juckreiz der Haut sowie Binde- und Nasenschleimhautentzündungen.
Impfung mit Tropfen noch nicht ausreichend erprobt
Insbesondere für Kinder stellt auch die lokale Hyposensibilisierung, beispielsweise im Form eines Impfstoffes, der unter die Zunge getropft wird (sublingual), eine schonende Alternative dar: Bei der Methode muss der Arzt nicht spritzen. Doch ihre Wirksamkeit wird derzeit noch in Studien untersucht. Daher halten sich die Experten hier noch mit Empfehlungen zurück.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website
www.luft-zum-leben.de in der Rubrik Behandlung / Hyposensibilisierung und unter Der Heuschnupfen ist wieder im Anflug




