kind_fahrrad_helm

Alternative Therapie

Alternativtherapie bei Asthma: Wirkung oft nicht belegt

Dank moderner Therapien können Patienten mit Asthma heutzutage weitgehend beschwerdefrei leben. Dennoch wollen viele Betroffene auch alternative Behandlungen ausprobieren. Nach einer 1998 in der Fachzeitschrift Journal of Asthma veröffentlichten Studie planten in Großbritannien beispielsweise 67% der Asthmatiker, in Zukunft auf diese Methoden zurückzugreifen.

Die Konzepte für alternative Therapien erfreuen sich bei vielen Patienten mit chronischen Erkrankungen wie etwa Asthma wachsender Beliebtheit. Ein wichtiger Grund scheint der Wunsch zu sein, nicht alles dem Arzt zu überlassen, sondern selbst etwas zur Kontrolle seiner Krankheit beitragen zu wollen. Ärzte sind bei der Entscheidung über derartige Therapien also häufig außen vor. Das ist aber besonders dann gefährlich, wenn alternative Therapien nicht ergänzend, sondern anstelle von schulmedizinischen Methoden eingesetzt werden. Ein derartiges Vorgehen sollte immer mit einem Arzt besprochen werden. Doch auch wenn der Patient alternative Behandlungen nur ergänzend einsetzt, sollte der behandelnde Arzt davon wissen, weil beispielsweise Naturheilmittel die Wirkung von Medikamenten beeinflussen können.

Anzeige

Ärzte fordern zunächst wissenschaftliche Studien

Viele Schulmediziner stehen den alternativen Therapien zwar noch immer skeptisch gegenüber, doch aufgrund des massiven Interesses der Patienten beschäftigen sie sich immer mehr mit dem Thema. Viele fordern allerdings, dass sich die Methoden zunächst genauso bewähren müssen, wie konventionelle Therapien. Mit anderen Worten: Jede Methode sollte möglichst in Studien nach etablierten wissenschaftlichen Standards mit einer Scheinbehandlung verglichen werden. Das ist bei einigen Alternativbehandlungen jedoch kaum möglich - so bereitet beispielsweise die Scheinbehandlung bei der Akupunktur Schwierigkeiten. Trotzdem gibt es zunehmend auch zu alternativen Methoden Studien, in denen der Therapieerfolg überprüft wird.

Viele Studien genügen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht

Mediziner von der Universitätsklinik Zürich haben daher alle Studien zur Alternativtherapie bei Asthma mit Hilfe von drei großen elektronischen Datenbanken recherchiert und die Auswertung im Jahr 2002 in der Fachzeitschrift Swiss Medical Weekly veröffentlicht. Wie die Autoren ausführen, hat beim Asthma insbesondere das Interesse an der Nadelakupunktur in den letzten Jahren zugenommen. Entsprechend ihrer Recherche erzielte die Methode in einigen Studien auch positive Ergebnisse, doch die bisher vorliegenden Daten halten die Autoren noch nicht für ausreichend, da sie bei vielen Studien Kritik an der Durchführung haben - so war beispielsweise die Teilnehmerzahl zu gering oder es fehlte die Überprüfung der Lungenfunktion zur Erfolgskontrolle. Ähnliches gilt für Untersuchungen, in denen verschiedene Homöopathika überprüft wurden.

Auch zu Naturheilmitteln (chinesische, indische und andere Mischungen) ist aufgrund mangelnder Daten derzeit keine Empfehlung möglich. Des Weiteren wurde die Ernährungstherapie als alternative Behandlung beim Asthma getestet. Hier ist überwiegend ein positiver Einfluss von frischen Früchten, Fischöl und antioxidativen Vitaminen (z.B. Vitamin C) sowie ein Bronchien erweiternder Effekt von Koffein überprüft worden. Doch wieder sind die vorliegenden Studien unzureichend. Bei Atemtechniken, beispielsweise einer speziellen Yoga-Übung zur kontrollierten Atmung (Pranayama), sieht die Lage anders aus: Hier konnte eine verbesserte Kontrolle der Asthma-Symptome nachgewiesen werden - die Anzahl der Studien und der Studienteilnehmer ist allerdings gering, sodass die Autoren noch keine abschließende Empfehlung aussprechen wollten. Ähnliches gilt für Entspannungstechniken, wie progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training oder Biofeedback.

Einige Alternativmethoden werden bereits häufig angewandt

Bei dieser Auswertung ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Schweizer Mediziner sehr strenge wissenschaftliche Kriterien angelegt haben. Sie selbst heben hervor, ihre Ergebnisse würden nicht die Unwirksamkeit der Methoden belegen, die Effektivität sei in vielen Fällen einfach noch nicht ausreichend überprüft. Das spiegelt sich auch im Alltag von Asthma-Patienten wider: Hier haben inzwischen neben der medikamentösen Therapie (s. auch Asthma Medikamente) einige Alternativmethoden ihren festen Platz gefunden. Dazu zählen spezielle Atem- und Entspannungstechniken, die heute von Ärzten als ergänzende Behandlungsmethoden empfohlen werden (s. auch nicht medikamentöse Therapie).

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website www.luft-zum-leben.de in der Rubrik Behandlung / Alternative Therapien.


Autor: Springer Medizin
Stand: May 22, 2003


Sie lesen gerade:

Alternativtherapie bei Asthma: Wirkung oft nicht belegt

Seite empfehlen:
A A A
Anzeige

Atemwegsgesundheit

frau_gymnastik

Gesunder Urlaub

Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Allergiker, Asthmatiker und Patienten mit COPD können von einem Gesundheitsurlaub sehr profitieren.

Special Gesunder Urlaub

Lexikon

offenes_buch

von Allergie bis Vital-
kapazität

Hier werden Begriffe wie z.B. Allergen, Lungenfunktion oder Respiration einfach erklärt.

mehr

Selbsthilfe

Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.

Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.

Die Patientenliga Atemwegserkrankungen e.V.,
die 1985 gegründet wurde, ist ein gemeinnütziger Verein, der Erwachsenen mit einer chronisch obstruktiven (einengenden) Atemwegserkrankung Hilfe zur Selbsthilfe bietet. mehr

Zur Selbsthilfe-Übersicht