Sport
Mit Asthma gemeinsam eine Armlänge voraus
Vor genau 100 Jahren sprach der Kinderarzt Clemens von Pirquet erstmals von „Allergie”. Heute engagieren sich immer mehr Patienten, Ärzte und Forscher gemeinsam für ein unbeschwertes Leben mit Allergie und Asthma.
Sandra Völker spricht auf dem Fachkongress „100 Jahre Allergie” in Berlin
Sie spürte einen Kloß im Hals und wusste nicht was los war. Die Luft wurde knapp und dann beschlich sie ein mulmiges Gefühl. Der Besuch beim Lungenfacharzt brachte die Gewissheit: Sandra Völker hat Asthma. Als mehrfache Schwimm-Weltmeisterin wollte sie es zunächst nicht wahrhaben: „Ich doch nicht, als Schwimmerin!?”
Auf dem Fachkongress „100 Jahre Allergie” am ersten April in Berlin sprach Sandra Völker ganz offen über die ersten Tage nach der Diagnose, die mittlerweile fast sechs Jahre zurückliegt. „Ich dachte, wenn ich Asthma habe, dann kann ich einpacken!”. Es hat einige Tage mit vielen Aufklärungsgesprächen gedauert, bis sie damals zu dem Schluss gekommen ist, dass eine sportliche Karriere keineswegs vorbei sein muss. Heute beweisen viele Spitzensportler, wie Anni Friesinger oder Jan Ullrich, aber auch Promis wie Ronan Keating oder Billy Joel, dass man mit Asthma viel erreichen kann.
Den Kindern Mut machen
Sandra Völker ging in ihren Bemühungen, dem Asthma seinen Schrecken zu nehmen noch einen Schritt weiter. Sie gründete die Sandra-Völker-Stiftung, die in diesem Jahr ihr fünfjähriges Jubiläum feiert und sich insbesondere für die kleinen Asthmatiker engagiert. Dabei steht die Veranstaltung von Ausbildungscamps für Kinder im Vordergrund. Hier wird den Kleinen geholfen, besser mit ihrer Krankheit umzugehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Aufklärung des nahen Umfelds, wie Familien, Freunde aber auch Lehrer. Sandra Völker hat selbst erfahren, wie wichtig Teamarbeit bei Asthma ist. Die Unterstützung durch Familie, Freunde und Ärzte hilft, mit der Krankheit zurecht zu kommen und macht Mut, sich wieder in die Fluten des Lebens zu stürzen.
Gemeinsam mehr erreichen
Auch Professor Dr. Zuberbier ist davon überzeugt, dass man gemeinsam mehr erreichen kann. Als Generalsekretär des europäischen Allergie- und Asthma-Netzwerkes, GA2LEN, engagiert er sich für die europaweite Zusammenarbeit im Bereich der Allergie- und Asthma-Forschung. In diesem Exzellenz-Netzwerk arbeiten 25 der führenden Universitätskliniken von Europa, der europäische Berufsverband der Allergologen (EAACI) aber auch die europäische Vereinigung der Patientenorganisationen (EFA) zusammen. Das Netzwerk hat sich die schwierige Aufgabe gestellt, europäische Standards sowohl in der Forschung als auch in der Betreuung allergischer Patienten zu erarbeiten. Und hier besteht laut Prof. Dr. Zuberbier in der Tat Nachholbedarf. „Sie fahren durch Europa und finden überall eine andere Steckdose. Das ist in der Medizin nicht anders!” Dabei stößt der gute Wille nicht immer auf Gegenliebe: „Wissen abzugeben, was man sich in jahrelanger Forschung erarbeitet hat, da muss man sich als Forscher erst mal einen Ruck geben.” Aber das Netzwerk ist auf einem guten Weg und es setzt sich immer mehr der Gedanke durch, dass man gemeinsam einfach mehr erreichen kann.



