
Asthma beim Kind
Allergien vorbeugen kann Asthma vermeiden
Etwa 8 Prozent der deutschen Schulkinder leiden unter Asthma. Meist hatten diese Kinder schon vor ihrer Asthmaerkrankung allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen. Diese Entwicklung wird häufig als "allergischer Marsch" bezeichnet: Bleibt nämlich der Heuschnupfen unbehandelt, können die Beschwerden eine Etage tiefer rutschen und zu chronischem Asthma führen. Die beste Asthmavorsorge ist also der Vermeidung von Allergien.
Ärzte diskutieren zwei verschiedene Ansätze, wie man Kinder vor Allergien und Asthma schützen kann. Die eine Strategie setzt darauf, Kinder von möglichen allergieauslösenden Stoffen (Allergene) fernzuhalten. Für Risikokinder sollten demnach beispielsweise Haustiere tabu sein und die Hausstaubmilbenbelastung in der Wohnung minimiert werden.
Die andere Strategie setzt genau auf das Gegenteil: Kinder sollten bewusst bestimmten Substanzen von Bakterien, Viren oder Pilzen ausgesetzt werden, die eine Reaktion des menschlichen Immunsystems hervorrufen können (Antigene). Der Kontakt mit diesen Antigenen könnte die Entstehung von Allergien verhindern, so die Forscher.
Zu viel Hygiene unterfordert das Immunsystem
Ein erhöhter Hygienestandart nimmt dem Immunsystem nach Ansicht von Experten die Möglichkeit, seine Abwehrreaktionen gezielt auszuüben. Stattdessen reagiert es allzu oft auf harmlose Stoffe. "Die Hygiene-Hypothese basiert auf der Beobachtung, dass die Allergieneigung in Industrieländern größer ist als in Ländern, wo die Infektionsraten höher sind", so Allergie-Experte Dr. Eckhard Hamelmann vom Universitätskrankenhaus Charité in Berlin. Für Industrieländer sei zudem belegt, dass Kinder, die früher in den Kindergarten kommen und die viele Geschwister haben, seltener Allergien entwickeln. Die Lösung des Problems liegt nun aber nicht unbedingt darin, den Hygienestandard deutlich zu reduzieren. Vielmehr sind die Forscher auf der Suche nach Erregern oder besser Bestandteilen davon, die das Immunsystem stimulieren und dadurch vor Allergien schützen können.
Neue Wege in der Asthmaprävention
Drei Organismen stehen dabei momentan im Mittelpunkt des Interesses. Japanische Forscher konnten beispielsweise im Tierversuch zeigen, dass Tuberkulose-Infektionen das Allergierisiko reduzieren können. Verantwortlich scheint das Tuberkuloseantigen BCG zu sein. Auf den zweiten Kandidaten - den Spulwurm - wurden die Forscher nach der Widervereinigung aufmerksam. Sie fanden bei Kindern in den neuen Bundesländern sehr häufig Antikörper gegen Spulwürmer, was auf eine Infektion mit diesen Parasiten hindeutete. Es wurde ein Zusammenhang zwischen dem Befall mit Spülwürmern und der im Vergleich zu den alten Bundesländern deutlich niedrigeren Allergiehäufigkeit hergestellt.
Als aussichtsreichster Kandidat gilt aber derzeit das Endotoxin aus der Zellwand von gramnegativen Bakterien. Auf die Spur dieser Substanz kamen die Forscher, als sie untersuchten, warum Kinder, die auf bayerischen Bauernhöfen aufgewachsen sind, seltener unter Allergien leiden. Sie fanden Spuren dieses Endotoxins häufig in den Betten.
An der Charité läuft derzeit eine Studie, in der ca. 500 allergiegefährdete Kinder in den ersten Monaten nach der Geburt endotoxinhaltige Tropfen erhalten. Ob diese Strategie die Kinder wirklich vor Allergien und Asthma schützt, kann jedoch erst in einigen Jahren gesagt werden.
BSMO, 25.08.05
Quelle: Nach Informationen der Ärzte Zeitung und der Humboldt-Universität Berlin
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