
Tipps für Eltern
Asthma: Wenn Kinder in Not geraten ...
Bei Kindern können - ebenso wie bei betroffenen Erwachsenen - akute Asthmaattacken auch dann auftreten, wenn sie ihre Therapie wie vom Arzt empfohlen anwenden. Daher sollten sowohl die erkrankten Kinder als auch ihre Eltern und andere nahestehende Personen auf den möglichen Anfall gut vorbereitet sein. Denn er kündigt sich an und muss schnell behandelt werden.
Es ist eine Horrorvorstellung für alle, die mit Kindern zu tun haben: Ein Junge oder ein Mädchen erleidet Atemnot - womöglich in einer ungünstigen Situation, beispielsweise nachts - und man steht als Erwachsener davor, ohne genau zu wissen, wie man am besten helfen kann. Beide werden panisch, die Situation spitzt sich zu, die Atemnot wird größer - und das Ganze geschieht innerhalb von wenigen Minuten...
Mit einer solchen Situation muss bei Kindern mit Asthma selbst bei einer optimalen Therapie immer gerechnet werden. Daher sollten alle Erwachsene, die häufiger mit dem kleinen Patienten zu tun haben, hierauf vorbereitet sein. Dazu gehören natürlich die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, aber auch Lehrer in der Schule, der Babysitter, Erzieher oder Eltern eines Freundes bzw. einer Freundin, bei denen das Kind zu Besuch ist. Denn zum einen gibt es Hinweise auf einen akuten Anfall und zum anderen kann das richtige Handeln schwerwiegende Folgen verhindern.
Wann steigt die Gefahr einer akuten Attacke?
So lässt sich beispielsweise das Peak-flow-Gerät nicht nur zur Therapieanpassung, sondern auch als Frühwarnsystem nutzen: Sinken die Werte über mehrere Tag ab, bessern sie sich nur unzureichend nach der Anwendung eines bronchialerweiternden Medikamentes oder schwanken sie ungewöhnlich, kann eine Attacke bevorstehen. Außerdem erhöhen ein Schnupfen oder eine Erkältung das Risiko, dass es innerhalb weniger Tage zu Atembeschwerden kommt. Zu den weiteren Warnhinweisen gehören nächtlicher Husten, ein gestörter Schlaf und gemindertes Allgemeinbefinden, eine verstärkte Neigung zu schwitzen sowie Atembeschwerden beim Sport, etwa Rasseln, Engegefühl oder Schmerzen im Brustbereich. Treten derartige Warnhinweise auf, ist - nach Rücksprache mit dem Arzt - ein Beginn oder eine Intensivierung der Therapie erforderlich.
Woran erkennt man eine akute Attacke?
Die akute Attacke geht bei Kindern mit typischen Zeichen einher: Die Atmung ist schneller und von typischen Geräuschen (Giemen, Pfeifen, Rasseln) begleitet. Der Effekt eines bronchialerweiternden Sprays mit Sofortwirkung (Beta-Mimetikum) hält weniger als zwei bis vier Stunden an. Das Kind ist ängstlich und vermeidet körperliche Belastung. Seine Muskulatur zwischen und unter den Rippen kann eingezogen sowie der Brustkorb überbläht sein. In diesem Fall sollte die Therapie intensiviert und ein Arzt aufgesucht werden.
Sind die Zeichen ausgeprägter, ist unverzüglich ein Arzt zu konsultieren. Das gilt beispielsweise, wenn das Kind deutliche Schwierigkeiten beim Ausatmen hat und zu kurzatmig ist, um zu laufen oder zu sprechen. Auch eine schnelle, angestrengte Atmung, ein stark angehobener Brustkorb, ein deutlich beschleunigter Herzschlag, Angst und eine bläuliche Lippenfarbe weisen auf den Ernst der Lage hin.
Steigern sich die Symptome weiter, besteht ein Notfall, bei dem das Kind so schnell wie möglich in ein Krankenhaus muss. Typischerweise sind dann sein Brustkorb stark gebläht oder kaum beweglich, seine Lippen oder Finger blau gefärbt und seine Blutgefäße im Halsbereich stark gefüllt.
Was tun, bei einer akuten Attacke?
Um im Krisenfall richtig und schnell handeln zu können, ist es sinnvoll, derartige Situationen vorab in Ruhe mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Zudem sollte man die Adresse und Telefonnummer des Kinderarztes oder von Spezialsprechstunden an Kliniken griffbereit haben. Erkundigen Sie sich auch nach Ansprechpartnern, die Sie im Notfall auch am Wochenende oder an Feiertagen rufen können.
Tritt ein akuter Anfall auf, ist das erste Mittel der ein bronchialerweiterndes Medikament mit Sofortwirkung zum Inhalieren (Beta-Mimetikum). Hinzu kommt eine kontrollierte Atemtechnik, um die Atemnot zu reduzieren, wie die Lippenbremse und der Kutschersitz. Tritt nach diesen Maßnahmen eine Besserung ein, kann die Therapie wie üblich fortgeführt werden. Gleichzeitig sollte der Arzt zumindest telefonisch von dem Anfall erfahren.
Sprechen das Beta-Mimetikum und die Atemtechnik nicht schnell an, sollte das Kind die Inhalation ggf. fortführen und zusätzlich ein Kortikosteroid als Tablette oder Zäpfchen erhalten. Außerdem muss unverzüglich ein Arzt oder eine Klinik aufgesucht werden - da der Notdienst häufig überlastet und mit kindlichem Asthma teilweise überfordert ist, kann es von Vorteil sein, das Kommen telefonisch anzukündigen und selbst zu fahren.
Welche weiteren Maßnahmen sind sinnvoll?
Auf eine akute Attacke sollten nicht nur nahestehende Erwachsene, sondern auch das erkrankte Kind selbst vorbereitet sein. Zum einen kann es sich auf diese Weise mit zunehmendem Alter besser auch alleine helfen und zum anderen trägt das Wissen über die Erkrankung dazu bei, mit Krisensituationen besser umgehen und den Teufelskreis aus Angst und Atemnot durchbrechen zu können. Hintergründe zur Erkrankung und zum richtigen Umgang mit ihr erfahren die kleinen Patienten in speziellen, altersgerechten Schulungen, die bundesweit in vielen Orten angeboten werden.
Damit auch die Betreuer über die Erkrankung des Kindes informiert werden und wissen, was im Notfall zu tun ist, kann es hilfreich sein, die wichtigsten Informationen aufzuschreiben. Sie können z.B. den Arzt bitten, einen Brief für Lehrer, Erzieher und/oder Betreuer aufzusetzen, in dem auf die Erkrankung des Kindes und den richtigen Umgang mit ihr hingewiesen wird. Er sollte den Hinweis darauf, dass das Kind unter bestimmten Bedingungen durchaus Sport betreiben sollte, ebenso enthalten wie Anweisungen für den Notfall (Anzeichen, Allergien, notwendige Dauer- sowie Akut-Medikation, ärztlicher Ansprechpartner.)




