Tiere
Erhöhen Haustiere das Allergie-Risiko?
Viele Kinder lieben sie und zu Weihnachten werden sie auf viele Wunschzetteln stehen: Haustiere. Die vierbeinigen Spielkameraden eignen sich zum Kuscheln und Toben, zudem haben sie immer Zeit. Doch die Meinung der Experten gehen auseinander. Die einen loben positive Effekte auf das Sozialverhalten der Kinder, die anderen warnen besonders bei Katzen vor Gesundheitsrisiken.
Immer mehr Kinder entwickeln Allergien oder Asthma und bisher ging man davon aus, dass Katzen im Haushalt das Risiko dieser Erkrankungen erhöhen. Daher haben viele Experten insbesondere bei familiär vorbelasteten Kindern von Haustieren abgeraten. Doch die Studienergebnisse sind teilweise widersprüchlich.
Haustiere können Allergien auslösen...
So gilt nach Angaben der beiden deutschen Fachgesellschaften für Allergologie ÄDA und DGAI als gesichert, dass Kinder mit Überreaktionen auf Katzenhaare in jungen Jahren ein erhöhtes Risiko haben, später an Asthma zu erkranken. Und diese Sensibilisierung kann durch eine Katze im Haushalt hervorgerufen werden - muss es aber wohl nicht. Denn eine im Jahre 2002 veröffentlichte Studie zeigte, dass Kinder, die mit mehreren Katzen oder Hunden aufwachsen, ein geringeres Asthma-Risiko haben als Kinder, die diese Haustiere nicht besitzen.
...aber auch vor Allergien schützen
Doch wie passt das zusammen? Die Forscher erklären dieses Paradoxon mit zwei Hypothesen.
Zum einen könnte die "behütete", "keimfreie" Umgebung, in der viele Kinder in Industrienationen aufwachsen, zu einer Unterforderung ihres Abwehrsystems führen. Daher reagiert es plötzlich auf Stoffe, die eigentlich nicht als fremd erkannt werden sollen - beispielsweise Katzenhaare. Unter diesen Bedingungen löst eine Katze also möglicherweise eine Allergie aus. Das könnte aber gleichzeitig bedeuten, dass das Abwehrsystem bei Kontakt mit vielen Tieren und potenziell gesundheitsschädlichen Stoffen oder Mikroorganismen, etwa auf dem Bauernhof, ausreichend beschäftigt und deshalb vor dem Auftreten von Allergien geschützt ist.
Nach der zweiten Hypothese gewöhnt sich das Abwehrsystem möglicherweise bei Kontakt mit zu vielen Tieren einfach an die Allergene - ähnlich wie bei der Hyposensibilisierung bzw. der "Spritze gegen die Allergie" entwickelt sich eine Toleranz.
Hund oder Katze: Was ist riskanter?
Unklar ist auch, wie hoch das Allergie-Risiko bei den verschiedenen Haustieren ist. Am bekanntesten und am weitesten verbreitet sind Allergien gegen Katzenhaare. So wurde auf dem Kongress der American Thoracic Society beispielsweise eine Studie vorgestellt, in der von mehr als 800 Erwachsenen mit Asthma etwa 70% allergisch auf Katzenhaare reagierten. Aber - und das ist erstaunlich - bei den knapp 40% der Erkrankten, die eine Allergie gegen Hundehaare hatten, waren die Asthma-Symptome deutlich stärker ausgeprägt. Mit anderen Worten: Eine Hundehaar-Allergie scheint zwar seltener zu sein, aber schwerer zu verlaufen.
Manchmal muss das Haustier abgegeben werden
Hat sich tatsächlich eine Tierhaar-Allergie entwickelt, so empfiehlt der Präsident der DGAI Prof. Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, das entsprechende Allergen zu meiden. Reagiert der Patient auf sein Haustier, kann das zunächst sukzessive versucht werden - zum Beispiel durch Verbannung des Tieres aus dem Schlafzimmer. Doch spätestens wenn sich die Symptome trotz antiallergischer Therapie verschlechtern, sollte es abgegeben werden.
Allergiefreie Katze unterm Weihnachtsbaum
Steht die Entscheidung über ein Haustier noch bevor, sollte das Allergie-Risiko - trotz der widersprüchlichen Studienergebnisse - zumindest berücksichtigt werden. Ist das Kind bereits an einer Allergie erkrankt oder hat es eine familiäre Vorbelastung, empfiehlt sich vor dem Kauf die Konsultation eines Arztes.
Hoffnung verspricht allerdings die US-Firma Allerca: Sie hat nach eigenen Angaben mit Hilfe von Gentechnik eine "allergenfreie" Katze entwickelt. Die Tiere produzieren in ihrem
Speichel bestimmte Eiweiße nicht, die bei der Körperpflege im Fell zurückbleiben und als Verursacher für die Allergien gelten. Wie die Ärzte Zeitung berichtet, verkauft Allerca die Katzen zum Preis von 3.500 US-Dollar ab spätestens 2007.
Quellen:
Pressemitteilung des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI), 29. Januar 2004.
Ärzte Zeitung, 28. Oktober 2004.



