Ursachen
Die genauen Ursachen sind noch immer nicht geklärt
Die Symptome der Alzheimer-Erkrankung entstehen durch eine verminderte Funktionsfähigkeit und den Untergang von Nervenzellen. Obwohl auf diesem Gebiet mit Hochdruck geforscht wird, sind die Gründe für diese Vorgänge noch immer unbekannt.
Alzheimer-Patienten weisen eine Reihe typischer Veränderungen in ihrem Gehirngewebe auf. An erster Stelle ist dabei der Verlust von Nervenzellen zu nennen, der je nach Krankheitsstadium bis zu einem Fünftel aller Zellen betragen kann. Zusätzlich ist der Signalaustausch zwischen den verbliebenen Nervenzellen gestört. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der Mangel des Botenstoffs Acetylcholin, der bei der Signalübermittlung zwischen bestimmten Nervenzellen ausgetauscht wird. Beide Effekte zusammen, Zelluntergang und gestörte Funktion, führen zu dem typischen Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, der bei Alzheimer zu beobachten ist. Unklar ist, warum die Nervenzellen absterben bzw. ihre Funktionsfähigkeit verlieren.
Bereits Alois Alzheimer, der Entdecker der Krankheit, beobachtete Ablagerungen von Eiweißstoffen im Gehirngewebe. Diese Eiweißablagerungen sind seither intensiv untersucht worden. Gefunden wurden dabei Eiweißfäden, sogenannte „Tangles", die sich innerhalb der Zellen bilden, und Eiweißklumpen, sogenannte „Plaques", die zwischen den Zellen entstehen.
Die Erkenntnisse zu den Ablagerungen sind widersprüchlich. Zwar treten sie bei allen Alzheimer-Patienten auf, doch gibt es auch Menschen, die trotz beträchtlicher Ablagerungen nicht an Alzheimer erkranken. Auch ist nur in wenigen Fällen geklärt, warum es zu den Ablagerungen kommt. So gibt es eine erbliche Veranlagung, die zur Bildung von Eiweißablagerungen beiträgt. Betroffen sind davon jedoch weniger als fünf Prozent aller Alzheimer-Patienten.Eine interessante Beobachtung ist, dass es im Umfeld der Ablagerungen oft zu Entzündungen kommt, mit denen sich der Körper gegen das Eiweiß zu wehren versucht. Entzündungsvorgänge können unter bestimmten Umständen auch körpereigenes Gewebe schädigen. Untersuchungen konnten bereits einen günstigen Einfluss von entzündungshemmenden Medikamenten auf den Verlauf von Alzheimer nachweisen, so können nichtsteroidale Antirheumatika das Erkrankungsrisiko und möglicherweise den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Hier sind aber noch weitergehende Studien erforderlich.
Ein neuer Versuch, die Krankheitsentstehung zu erklären, betrachtet die Eiweißablagerungen als Folge, nicht jedoch als Ursache der eigentlichen Störung bei Alzheimer. In der Regel teilen sich Nervenzellen nach Abschluss der Gehirnentwicklung nicht mehr. Um neue Information speichern zu können, verändern sie jedoch ständig die Zahl und Verteilung ihrer Zellfortsätze, über die sie Signale mit benachbarten Zellen austauschen. Bekannt ist, dass diese Umbauvorgänge durch die gleichen Mechanismen gesteuert werden, die auch an der Teilung von Zellen beteiligt sind. Kommt es beim Umbau einer Nervenzelle zu einer Fehlsteuerung, so die Annahme der neuen Theorie, könnte in Nervenzellen versehentlich der Zellteilungsprozess angestoßen werden. Da die Teilung von Nervenzellen jedoch durch zahlreiche Schutzmechanismen unterdrückt wird, komme es zu widersprüchlichen Signalen an die Zellen, in deren Folge sie abstürben. Die Alzheimer-typischen Eiweißablagerungen sollen eine Begleiterscheinung dieses Prozesses sein. Die Richtigkeit dieser Theorie ist bisher jedoch nicht bewiesen worden.
Welche Risikofaktoren tragen zur Entstehung von Alzheimer bei?
Eine Reihe von Faktoren fördert die Entstehung von Alzheimer. Betroffene mit Diabetes, erhöhtem Blutdruck, Übergewicht, hohem Cholesterinspiegel, hohem Homocysteinspiegel haben ein erhöhtes Risiko für Alzheimer Demenz. Rauchen und Alkoholmissbrauch gelten ebenfalls als Risikofaktoren. Frauen mit niedrigem Östrogenspiegel haben gleichfalls ein erhöhtes Risiko für Alzheimer. Der bei Weitem wichtigste Risikofaktor ist ein hohes Lebensalter. Darüber hinaus erhöhen auch schwere Kopfverletzungen die Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben an Alzheimer zu erkranken. In einigen Familien trifft Alzheimer zudem gehäuft auf, allerdings sind insgesamt gesehen vermutlich nur bis zu fünf Prozent der Alzheimer-Erkrankungen auf Vererbung zurückzuführen.
Vorbeugung ist möglich
Einige Maßnahmen, die vor allen Formen der Demenz schützen, sind auch zur Vorbeugung von Alzheimer wirksam.
So kann regelmäßige geistige Aktivität das Risiko für Demenzerkrankungen um etwa ein Drittel verringern. In gleichem Maß ist auch körperliche Aktivität ein Schutzfaktor. In beiden Fällen gilt, dass vor allem die Kontinuität, die Abwechslung und der emotional aktivierende Charakter der Tätigkeiten wichtig sind. Eine gesunde Lebensführung mit regelmäßigen Untersuchungen des Blutzuckers und Cholesterinspiegels kann beispielsweise das Risiko verringern.
Zur Vorbeugung mit Medikamenten, etwa bestimmten Vitaminen wie Vitamin B12 oder zur Behandlung mit Hormonen, liegen widersprüchliche Erkenntnisse vor. Sie wird deshalb gegenwärtig nicht empfohlen.
Informationen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft
Zsuzsanna Nagy: The last neuronal division: a unifying hypothesis for the pathogenesis of Alzheimer's disease; J. Cell. Mol. Med. Vol 9, No 3, 2005 pp. 531-541.
Dr. Gunter Freese: Hinweise mehren sich - Schützt Vitamin B12 vor Alzheimer? Springermedizin.de vom 18.10.2010; URL: http://www.springermedizin.de/schuetzt-vitamin-b12-vor-alzheimer/291924.html (Download vom 15.11.2010)
E. Richartz-Salzburger et al.: Vorzeitige Immunalterung: ein pathogenetischer Faktor bei Alzheimer-Demenz? Nervenarzt 2010 • 81:837–843, Springer Medizin Verlag 2010



