Familie, vor der Haustüre stehend

Tipps für Angehörige

Geduld, Gelassenheit und auch mal an sich selber denken

Die Pflege eines Alzheimer-Patienten ist verantwortungsvoll und anstrengend. Bestimmte Verhaltensweisen können das Zusammenleben jedoch einfacher machen sowie Konflikte und Belastungen verringern. Pflegende Angehörige bedürfen selbst der Unterstützung. Sie sollten keine Scheu haben, Hilfe zu suchen und anzunehmen.

Durch die Alzheimer-Krankheit verschlechtern sich bei den Betroffenen das Gedächtnis, das Denkvermögen und die praktischen Fertigkeiten. Dieser Prozess ist nicht umkehrbar und nur vorübergehend aufzuhalten. Er hat weit reichende Konsequenzen für das Zusammenleben mit den Betroffenen. So ist man z.B. normalerweise daran gewöhnt, dass eine Wiederholung von Anweisungen oder Abläufen zu einem Lerneffekt führt. Dieser tritt bei Alzheimer-Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung nicht mehr auf. Es ist schwer, sich von gewohnten Erwartungen frei zu machen. Dennoch können viele Frustrationen und fruchtlose Anstrengungen vermieden werden, wenn es gelingt, den Patienten entsprechend seines Krankheitszustands wahrzunehmen.
Eine Reihe von Verhaltensweisen hat sich im Zusammenleben mit Alzheimer-Patienten bewährt.

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Zehn Grundregeln für das Zusammenleben


  1. Informieren Sie sich gründlich über Alzheimer. Wissen über die Erkrankung gibt Ihnen Sicherheit und schützt Sie davor, zu viel zu erwarten oder zu verlangen.

  2. "Erziehungsversuche" und Vorhaltungen über das Unvermögen des Betroffenen bringen nichts, belasten aber die Atmosphäre und kosten viel Kraft. Argumentieren Sie nicht mit dem Kranken und versuchen Sie nicht, ihn zu ändern. Ein Demenz-Kranker folgt nicht mehr der gewohnten Logik. Wenn Sie mit ihm reden, sprechen Sie langsam, ruhig und in einfachen Worten.

  3. Bewahren Sie nach Möglichkeit die Eigenständigkeit des Betroffenen und beziehen Sie ihn in Unternehmungen ein. Das stützt sein Selbstwertgefühl, auch wenn z.B. ein Spaziergang dadurch länger dauern mag. Schützen Sie ihn aber vor Gefahren, die er nicht mehr richtig einschätzen kann, wie Treppen, Elektrogeräten, glatten Badewannen u.ä.

  4. Gewohnheiten des Patienten sollten Sie möglichst beibehalten. Sie stellen für ihn eine Verbindung zu seiner Vergangenheit und Identität her. Sprechen Sie über gemeinsame Erlebnisse.

  5. Ein gleich bleibender und überschaubarer Tagesablauf vermittelt Alzheimer-Kranken Sicherheit und Orientierung. In der Wohnung können ausreichende Beleuchtung (auch nachts) und Hinweiszeichen die Orientierung erleichtern. Kann der Patient noch lesen, vermögen ihm einfache Mitteilungen zu helfen, sich an wichtige Dinge zu erinnern.

  6. Nicht alle Fähigkeiten und Persönlichkeitsbereiche gehen in gleichem Ausmaß verloren. Sprechen Sie gezielt erhaltene Funktionen an und geizen Sie nicht mit Lob.

  7. Auch wenn die Verständigung über Worte nicht mehr möglich ist, lassen sich viele Patienten noch über Gefühle und Sinneseindrücke erreichen. Gemeinsames Singen, Berührungen, Blicke und Gesten sind Wege, ohne Worte mit den Betroffenen zu kommunizieren.

  8. Konflikte lassen sich mit Alzheimer-Kranken nicht austragen. Lenken Sie in solchen Situationen lieber ab oder zeigen Sie ihre Zuwendung.

  9. Bedenken Sie, dass das Verhalten der Betroffenen nicht von Vernunft, sondern von Gefühlen gesteuert ist. Ängstlichkeit, Aggressivität und zwanghaft wirkende Verhaltensweisen sind Ausdruck einer tiefen Verunsicherung. Sie sind nicht gegen Sie gerichtet und nicht als Bösartigkeit gemeint.

  10. Denken Sie auch an sich selbst. Die Kräfte jedes Menschen sind begrenzt. Auch der Alzheimer-Patient wird davon profitieren, wenn Sie sich Freiräume, Ausgleich und Hilfe schaffen.

Notfallvorsorge

Alzheimer-Patienten sind fast ausnahmslos alte und somit gesundheitlich anfällige Menschen. Hinzu treten nachlassende körperliche Geschicklichkeit und zunehmende Unfähigkeit, die Konsequenzen des eigenen Handelns absehen zu können. Aus diesem Grund können bei den Betroffenen vermehrt medizinische Notfälle auftreten, auf die Sie vorbereitet sein sollten.

Notfälle können sein: Verletzungen nach einem Sturz, Brustschmerz und Atembeschwerden (Lungenentzündung, Herzinfarkt), plötzliche Verschlechterungen des Allgemeinzustands oder der geistigen Leistungsfähigkeit sowie Lähmungen (Schlaganfall) und vieles mehr.

Um auf solche Notfälle vorbereitet zu sein, sollten sie einige wichtige Informationen stets parat haben:


  • Telefonnummer des Hausarztes

  • Telefonnummer des Pflegedienstes

  • Telefonnummer des ärztlichen Notdienstes

  • Kopien der wichtigsten Patientendokumente (Arztbriefe, Untersuchungsbefunde, Patientenverfügung)

  • Aktuelle Medikamentenliste mit den jeweiligen Medikamentennamen, der zugehörigen Dosis und der Angabe, wann es eingenommen wird (z.B.: „eine morgens, eine abends")
    Nach Möglichkeit sollte frühzeitig besprochen werden, welche Form der Behandlung der Patient bei einem Notfall wünscht. Das betrifft z.B. die Frage nach einer künstlichen Beatmung.

Tipps für die Pflege

In fortgeschrittenen Krankheitsstadien benötigen Alzheimer-Patienten Unterstützung bei der persönlichen Pflege und Hygiene. Das kann sowohl für den Betroffenen als auch für den Pflegenden unangenehm sein. Einerseits müssen z.T. die gewohnten Grenzen der Intimität überschritten werden, andererseits reagieren die Betroffenen vielfach mit Widerstand auf den Verlust ihrer Selbstständigkeit.

Kleidung

Berücksichtigen Sie bei der Wahl der Bekleidung den Geschmack des Erkrankten. Wenn Sie einfache Wahlmöglichkeiten zwischen jeweils nur zwei Kleidungsstücken anbieten, können die Betroffenen ihre Bekleidung mitbestimmen. Bereiten Sie die Kleidungsstücke vor, indem Sie sie in der richtigen Reihenfolge übereinander legen, sodass sie eins nach dem anderen angezogen werden können. Die Kleidungsstücke selbst sollten bequem sein und keine zu großen Anforderungen beim An- oder Ausziehen stellen. Seien Sie geduldig und geben Sie dem Patienten Zeit. Es stärkt sein Selbstwertgefühl, wenn Sie ihm nicht jeden Handgriff abnehmen.

Baden

Nacktheit kann Scham, die vergleichsweise ungewohnte Situation in der Badewanne Angst auslösen. Viele Demenz-Kranke baden nicht gerne. Sie schreien oder schlagen um sich, um ihren Widerstand auszudrücken.
Versuchen Sie deshalb Unannehmlichkeiten nach Möglichkeit auszuschließen. Achten Sie darauf, das Wasser nicht zu warm und nicht zu kalt einzustellen, und sorgen sie für angenehme Raumtemperatur. Kündigen Sie dem Betroffenen an, was Sie als nächstes tun werden. Ein Haltegriff und eine rutschfeste Einlage in der Wanne vermitteln ein Gefühl von Sicherheit. Ein Handtuch, dass sich die Betroffenen – auch in der Wanne – umlegen, kann das Schamgefühl verringern. Vermeiden Sie, dass Seifenwasser in die Augen der Patienten gelangt (z.B. beim Haare waschen). Bedenken Sie außerdem, dass Duschen oft die einfachere Alternative ist. Es ist auf einem Stuhl im Sitzen möglich, ohne dass ein Wannenrand überwunden werden muss, und reicht meistens aus.

Zahnpflege

Zahn- und Mundprobleme können Schmerzen verursachen und zur Verweigerung der Nahrungsaufnahme führen. Es ist deshalb wichtig, für eine ausreichende Mundhygiene zu sorgen, am besten nach jeder Mahlzeit. Viele Alzheimer-Patienten lehnen es allerdings ab, sich bei der Zahnpflege helfen zu lassen.
In diesen Fällen ist viel Geduld und Feingefühl gefragt. Kurze, einfache Anweisungen und das Vorzeigen des Putzens mittels eines Spiegels können ein Ausweg sein. Bei anhaltenden Schwierigkeiten kann eventuell der Zahnarzt weiterhelfen.

Toilettengang

Viele Alzheimer-Patienten werden im Verlauf ihrer Erkrankung inkontinent, können also den Harn- und Stuhlabgang nicht mehr ausreichend kontrollieren. Es ist jedoch daran zu denken, dass auch Medikamente und Erkrankungen, z.B. eine Blasenentzündung, diese Symptome auslösen können. Beides sollte von einem Arzt ausgeschlossen werden.

Als Hilfe in der Wohnung kann es sich erweisen, wenn der Weg zum Badezimmer, dort zur Toilette und bis auf den Beckenrand markiert ist, z.B. durch farbige Hinweise. Außerdem sollten im Bad Gegenstände vermieden werden, die äußerlich an ein Toilettenbecken erinnern könnten. Dazu gehören etwa Eimer oder Körbe. Weiterhin sollte sichergestellt werden, dass der Patient keine Schwierigkeiten beim Entkleiden hat.
Ein Inkontinenz-Tagebuch kann helfen, Zusammenhänge hinter den Missgeschicken aufzudecken. Rechtzeitige Toilettengänge oder feste Toilettenzeiten können dann eventuell Abhilfe schaffen. Für schwere Fälle stehen Inkontinenzhilfen (Windeln) für Erwachsene zur Verfügung.


Quelle: Nach der Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende "Demenzkrankheit (Alzheimer und andere Demenz-Formen)", Medizinisches Wissensnetzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke, Juni 2005.
Autor: Jan Groh
Stand: Jun 11, 2008


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