Belastung durch zukünftige Demenzerkrankungen verkannt
Die zukünftige weltweite Belastung durch Demenzerkrankungen wie Alzheimer wurde einer Untersuchung britischer Forscher zufolge bisher unterschätzt.
Die Untersuchung des King’s Kollege erbrachte, dass bis zum Jahr 2050 weltweit mehr als 115 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen sein werden. Bisher waren die Experten von 10% weniger Betroffenen ausgegangen. Der dramatische Anstieg lässt sich vor allem auf die neuen Zahlen aus Südasien und Lateinamerika zurückführen. Die Anzahl der Erkrankungen erhöht sich aufgrund der weltweit steigenden Lebenserwartung jedoch nicht nur auf dem asiatischen und amerikanischen Kontinent und sorgt unter Experten für große Beunruhigung.
Die Belastung durch die nötige intensive Pflege von Alzheimerpatienten ist nicht nur eine soziale, sondern vor allem eine wirtschaftliche Frage, die die arbeitende Bevölkerung und das Gesundheitssystem in die Pflicht nimmt. Die aktuelle Studie ist Teil des World Alzheimer’s Report, der 2009 von Alzheimer’s Disease International veröffentlicht wurde. Dem Alzheimer-Weltbericht zufolge werden bereits nächstes Jahr 35 Mio. Menschen an einer Demenzerkrankungen leiden. Diese Zahl soll sich alle 20 Jahre nahezu verdoppeln.
Die Forscher blicken nicht ohne Sorge in die ärmsten Länder. Dort werden Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung und Ernährung auch Auswirkungen auf die Altersstruktur der Gesellschaft haben. Derzeitige Berechnungen gehen davon aus, dass lediglich etwas mehr als die Hälfte der Demenzerkrankten aus ärmeren Ländern stammt. Bis 2050 sollen es mehr als zwei Drittel sein. Die Untersuchung kommt außerdem zu dem Schluss, dass der Anteil an Patienten mit einer Demenzerkrankung in manchen Teilen der Welt höher ist als bisher vermutet.
Martin Prince vom King’s Kollege London zeigt sich erschüttert über die Ergebnisse. Er erklärt: "Die derzeitigen Investitionen in Forschung, Behandlung und Pflege stehen in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen der Krankheit auf die Patienten und Pfleger sowie die Gesundheits- und Sozialsysteme." Einige Länder wie etwa Australien, Frankreich und Großbritannien arbeiten bereits an konkreten Plänen zur Bewältigung der zukünftigen Auswirkungen.



