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Hirnleistungstraining

Das Gehirn bleibt lernfähig

Über viele Jahre herrschte die Meinung vor, man könne gegen Hirnleistungsstörungen, zumal bei erwachsenen Patienten, wenig tun. Krankheitsbedingte Defizite seien zu akzeptieren und als gegeben hinzunehmen. Die Hirnforschung der letzten Jahrzehnte erbrachte jedoch ein völlig anderes Bild: Es konnte nachgewiesen werden, dass sich das Gehirn lebenslang strukturell und funktionell verändert.

Das Gehirn passt sich stets den Erfordernissen seines Gebrauchs an. Man spricht von "Neuroplastizität" als wesentlicher Eigenschaft des menschlichen Gehirns. Grundlage der Neuroplastizität ist die Fähigkeit zum Auswachsen von Dendriten und Axonen bis ins höhere Lebensalter, zur Synapsenbildung, ja sogar zur Vermehrung von Neuronen im Gehirn.

Forscher an der Universität in Jena wiesen jetzt nach, dass das Gehirn nach einem Schlaganfall über eine Spanne von ungefähr sechs Monaten eine Lernfähigkeit wie in jungen Jahren aufweist. Das geschädigte Gehirn zeigt in dieser Zeit eine erhöhte Erregbarkeit, neue Verbindungen zwischen Gehirnzellen werden aufgebaut, ja sogar neue Zellen gebildet. Daher gilt es, diesen Zustand der erhöhten Neuroplastizität künftig viel stärker für rehabilitative Maßnahmen in Therapie und Pflege und damit auch für das kognitive Training zu nutzen. Wenn sich das Gehirn beständig und lebenslang den Erfordernissen seines Gebrauchs anpasst, wird deutlich, dass die Umgebungsbedingungen, in denen der einzelne lebt, direkt den Hirnaufbau und seine Funktion beeinflussen. Dabei wirkt sich eine anregende Umgebung günstig auf die geistige Leistungsfähigkeit.

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Entsprechend negativ wirkt dagegen die Nicht-Inanspruchnahme geistiger Funktionen (z.B. während eines längeren Klinik-/Rehabilitationsaufenthaltes ohne kognitives Training) und eine reizarme, wenig anregende Umgebung. Viele ältere Menschen haben oft nur deshalb kognitive Defizite, weil sie in einer sozial und geistig nicht anregenden Umgebung leben. Mangelnde geistige Tätigkeit führt daher zu IQ-Verlust und Synapsenabbau, begünstigt die Entwicklung einer Demenz, verschlechtert den körperlichen Gesundheitszustand, verkürzt die Spanne des kompetenten, eigenverantwortlichen Lebens im Alter und begünstigt Pflegebedürftigkeit.

Umgekehrt konnte nachgewiesen werden, dass bei hochbetagten Älteren, die über ein Jahr hinweg einmal pro Woche jeweils eine Stunde pro Woche Gedächtnis- und Bewegungstraining durchführten, die Gedächtnisleistungen und die psychomotorischen Leistungen im Vergleich zur Kontrollgruppe auch noch nach drei Jahren ohne Training verbessert waren, dass demenzielle Prozesse verzögert auftraten und mehr Menschen selbstständig noch zu Hause lebten. Auch Trainingsmaßnahmen über einen kürzeren Zeitraum zeigen eindrucksvolle Erfolge.

Zusammengefasst lässt sich feststellen: Kognitives Training ist unverzichtbar zur Prophylaxe, aber auch zur Therapie, Rehabilitation und in der Pflege von Patienten mit Hirnleistungsstörungen.


Quelle: Nach Informationen aus Heilberufe - Das Pflegemagazin (3/2005)
Autor: Autorin: Dr. med. Sabine Ladner-Merz (Ärztin)
Stand: Nov 21, 2008


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