
Demenz und Ernährung
Das Gefühl isst mit
Menschen, die an Demenz erkrankt sind, verlieren häufig das Hunger- und Durstgefühl. Sie vergessen Mahlzeiten oder, dass sie gerade etwas gegessen haben. Die Gefahr der Mangelernährung und Dehydration ist bei dementen Patienten bzw. Bewohnern besonders groß. Die Pflegedienstleiterin des Evangelischen Geriatriezentrums Berlin Mitte, Gisela Bahr-Gäbel, beschreibt, wie in ihrem Haus mit diesen Problemen umgegangen wird.
Dehydration
Viele Ärzte in den Notaufnahmen kennen die Zahl der Patienten, die in den Sommermonaten dehydriert eingeliefert werden. Die in der Regel älteren Menschen zeigen erhebliche Verwirrtheitszustände und eine Klärung der eingeschränkten Kognition ist erst nach einer Flüssigkeitsgabe zu erreichen. Es ist also ganz offensichtlich, dass die Flüssigkeitszufuhr in der Häuslichkeit ebenso ein Problem darstellt wie in den Einrichtungen des Gesundheitswesens. Deshalb ist ambulanten Hauskrankenpflegediensten zu empfehlen, einen Einfuhrplan gemeinsam mit den Angehörigen zu führen. Das gilt für demente Patienten in besonderem Maße.
Zur Vermeidung einer vorübergehenden Dehydration, z.B. bei hohen Außentemperaturen oder bei Durchfallerkrankungen, ist gegebenenfalls die Möglichkeit einer Flüssigkeitszufuhr über eine Infusion in Pflegeeinrichtungen bzw. in der häuslichen Pflege zu prüfen. Eine solche Maßnahme ist immer dann angebracht, wenn dadurch eine Krankenhauseinweisung, die für Demenz¬erkrankte eine besondere Belastung darstellt, vermieden werden kann. Voraussetzung hierfür ist die eindeutige Festlegung der Kriterien, eine gewissenhafte Schulung des Pflegepersonals, ein enger Austausch mit dem Hausarzt und den Angehörigen.
Mangelernährung
Der Ernährungszustand kann über den Body-Mass-Index erfasst werden. Die Ermittlung des Gewichts reicht für die Feststellung einer Mangelernährung allerdings nicht aus. Selbst übergewichtige Personen können eine Mangelernährung aufweisen. Diese Daten sollten in regelmäßigen Abständen erfasst, ausgewertet und die Ernährung entsprechend angepasst werden.Grundsätzlich muss beachtet werden, dass Demenzerkrankte über einen erhöhten Bewegungsdrang verfügen und diesem auch nachgegeben werden muss. Dadurch ist allerdings ihr Kalorienbedarf erhöht.
"Eat by walking"
Wie bereits erwähnt, verfügen Demenzkranke häufig über einen erhöhten Bewegungsdrang. Bei den Menschen, bei denen dieser Bewegungsdrang sehr ausgeprägt ist, gestaltet sich die Nahrungsaufnahme problematisch. Sie sind meist nicht in der Lage, im Sitzen das Essen oder die Getränke einzunehmen. Hier empfiehlt es sich, auf "ihren Wegen", an markanten Punkten, Getränke oder Nahrungsmittel aufzustellen.
Bei den Nahrungsmitteln sollte es sich um so genanntes "Finger-Food" handeln, also um mundgerechte Stücke, die ohne Besteck gegessen werden können. Ausgeschlossen von dieser Art der Nahrungsaufnahmen sind Menschen mit Schluckstörungen oder einer Diät. Voraussetzungen von "Finger-Food"sind u.a.:
- Es hat eine feste Konsistenz.
- Harte Zusätze, wie Knochen oder Gräten, sind nicht enthalten.
- Es verfügt über ein gutes Handling.
- Man kann es in großer Geschmacksvielfalt anbieten.
Wie immer muss auch hier der Betreuende sein Augenmerk auf die ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr legen ebenso wie auf das Verhalten der übrigen Bewohner. Hygieneregeln dürfen natürlich nicht verletzt werden.Ein besonderes Augenmerk sollte auch auf die Geschmacksrichtung der Mahlzeiten gelegt werden. Durch die in uns noch immer schlummernden "Ur-Gene" wird "Bitteres" mit "giftig" gleichgesetzt. Deshalb neigen Demenzerkrankte meist zu süßen Speisen. Das wird mit "süßen Beeren" in Verbindung gebracht.
Nahrungsergänzung
Reicht die Nahrungsaufnahme trotz aller Bemühungen nicht aus, so kann eine leichte Mangelernährung über so genannte Zusatznahrung ausgeglichen werden. Diese wird in verschiedenen Geschmacksrichtungen von vielen Herstellern angeboten und sollte in Absprache mit dem Hausarzt gekauft werden.
Checkliste Ernährung bei Demenz
- Sorgen Sie für eine angenehme, freundliche Atmosphäre! Kein Zwang, keine Hektik, kein Zeitdruck.
- Bieten Sie keine unbekannten Gerichte an und versuchen Sie nicht, demente Patienten auf "gesunde Kost" umzustellen!
- Orientieren Sie sich an den Vorlieben und Gewohnheiten der einzelnen Patienten/ Bewohner!
- Bei Schluckbeschwerden verabreichen Sie möglichst weiche, zerkleinerte Kost und dicken Flüssigkeiten gegebenenfalls an!
- Alte Menschen sind oft auf feste Essenszeiten fixiert. Halten Sie diese dann ein!



