
Mentale Tests
Untersuchung der geistigen Leistungsfähigkeit
Um das genaue Ausmaß der Alzheimer-Demenz zu bestimmen, stehen verschiedene neuropsychologische Testverfahren zur Verfügung. Sie eignen sich auch für die Beobachtung des Krankheitsverlaufs.
Ein Beispiel für einen Test: der Mini-Mental Status Test
Am Beispiel des Mini-Mental Status Test (MMST) soll der Aufbau eines solchen Tests gezeigt werden. Beim MMST handelt es sich um einen weit verbreiteten Test. Da er einfach durchzuführen ist und einen guten Überblick über die verschiedene Aspekte der geistigen Leistungsfähigkeit bietet, wird er oft auch von Allgemeinmedizinern eingesetzt.
Der Test dauert in der Praxis etwa zehn Minuten. Er erfasst Orientierung, Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Rechnen sowie sprachliche und konstruktive Fähigkeiten. Für jede der insgesamt 30 Teilaufgaben wird ein Punkt vergeben. Die Summe der Punkte ergibt einen Wert, der auf das Ausmaß der Demenz hinweist. Eine Demenz ist unwahrscheinlich, wenn 27 oder mehr Punkte erreicht werden.
- Teilaspekt Orientierung: Erfragt werden das Jahr, die Jahreszeit, das aktuelle Datum, der Wochentag, der Monat, das jeweilige Land, Bundesland und der Ort sowie die Art der Einrichtung (Praxis, Altenheim u.ä.), in der sich der Patient befindet, und in welchem Stockwerk diese liegt. Für jede richtige Antwort wird ein Punkt vergeben.
- Teilaspekt Merkfähigkeit: Dem Patienten werden langsam drei einfache Begriffe (z.B. Stuhl, Teller, Schuh) genannt, die er wiederholen soll. Für jeden Begriff gibt es einen Punkt.
- Teilaspekt Aufmerksamkeit und Rechnen: Der Patient wird gebeten, von 100 beginnend in siebener Schritten rückwärts zu zählen (93, 86, 79, 72, 65). Jede richtige Antwort ergibt einen Punkt. Anschließend wird er aufgefordert das Wort Preis" rückwärts zu buchstabieren. Jeder in der richtigen Reihenfolge genannte Buchstabe ergibt einen Punkt. Gewertet wird das höhere Ergebnis aus beiden Aufgabenteilen.
- Teilaspekt Erinnern: Der Patient wird noch einmal nach den Wörtern aus dem Merkfähigkeitstest (Stuhl, Teller, Schuh) gefragt. Für jeden erinnerten Begriff gibt es einen Punkt.
- Teilaspekt Benennen: Nacheinander werden dem Patient eine Armbanduhr und ein Bleistift gezeigt, die er jeweils benennen soll. Jede korrekte Benennung ergibt einen Punkt.
- Teilaspekt Wiederholen: Der Patient wird gebeten, den Satz Kein Wenn und Aber" nachzusprechen. Gewertet wird nur der erste Versuch.
- Teilaspekt Dreiteiliger Befehl: Geprüft wird, ob der Patient den Befehl Nehmen Sie ein Blatt in die Hand, falten Sie es in der Mitte und legen Sie es auf den Boden!" richtig ausführen kann. Jeder Teilschritt gibt einen Punkt.
- Teilaspekt Lesen und Reagieren: Dem Patienten wird die schriftliche Anweisung Schließen Sie die Augen!" gezeigt. Ein Punkt wird vergeben, wenn der Patient die Augen schließt.
- Teilaspekt Schreiben: Der Patient wird gebeten, einen Satz seiner Wahl auf ein Blatt Papier zu schreiben. Der Satz soll ein Subjekt und ein Verb enthalten und muss Sinn ergeben.
- Teilaspekt Konstruktive Fähigkeit: Der Patient wird aufgefordert, die folgende Figur nachzuzeichnen:
Beispiele für andere Tests, die zur Diagnose von Alzheimer eingesetzt werden, sind:
- Alzheimers Disease Assessment Scale (ADAS)
- DemTect©
- Test zur Früherkennung von Demenzen und Depressionsabgrenzung (TFDD)
- Uhrentest
- Zahlen-Verbindungs-Test (ZVT)
Da Alzheimer manchmal nur schwer von einer Depression unterschieden werden kann, werden zumeist auch Tests durchgeführt, die das Vorliegen und den Grad depressiver Verstimmungungen erfassen.
Darüber hinaus stehen auch Tests zur Verfügung, die zu beurteilen helfen, wie stark und in welcher Weise die Verrichtung von Alltagsaktivitäten bei Alzheimer-Patienten eingeschränkt ist.
Ist ein Arztbesuch angezeigt? Tests zur Selbsteinschätzung
Neben den verschiedenen Tests, die von medizinischen Fachkräften durchgeführt werden, gibt es auch einige einfachere Fragebögen, die von Patienten selbstständig ausgefüllt werden können. Sie erlauben keine Diagnose, geben den Betroffenen jedoch Hinweise, ob sie einen Arzt aufsuchen sollten, um ihre geistige Leistungsfähigkeit überprüfen zu lassen.
Dabei ist noch festzuhalten: Eine Einschränkung geistiger Funktionen und selbst deutliche Vergesslichkeit bedeuten keineswegs automatisch, dass eine Demenz oder gar Alzheimer vorliegt. Viele andere Erkrankungen, die sich gut behandeln und heilen lassen, kommen ebenfalls als Erklärung der Symptome in Frage. Um rasch und frühzeitig reagieren zu können, ist aber eine möglichst frühzeitige, gründliche Untersuchung notwendig.



