Älteres Paar sitzt am Strand

Frühsymptome

Erste Zeichen ernst nehmen

Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit sollten möglichst frühzeitig untersucht und behandelt werden. Eine Reihe von Symptomen kann auf Alzheimer oder eine andere Demenzerkrankung hinweisen.

Leichte Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit erhöhen zwar das Risiko, dass später eine Alzheimer-Demenz ausbricht, es erkrankt jedoch nur ein Teil der Betroffenen tatsächlich. Hinzu kommt, dass gerade die ersten Symptome im Alltag oft nicht auffallen. Sie könnten nur durch gezielte medizinische Untersuchungen aufgedeckt werden, die aber in der Regel erst beim Vorliegen offensichtlicher Beschwerden zum Einsatz kommen.

Das ist auch deshalb oft der Fall, weil eine Alzheimer-Demenz nicht bei allen Betroffenen nach dem gleichen Schema verläuft. Besonders in den ersten Krankheitsphasen können sich die Symptome von Fall zu Fall unterscheiden. Persönlichkeit, Bildungsstand, Lebensverhältnisse und nicht zuletzt die körperliche Verfassung beeinflussen das Erscheinungsbild der Krankheit. Es gibt jedoch eine Reihe von Hinweisen, bei deren Auftreten immer auch die Diagnose Alzheimer-Demenz in Betracht gezogen werden sollte.

Eine Checkliste der US-amerikanischen Alzheimer-Gesellschaft fasst die zehn wichtigsten dieser Warnzeichen zusammen. Die Liste kann helfen, Klarheit darüber zu gewinnen, ob Auffälligkeiten, die man bei sich selbst bzw. einem Angehörigen beobachtet, zu einer Alzheimer-Erkrankung passen oder nicht. Sie dient jedoch nur zu einer ersten Orientierung. Selbst wenn mehrere der Warnsymptome vorliegen, können diese immer auch eine andere Ursache als Alzheimer haben.

Dennoch ist es in diesem Fall unbedingt zu empfehlen, den Arzt aufzusuchen, um die Beschwerden abklären zu lassen. Er wird erste Untersuchungen und Tests vornehmen, um die Ursache der Störungen einzugrenzen. Sollten diese Schritte nicht genügen, müssen speziellere Verfahren eingesetzt werden, um die Störungen zu erfassen und eine Diagnose zu erhalten.

Zehn Warnzeichen, bei denen Sie an Alzheimer-Demenz denken sollten

  1. Vergesslichkeit: Jeder vergisst einmal etwas. Selbst bei wichtigen Dingen kommt das vor, doch meistens erinnert man sich zumindest in groben Zügen, sobald man auf die Sache angesprochen wird. Alzheimer-Patienten hingegen vergessen nicht nur gelegentlich etwas, sondern oft und ohne sich daran erinnern zu können. Ein Ereignis des Vortags kann bei ihnen wie ausgelöscht sein, so, als hätte es niemals stattgefunden. Ebenso kann es ihnen mit Menschen ergehen: Sie lernen eine Person neu kennen, unterhalten sich vielleicht sogar angeregt mit ihr und am nächsten Tag ist es so, als hätten sie die betreffende Person nie zuvor gesehen.

  2. Planen und Handeln sind beeinträchtigt: Die Betroffenen haben Probleme sich zu konzentrieren und komplizierte Handlungen durchzuführen. Sie können beispielsweise keine Reisen mehr planen oder können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

  3. Schwierigkeiten bei Alltagstätigkeiten: Dieses Anzeichen kann leicht für Zerstreutheit gehalten werden, geht aber darüber hinaus. Zum Beispiel kann es passieren, dass Alzheimer-Patienten Essen kochen, aber dann vergessen, es zu servieren. Kommen sie später wieder in die Küche, wundern sie sich, wer die Mahlzeit zubereitet hat. Sie wissen nicht mehr, dass sie selbst das getan haben. Genauso kann es vorkommen, dass ein Betroffener sich anzieht, um vor die Tür zu gehen, sich dann aber nicht zu erinnern vermag, warum er eigentlich aus dem Haus wollte.

  4. Die Orientierung geht verloren: Alzheimer-Patienten kann es passieren, dass sie sich selbst in eigentlich vertrauter Umgebung plötzlich verlaufen, beispielsweise in der Nachbarschaft ihrer Wohnung. Oder sie finden sich an einem Ort wieder, ohne sich erklären zu können, wie sie dort hingeraten sind. Auch bringen sie gelegentlich Tageszeiten durcheinander. Sie denken zum Beispiel es sei Mittag, obwohl es später Abend und bereits dunkel ist.

  5. Die Fähigkeit zu abstraktem Denken leidet: Oft verlieren Alzheimer-Patienten das Gefühl für Geld und scheinen seine Bedeutung als Zahlungsmittel nicht mehr recht zu verstehen. Ähnlich kann es ihnen beim Blick in ein Telefonbuch ergehen. Sie erkennen die Nummern, doch wissen sie nicht mehr, wofür diese da sind. Auch Zeichen oder räumliche Entfernungen werden nicht mehr richtig erkannt.

  6. Sprachverarmung: Alzheimer-Patienten leiden unter Wortfindungsstörungen. Sie vergessen sogar Bezeichnungen für Alltagsgegenstände. Manchmal versuchen sie dann, diese Begriffe zu umschreiben, z.B. indem sie „das für die Füße" statt „Schuh" sagen. Es kann auch vorkommen, dass sie Bezeichnungen verwechseln oder sogar neu erfinden. Dadurch ist es mitunter schwierig, sie zu verstehen.

  7. Verlegen von Gegenständen: Es ist möglich, dass Betroffene eine ungeeignete „Ordnung" in ihrer Wohnung herstellen: Sie legen die Fernsehzeitschrift in die Waschmaschine oder ihre Zahnbürste ins Eisfach. Später erinnern sie sich nicht mehr daran, und die Gegenstände bleiben verschwunden, bis sie zufällig entdeckt werden. Gelegentlich Dinge zu verlegen, wie die Lesebrille oder die Fernbedienung, ist dagegen völlig normal.

  8. Situationen werden nicht mehr richtig beurteilt: Bei Alzheimer-Patienten kann es vorkommen, dass sie sich warme Winterkleidung anziehen, obwohl Hochsommer ist. Oder sie vergessen völlig wie versprochen auf das Enkelkind aufzupassen, gehen einfach aus dem Haus und lassen das Kind allein, ohne sich noch an ihre Aufgabe erinnern zu können.

  9. Sozialer Rückzug: Gesellschaftliche und andere Aktivitäten werden den Betroffenen zur Last, sie bleiben lieber im Sessel sitzen, als etwas zu unternehmen, und ziehen sich zurück. Hobbies werden nicht mehr gepflegt und soziale Kontakte vernachlässigt.

  10. Veränderung von Stimmung und Persönlichkeit: Es ist ganz normal, dass sich mit zunehmender Lebenserfahrung auch Stimmung und Persönlichkeit verändern. Bei Alzheimer-Patienten treten solche Veränderungen jedoch besonders ausgeprägt auf. Manchmal werden die Betroffenen plötzlich reizbar, ängstlich, misstrauisch oder distanzlos - zum Beispiel können sich Reaktionen häufen, die der jeweiligen Situation nicht angemessen sind, insbesondere wenn sie sich nicht in ihrer gewohnten Umgebung aufhalten. Typisch für altersabhängige Veränderungen ist dagegen, dass ältere Menschen ihre eigenen Routinen entwickelt haben und irritiert sind, wenn diese gestört werden.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN); Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.): Diagnose- und Behandlungsleitlinie Demenz; Reihe: Interdisziplinäre S3-Praxisleitlinien, Band 0, 1st Edition, Springer Medizin Verlag, 2010

Broschüre „Gemeinsam Erinnern" (Hrsg: ZDF & Fachgesellschaften)
Alzheimer´s Association: 10 Signs of Alzheimer's; URL: http://www.alz.org
/alzheimers_disease_10_signs_of_alzheimers.asp(Download vom 17.11.2010)
Autor: Kathrin Sommer / Letzte Überarbeitung: Redaktion SpringerGesundheit
Stand: Nov 17, 2010


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