Antidementiva
Medikamente können den geistigen Verfall nicht stoppen, aber aufhalten
Heutzutage steht eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, welche die Symptome der Alzheimer-Erkrankung vorübergehend bessern, ihren Verlauf verzögern und die Lebensqualität der Patienten steigern können. Eine Heilung der Krankheit ist jedoch nicht möglich.
Zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit und ihrer Begleiterscheinungen steht heute eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung. Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantin richten sich direkt gegen die Demenz, also gegen den Abfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus können sie eingeschränkte Alltagsfunktionen verbessern und krankheitsbedingte Verhaltensänderungen wie Depressionen, Angst, Aggressivität und Wahnvorstellungen zumindest mindern. Auf diese Weise können sie die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessern und die Einweisung in ein Pflegeheim unter Umständen verzögern.
Bei der Behandlung von Begleiterkrankungen kommen zudem weitere Medikamente zur Anwendung:
- Antidepressiva helfen gegen depressive Verstimmungen.
- Bei Verhaltensänderungen wie Unruhe, Angst, Aggressivität und Wahnvorstellungen können unter Umständen kurzfristig auch Neuroleptika eingesetzt werden.
- Begleiterkrankungen von Alzheimer-Patienten, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Demenz stehen, erfordern oft ebenfalls eine medikamentöse Behandlung.
Vor der Anwendung anderer Arzneimittel sollte jedoch geklärt werden, ob die gleichzeitige Einnahme zusammen mit den „Alzheimer-Medikamenten“ möglich ist. Eine gegenseitige Störung der Wirkung oder vermehrte Nebenwirkungen können eine Umstellung der Behandlung erforderlich machen.
Acetylcholinesterase-Hemmer
Heute stehen mit Donepezil, Rivastigmin und Galantamin drei verschiedene Acetylcholinesterase-Hemmer zur Verfügung, die die fortschreitende Symptomatik der Alzheimer-Demenz verlangsamen und in einigen Fällen sogar vorübergehend bessern können. Bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer Demenz gelten sie heute als Mittel der ersten Wahl, ihr Einsatz wird von allen Fachgesellschaften empfohlen. Daher werden sie im Abschnitt Acetylcholinesterase-Hemmer gesondert behandelt.
Memantin
Memantin wird bei mittelschweren bis fortgeschrittenen Erkrankungsstadien eingesetzt, das heißt ab einem Ergebnis im Mini-Mental-Status-Test (MMST) von 19 Punkten oder weniger. Memantin beeinflusst die geistige Leistungsfähigkeit, die Alltagsfunktionen und den klinischen Gesamtzustand und kann die fortschreitende Symptomatik der Alzheimer-Demenz verlangsamen und in einigen Fällen sogar vorübergehend bessern. Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen den Einsatz bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz. Bei leichter Demenz ist Memantin nicht zugelassen.
Memantin ist ein Glutamat-Antagonist, d.h. das Medikament blockiert die Wirkung von Glutamat, einem Botenstoff, mit dessen Hilfe Nervenzellen untereinander Signale austauschen. Bei Alzheimer-Demenz ist dieser Übertragungsvorgang gestört, da Glutamatfreisetzung und -aufnahme „durcheinandergeraten“ sind. Die Blockade von Glutamat verbessert diese Übertragung wieder. Außerdem führen zu hohe Glutamatkonzentrationen zu einer Schädigung der Nervenzellen und damit zu Funktionseinschränkungen und schließlich zum Absterben der Nervenzellen, dem kann Memantin möglicherweise entgegenwirken.
Memantin wird in der Regel gut vertragen, sollte aber einschleichend aufdosiert werden. Zu den Nebenwirkungen gehören Unruhe, Kopfschmerzen, Schwindel sowie Übelkeit und Erbrechen.
Ginkgo-biloba-Extrakte
Ginkgo-biloba-Extrakte werden aus den Blättern des Ginkgobaums gewonnen. Ihnen wird eine durchblutungsfördernde Wirkung nachgesagt. Außerdem sollen sie schädliche Stoffwechselprodukte neutralisieren und die Signalübertragung im Nervensystem günstig beeinflussen.
Die zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorliegenden Erkenntnisse zu Ginkgo-Präparaten liefern allerdings widersprüchliche Ergebnisse. So sieht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht von 2008 einen Nutzen für Ginkgo-biloba bei hohen Dosierungen (240 mg). Verbessert würden die Aktivitäten des täglichen Lebens, die geistige Leistungsfähigkeit und allgemeine Symptome. Allerdings seien die Daten sehr uneinheitlich. Die deutschen Fachgesellschaften bewerten die Datenlage zu ginkgohaltigen Präparaten hingegen als nicht überzeugend. In der aktuellen Leitlinie zur Behandlung der Demenzen (2010) werden sie daher nicht empfohlen. Zudem gibt es Hinweise für eine erhöhte Blutungsneigung, z.B. bei der gleichzeitigen Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS).
Weitere Wirkstoffe, die bei Alzheimer-Demenz eingesetzt werden
Bei Alzheimer Demenz wird neben den Acetylcholinesterase-Hemmern und Memantin eine Vielzahl von weiteren Substanzen eingesetzt, deren Wirksamkeit jedoch umstritten ist. Die Fachgesellschaften bewerten die Datenlage zur Gabe von Vitaminpräparaten, Piracetam, Nicergolin, Hydergin, Phosphatidylcholin (Lecithin), Nimodipin, Cerebrolysin und Selegilin als unzureichend. Eine Behandlung wird nicht empfohlen. Das gilt ebenso für eine etwaige Hormonersatztherapie zur Verringerung kognitiver Beeinträchtigungen bei Frauen nach der Menopause.
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Ginkgohaltige Präparate bei Alzheimer Demenz; Abschlussbericht A05-19B; Version 1.0 vom 29.09.2008



