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Vaskuläre Demenz

Durchblutungsstörungen des Gehirns

Der Begriff "vaskuläre Demenz" bezeichnet eine Gruppe von Demenzen, die sich auf der Grundlage von Durchblutungsstörungen im Gehirn entwickeln. Mit einem Anteil von etwa 15% der Fälle sind vaskuläre Demenzen nach Alzheimer die zweithäufigste Form der Demenz. Männer sind von ihr etwa doppelt so oft betroffen wie Frauen. Je nach dem Muster der Schädigungen im Gehirn treten bei vaskulärer Demenz zum Teil sehr unterschiedliche Symptome auf.

Durchblutungsstörungen im Gehirn können durch drei unterschiedliche Mechanismen ausgelöst werden:


  1. durch einen Blutpfropf, der das betroffene Blutgefäß ganz oder teilweise verschließt; er kann sich entweder direkt am Ort des Verschlusses gebildet haben oder mit dem Blut dorthin gespült worden sein;

  2. durch eine Blutung;

  3. durch krampfartiges Zusammenziehen eines Blutgefässes, welches dann nicht mehr genug Blut transportieren kann.

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Wird Gehirngewebe aufgrund einer Durchblutungsstörung nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, stirbt es binnen weniger Minuten ab. Je nach Größe des betroffenen Hirnbereichs ist der Ausfall sofort zu bemerken – dann wird von einem Schlaganfall gesprochen – oder tritt als so genannte Multi-Infarkt-Demenz erst in Erscheinung, wenn sich eine Anzahl kleiner Schädigungen überlagert.

Wie kommt es zu den Durchblutungsstörungen?

Durchblutungsstörungen entstehen häufig auf der Grundlage von Ablagerungen in Blutgefäßen, der „Gefäßverkalkung" (Atherosklerose). Fetteinlagerungen und entzündliche Prozesse engen die Gefäße ein, behindern den Blutfluss und fördern die Bildung von Blutpfropfen.

Eine Reihe von Faktoren begünstigt diese Gefäßveränderungen. Zu ihnen gehören Bluthochdruck, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen („hohes Cholesterin") und die Zuckerkrankheit (Diabetes). Übergewicht und Bewegungsmangel führen selbst zwar nicht zu Gefäßablagerungen, fördern sie jedoch durch eine ungünstige Beeinflussung des Stoffwechsels.

Wie wird eine vaskuläre Demenz nachgewiesen?

Sind geistige Fähigkeiten vom Untergang des Nervengewebes betroffen, können sich die Symptome einer Demenz entwickeln. Das bedeutet, dass sowohl die Gedächtnisleistung als auch weitere geistige Fähigkeiten deutlich vermindert sind.

Wie in allen Fällen, in denen der Verdacht auf eine Demenz besteht, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nur er kann mit Sicherheit feststellen, ob eine Demenz vorliegt und wenn ja, welche Form der Demenz. Die richtige Diagnose ist wichtig für die Art der Behandlung, aber auch für die weitere Lebensplanung.

Das Ausmaß des geistigen Leistungsverlusts lässt sich durch verschiedene neuropsychologische Tests erfassen. Bilder des Gehirns, die mittels Röntgenstrahlen (Computertomographie, CT) oder Magnetfeldern (Magnetresonanztomographie, MRT) gewonnen werden können, zeigen oft deutliche Spuren der Durchblutungsstörungen. Spezielle Abbildungsverfahren erlauben darüber hinaus, vaskuläre Demenzen von anderen Demenzformen wie z.B. der Alzheimer-Krankheit zu unterscheiden.

Oft ergibt auch bereits die Krankengeschichte der Betroffenen Hinweise sowohl auf typische Risikofaktoren als auch auf frühere Durchblutungsstörungen des Gehirns oder anderer Organe. Blutuntersuchungen, das Vermessen von Hirnströmen (EEG) und eine gründliche Untersuchung von Herz und Kreislauf der Betroffenen gehören ebenfalls zur Diagnosefindung. In vielen Fällen wird dabei ein erhöhter Blutdruck festgestellt.

Welche Symptome können auftreten?

Da Durchblutungsstörungen jede Region des Gehirns betreffen können, gibt es keine geistigen Einschränkungen, die eindeutig auf eine vaskuläre Demenz hinweisen würden. Sämtliche Funktionen des Gehirns können betroffen sein. Darüber hinaus leiden die Betroffenen häufig an Depressionen oder Krampfanfällen des Gehirns (Epilepsie).
Da sich die betroffenen Patienten ihres geistigen Abbaus bewusst sind, ist die Depression meist eine Reaktion auf die tragische Situation (reaktive Depression).

Typisch für vaskuläre Demenzen ist in vielen Fällen der Verlauf der Beschwerden. Sie treten in der Regel plötzlich auf („Schlaganfall"). Die Stärke der Symptome ist nicht konstant, sondern schwankt deutlich zwischen guten und schlechten Tagen. Im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz schreitet die Erkrankung nicht kontinuierlich fort, sondern in Sprüngen, die von langen Phasen der Stabilität unterbrochen sein können.

Behandlung: Risiken mindern, Nervenfunktion erhalten!

Die Behandlung einer vaskulären Demenz zielt darauf ab, weitere Durchblutungsstörungen im Gehirn zu vermeiden und das erhaltene Nervengewebe in seiner Funktion zu unterstützen.

Herzfunktion, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette (Cholesterin) und Gerinnungseigenschaften des Blutes werden durch medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen möglichst optimal eingestellt. Rauchen und Bewegungsmangel sollten abgestellt, Übergewicht reduziert werden.

Akute Schlaganfälle werden, wenn sie als Folge erneuter Durchblutungsstörungen auftreten, entsprechend der aktuellen Therapierichtlinien behandelt.

Medikamente werden auch eingesetzt, um die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen zu erhalten und zu verbessern. Cholinesterase-Hemmer wie Rivastigmin unterstützen die Signalübertragung zwischen Nervenzellen. Studien haben nachgewiesen, dass sie die Symptome und den Verlauf einer vaskulären Demenz mildern. Auch so genannte Glutamat-Antagonisten scheinen die geistige Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen zu können.


Quelle: Nach den Leitlinien der der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Autor: Jan Groh
Stand: Oct 16, 2008


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