Vaskuläre Demenz
Durchblutungsstörungen des Gehirns
Vaskulär bedeutet gefäßbedingt, der Begriff "vaskuläre Demenz" bezeichnet eine Gruppe von Demenzen, die sich auf der Grundlage von Durchblutungsstörungen der Blutgefäße im Gehirn entwickeln. Mit einem Anteil von etwa 15 bis 25 Prozent der Fälle sind vaskuläre Demenzen nach Alzheimer die zweithäufigste Form der Demenz. Männer sind von ihr etwa doppelt so oft betroffen wie Frauen. Je nach dem Muster der Schädigungen im Gehirn treten bei vaskulärer Demenz zum Teil sehr unterschiedliche Symptome auf.
Durchblutungsstörungen der Blutgefäße im Gehirn können durch unterschiedliche Mechanismen ausgelöst werden:
- durch einen Blutpfropf, der das betroffene Blutgefäß ganz oder teilweise verschließt; er kann sich entweder direkt am Ort des Verschlusses gebildet haben oder mit dem Blut dorthin gespült worden sein;
- durch eine Blutung;
- durch krampfartiges Zusammenziehen eines Blutgefäßes, welches dann nicht mehr genug Blut transportieren kann.
Wird Gehirngewebe aufgrund einer Durchblutungsstörung nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt, stirbt es binnen weniger Minuten ab. Je nach Größe des betroffenen Hirnbereichs ist der Ausfall sofort zu bemerken - dann wird von einem Schlaganfall gesprochen. Mitunter tritt eine gefäßbedingte Demenz aber auch als sogenannte Multi-Infarkt-Demenz in Erscheinung, wenn sich eine Anzahl kleinerer Schädigungen, die von den Betroffenen nicht unbedingt wahrgenommen werden müssen, überlagern.
Wie kommt es zu den Durchblutungsstörungen?
Durchblutungsstörungen entstehen häufig auf der Grundlage von Ablagerungen in Blutgefäßen, der „Gefäßverkalkung" (Atherosklerose). Fetteinlagerungen und entzündliche Prozesse engen die Gefäße ein, behindern den Blutfluss und fördern die Bildung von Blutpfropfen.
Eine Reihe von Faktoren begünstigt diese Gefäßveränderungen. Zu ihnen gehören Bluthochdruck, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen („hohes Cholesterin"), Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.
Welche Symptome können auftreten?
Wie wird eine vaskuläre Demenz nachgewiesen?
Wie in allen Fällen, in denen der Verdacht auf eine Demenz besteht, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nur er kann mit Sicherheit feststellen, ob eine Demenz vorliegt oder eine andere, eventuell „besser“ behandelbare Erkrankung und an welcher Form der Demenz der Betroffene leidet. Die richtige Diagnose ist wichtig für die Art der Behandlung, aber auch für die weitere Lebensplanung.
Das Ausmaß des geistigen Leistungsverlusts lässt sich durch verschiedene neuropsychologische Tests erfassen. Außerdem sollte ein Computertomogramm (CT) oder Magnetresonanztomogramm (MRT) durchgeführt werden, um andere Ursachen auszuschließen. Damit lässt sich auch meist erkennen, ob eine vaskuläre Demenz oder eine Alzheimer-Krankheit vorliegt.
Typisch für vaskuläre Demenzen ist in vielen Fällen der Verlauf der Beschwerden. Sie treten in der Regel plötzlich auf (Schlaganfall: „wie ein Schlag“). Die Stärke der Symptome ist nicht konstant, sondern schwankt deutlich zwischen guten und schlechten Tagen. Im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz schreitet die Erkrankung nicht kontinuierlich fort, sondern in Sprüngen, die von langen Phasen der Stabilität unterbrochen sein können.
Behandlung: Risiken mindern, Nervenfunktion erhalten!
Die Behandlung einer vaskulären Demenz zielt darauf ab, weitere Durchblutungsstörungen im Gehirn zu vermeiden und das erhaltene Nervengewebe in seiner Funktion zu unterstützen.
Herzfunktion, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette (Cholesterin) und Gerinnungseigenschaften des Blutes werden durch medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen möglichst optimal eingestellt. Rauchen und Bewegungsmangel sollten abgestellt, Übergewicht reduziert werden.
Akute Schlaganfälle werden, wenn sie als Folge erneuter Durchblutungsstörungen auftreten, entsprechend der aktuellen Therapierichtlinien behandelt.
Antidementiva wie die Acetylcholinesterase-Hemmer und der Glutamat-Antagonist Memantin können die geistige Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen, wenn auch weniger deutlich als bei der Alzheimer-Demenz. Bisher ist bei vaskulärer Demenz kein einziges Medikament zugelassen, für das eine ausreichend belegte Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte. Die Fachgesellschaften empfehlen aber, im Einzelfall eine Behandlung mit diesen Antidementiva zu erwägen.



