
Parkinson-Demenz
Gefesselter Geist in gefesseltem Körper
Parkinson-Patienten leiden vor allem an Einschränkungen ihrer Bewegungsfähigkeit. Bei bis zu 40% von ihnen schränkt die Krankheit jedoch auch die geistige Leistungsfähigkeit ein. Beeinträchtigt werden vor allem die Aufmerksamkeit, das Planen von Aufgaben und Lösen von Problemen sowie das räumliche Sehen. Mit dem Wirkstoff Rivastigmin steht jetzt erstmals ein Medikament zur gezielten Behandlung der Parkinson-Demenz zur Verfügung.
Die Parkinson-Krankheit betrifft vorrangig die Motorik. Den Betroffenen fällt es schwer, ihren Körper zu bewegen. Obwohl eine Bewegungsabsicht besteht, reagiert der Körper nicht oder nur zögerlich. Die Bewegungsabläufe wirken dadurch oft zähflüssig. Zusätzlich leiden die Betroffenen an steifer Muskulatur und an Zitterbewegungen (Tremor) z.B. der Hände oder des Kopfes. Von der Störung werden auch die Gesichtsmuskeln betroffen, weshalb die Patienten in vielen Fällen einen steifen Gesichtsausdruck zeigen. Die Gesichtsmuskulatur ist nicht mehr in der Lage, Stimmungen und Gefühlen den gewohnten Ausdruck zu verleihen. Es handelt sich dabei jedoch nur um eine verminderte Mimik, die nicht mit innerer Teilnahmslosigkeit verwechselt werden darf.
Bekannte, von Parkinson betroffene Persönlichkeiten sind z.B. der verstorbene Papst Johannes Paul II., der ehemalige Boxweltmeister Muhammad Ali und der Schauspieler Michael J. Fox.
Parkinson ist nicht selten
Die Krankheit wird durch den Mangel eines Botenstoffes im Gehirn ausgelöst, der von zentraler Bedeutung für die ordnungsgemäße Steuerung von Bewegungsabläufen ist: dem Dopamin. Parkinson ist eine der häufigsten Nervenerkrankungen in Deutschland. Jeder 1000ste bis jeder 500ste Einwohner ist von ihr betroffen. Die Häufigkeit nimmt dabei mit dem Alter stark zu. So leidet von den über 65-Jährigen beinahe jeder 50ste an der Erkrankung.
Häufig ist auch die geistige Leistungsfähigkeit betroffen
In etwa 40% aller Fälle wird die Bewegungsstörung bei Parkinson von einer Demenz begleitet, also einer deutlichen Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit. Parkinson-Patienten entwickeln sechsmal häufiger eine Demenz als gesunde Personen gleichen Alters. Die Häufigkeit der Demenz steigt mit der Dauer der Parkinson-Erkrankung und dem Alter der Patienten. Eine großangelegte Untersuchung in Deutschland zeigte, dass von den über 75-jährigen Parkinsonpatienten etwa zwei Drittel an einer Demenz leiden.
Die Parkinson-Demenz unterscheidet sich in Ausprägung und Verlauf von der Alzheimer-Demenz. So ist das Gedächtnis von Parkinson-Dementen zunächst nicht betroffen. In späteren Krankheitsphasen, in denen es dann auch zu einer Beteiligung des Erinnerungsvermögens kommen kann, fällt es den Kranken vor allem schwer, bestehende Gedächtnisinhalte abzurufen. Das Speichern von Erinnerungen funktioniert im Gegensatz zu Alzheimer hingegen noch lange Zeit gut. Kennzeichnend für eine Parkinson-Demenz sind eingeschränkte Aufmerksamkeit, Schwierigkeiten bei der Planung von Aufgaben und beim Lösen von Problemen sowie Beeinträchtigungen des räumlichen Sehens. Relativ oft kommt es bei der Parkinson-Demenz zu Verhaltensstörungen und zu Halluzination, in denen Tiere oder Menschen eine Rolle spielen. Auch Depressionen sind eine typische Begleiterscheinung.
Während sich die Parkinson-Demenz recht gut von der Alzheimer-Demenz unterscheiden lässt, hat sie viele Gemeinsamkeiten mit der so genannten Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB). Bei dieser treten zunächst - ähnlich wie bei Parkinson - Bewegungsstörungen auf. Allerdings treten hier bereits im ersten Jahr nach Beginn der motorischen Symptome auch Zeichen der Demenz auf. Die DLB schreitet zudem rascher fort als die Parkinson-Demenz. Trotzdem ist die Abgrenzung der beiden Krankheiten oft nicht einfach.
Wie lässt sich erkennen, ob der Partner eine Parkinson-Demenz entwickelt?
Bei der Diagnose einer Demenz hilft es dem Arzt, wenn er sich ein genaues Bild vom Verhalten des Patienten machen kann. Haben Angehörige von Parkinson-Patienten den Verdacht, dass sich eine Parkinson-Demenz entwickelt, sollten sie möglichst viele Beispiele und Situationen notieren, in denen ihnen das Verhalten des Betroffenen aufgefallen ist. Aus diesen Informationen kann der Arzt wertvolle Rückschlüsse ziehen.
Die folgenden Warnsignale können Hinweise auf eine Parkinson-Demenz sein:
Veränderungen im Alltag:
- Eine auffällige Verschlechterung gegenüber den Fähigkeiten und Funktionen vorher;
- Schwierigkeiten bei Alltagstätigkeiten, wie Essen, Ankleiden, Einkaufen oder andere gewohnte Handlungen;
- Störungen bei der räumlichen Orientierung, in der Wohnung oder der näheren Umgebung.
Störungen des Denkens:
- Neu auftretende Schwächen bei der Beurteilung von Sachverhalten;
- Schwierigkeiten beim Lösen einfacher Probleme oder bei Entscheidungen;
- Probleme, logisch zu denken;
- Schwierigkeiten, einfache Dinge zu planen;
- Störungen der Aufmerksamkeit, vor allem bei geteilter Aufmerksamkeit.
Störungen der Merkfähigkeit:
- zunehmend schlechtes Namensgedächtnis;
- zunehmende Vergesslichkeit;
- Vergessen von wichtigen Alltagsinformationen (Termine, Verabredungen).
Störungen des Gedächtnisses:
- Wenn plötzlich Worte fehlen und die Gegenstände nicht mehr benannt werden können;
- Veränderung in der Flüssigkeit der Sprache;
- Erinnerungsstörungen für kurz zurückliegende Ereignisse (Kurzzeitgedächtnis).
Verhaltensveränderungen:
- Auffällige Interesselosigkeit, Apathie;
- Zurückgezogenheit und Ängste;
- nächtliche Verwirrtheit, starke Unruhe;
- Wesensveränderungen.
Mögliche Begleitbeschwerden:
- Schlaflosigkeit;
- Visuelle Halluzinationen, z.B. werden Personen gesehen, die nicht anwesend sind;
- Aggression.
Behandlung ist möglich
Die Demenz in Folge einer Parkinson-Erkrankung ist erst in den letzten Jahren vermehrt in das Zentrum von Forschung und Behandlungsstrategien gerückt. Eine groß angelegte Studie hat gezeigt, dass mit dem Cholinesterase-Hemmer Rivastigmin ein Medikament zur Verfügung steht, welches den Verlauf der Parkinson-Demenz nicht nur verzögern, sondern die geistige Leistungsfähigkeit sogar deutlich verbessern kann. Da sich Rivastigmin zudem nicht negativ auf die Bewegungsstörungen bei Parkinson auswirkt, wird dieses bislang einzig zugelassene Medikament als Mittel der Wahl zur Behandlung der Parkinson-Demenz angesehen.
Die Wirkung anderer Cholinesterase-Hemmer ist bisher noch nicht in größeren Studien untersucht worden. Rivastigmin erscheint aufgrund einer besonderen Eigenschaft jedoch besonders qualifiziert: Neben der Acetylcholinesterase wird noch ein weiteres Enzym, die so genannte Butyrylcholinesterase gehemmt. Dieser zusätzliche Effekt verstärkt die positive Wirkung auf die geistige Leistungsfähigkeit. Das Medikament wird in der Regel gut vertragen. Übelkeit und Erbrechen, die häufigsten Nebenwirkungen, treten besonders dann auf, wenn die Dosis des Medikaments zu schnell erhöht wird. Ein langsameres Vorgehen wirkt dieser unerwünschten Begleiterscheinung entgegen.



